Das Theater in der Josefstadt hatte am Sonntagabend gleich mehrfach Grund zur Freude: Die Großproduktion „Das Vermächtnis“ nach dem Erfolgsstück von Matthew Lopez war in mehreren Kategorien nominiert. Am Ende wurde Nils Arztmann als bester Schauspieler ausgezeichnet.
Doppelrolle bringt Nils Arztmann den Nestroy
Er erhielt den Nestroy für seine eindrucksvolle Doppelrolle als Adam und Leo in dem zweiteiligen Generationenporträt über eine queere New Yorker Community. Die Jury würdigte die emotionale Bandbreite und das präzise Spiel des Schauspielers, der zwei Figuren mit unterschiedlichen Lebenswegen glaubhaft verkörperte.
Arztmann bedankte sich mit klaren Worten: „Gerade in einer Zeit, in der queere Rechte weltweit angegriffen werden, ist dieses Stück wichtiger denn je.“ Die Inszenierung setzt sich mit den Themen Liebe, Verlust, Identität und gesellschaftlicher Verantwortung auseinander und trifft damit den Nerv der Zeit.
Auch Kollege Niedermair nominiert
Bemerkenswert: In der Kategorie „Bester Schauspieler“ waren gleich zwei Schauspieler aus der Josefstadt-Produktion „Das Vermächtnis“ nominiert. Neben Nils Arztmann stand auch Martin Niedermair zur Wahl.
Die Doppel-Nominierung unterstreicht die Stärke des Ensembles und die hohe Qualität der Inszenierung. Mit dem mehrstündigen Theatermarathon hat sich das Haus an ein aufwändiges und anspruchsvolles Stück gewagt – und wurde dafür nun auch öffentlich belohnt.
Weitere Ehrungen für starke Schauspiel- und Regieleistungen
Julia Riedler wurde für ihre Solorolle in „Fräulein Else“ am Volkstheater zur besten Schauspielerin gekürt. Regisseurin Leonie Böhm erhielt den Nestroy für die beste Regie derselben Inszenierung.
Itay Tiran gewann in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ für seine Arbeit im Jelinek-Stück „Burgtheater“, einer Koproduktion der Wiener Festwochen mit dem Burgtheater.
Nachwuchs, Publikum und Lebenswerk: Weitere Auszeichnungen
In der Nachwuchskategorie wurde Pauline Großmann für ihre Rolle in „Gabriel“ am Salzburger Landestheater ausgezeichnet. Lena Riemer erhielt den Nachwuchspreis in der Kategorie „Autor:in, Kostüme, Regie“ für ihren Text „Aufstiegskörper. ein fühlversuch.“, der am Theater am Werk uraufgeführt wurde.
Den Publikumspreis erhielt Petra Alexandra Pippan vom Tiroler Landestheater. Den Nestroy für das Lebenswerk erhielt der langjährige Burgtheater-Schauspieler Martin Schwab.
Kulturpolitik unterstreicht Relevanz des Theaters
Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) würdigte das Theater als Ort der Vielfalt: „Hier begegnen sich Lebensrealitäten, die in der Gesellschaft oft getrennt sind.“ Auch er bezog sich auf den gesellschaftlichen Auftrag der Bühnenkunst: „Wir müssen die vierte Wand zu den Bürgerinnen und Bürgern durchbrechen.“
Veronica Kaup-Hasler, Wiens Kulturstadträtin, betonte die Rolle des Theaters als Denkraum: „Es ist der Ort, an dem sich Realität und Möglichkeit begegnen. Theater ist Teil der Lösung, nicht des Problems.“

