Am 20. November wird weltweit der Transgender Day of Remembrance begangen, ein Gedenktag für die Opfer transfeindlicher Gewalt. In Österreich nutzten Vertreter:innen der Grünen und der SPÖ den Anlass, um auf die zunehmende Bedrohungslage für trans- und genderdiverse Menschen hinzuweisen. Die Zahlen sind alarmierend: Dem aktuellen „Trans Murder Monitoring“-Bericht zufolge wurden in den vergangenen zwölf Monaten weltweit 281 trans Personen ermordet.
„Dass Menschen allein wegen ihrer Identität brutal ermordet werden, ist unerträglich“, betont David Stögmüller, LGBTIQ+-Sprecher der Grünen. Er fordert entschlossene Maßnahmen der Bundesregierung. Insbesondere der lange angekündigte Nationale Aktionsplan gegen Hasskriminalität müsse endlich umgesetzt werden.
„Transfeindlicher Hass ist bitterer Alltag“
Dem Hate-Crime-Bericht 2024 des Innenministeriums zufolge erleben trans Menschen in Österreich regelmäßig Anfeindungen, Diskriminierungen und Gewalt. Die Berichte reichen von Beleidigungen und gezielter Ausgrenzung bis hin zu tätlichen Angriffen. Laut Stögmüller reicht teilweise ein einziger Satz über die eigene Identität, um Gewalt auszulösen.
„Trans Personen werden auf offener Straße beschimpft, gedemütigt und sogar mit Elektroschockern bedroht“, so Stögmüller. Die Angriffe geschehen oft spontan und richten sich gezielt gegen die Identität der Betroffenen. Die Forderung des Grünen-Abgeordneten ist klar: „Trans Personen müssen umfassend vor Gewalt geschützt werden – ohne Wenn und Aber.“
SPÖ: Kulturkampf bedroht gesellschaftlichen Zusammenhalt
Auch vonseiten der SPÖ kommen deutliche Worte. Die sozialdemokratische LGBTIQ+-Organisation SoHo sieht in der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung eine gefährliche Dynamik. Dominique Mras, Trans*-Sprecherin der SoHo, warnt: „Kaum eine Gruppe wird so gezielt attackiert wie die trans Community. Rechte Kulturkämpfer in Europa – von Trump bis Orbán – schüren gezielt Hass. Auch in Österreich bedienen sich FPÖ-nahe Kreise dieser Strategie.“
Mario Lindner, Vorsitzender der SoHo und Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, mahnt zu Besonnenheit: „Gerade jetzt braucht es klare Worte und Solidarität. Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben ohne Angst – unabhängig von der Geschlechtsidentität.“
Laut Mras und Mario Lindner ist der Nationale Aktionsplan gegen Hate Crime ein wichtiger Schritt, der nun jedoch auch wirksam umgesetzt werden müsse. Ziel müsse es sein, besonders verletzliche Gruppen gezielt vor Hass und Diskriminierung zu schützen.
Zivilgesellschaft und Politik in der Verantwortung
Die TGEU, eine europäische Menschenrechtsorganisation für die trans Community, hat zuletzt einen starken Anstieg von Angriffen auf trans Aktivist:innen dokumentiert. Auch in Österreich ist die Dunkelziffer laut NGOs hoch, da viele Angriffe aus Angst oder Scham nicht gemeldet werden.
„Hassverbrechen gegen trans Personen gefährden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch das soziale Gefüge unseres Landes“, sagt die SoHo. Die Organisation ruft deshalb zur breiten gesellschaftlichen Gegenwehr auf: „Alle sind gefordert, sich gegen Hass, Falschinformationen und Diskriminierung zu stellen.“

