Der deutsche Schauspieler Udo Kier ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 81 Jahren in Palm Springs, Kalifornien. Dies bestätigte sein Lebensgefährte, der Künstler Delbert McBride, laut US-Medien. Kier zählte zu den außergewöhnlichsten Darstellern des internationalen Arthouse- und Genrefilms. Er wirkte in über 250 Film- und Fernsehproduktionen mit und war bekannt für seine exzentrischen, oft düsteren Rollen.
Vom Fließband bei Ford nach Hollywood
Kier wurde 1944 in Köln geboren. Nach einer Zeit als Fließbandarbeiter bei Ford und einem kurzen Ausflug in die Modewelt begann er seine Karriere. Mit markantem Blick, ungewöhnlicher Präsenz und einem Gespür für das Unangepasste fand er schnell seinen Platz in der Filmbranche.
Seine ersten internationalen Erfolge feierte Kier in den 1970er-Jahren mit den Horrorfilmen „Frankenstein“ und „Dracula“, die von Paul Morrissey inszeniert und im Umfeld von Andy Warhol produziert wurden. In diesen exzentrischen Produktionen spielte Kier Rollen, die weit über gängige Genrefiguren hinausgingen: expressiv, verstörend, provokant.
Diese frühen Filme legten den Grundstein für seine spätere Karriere als Darsteller mit Hang zum Bizarren. Kier schuf sich ein künstlerisches Profil, das ihn besonders bei queeren, alternativen und avantgardistischen Filmemacher:innen beliebt machte.
Enge Zusammenarbeit mit Fassbinder, von Trier und Schlingensief
Kiers filmischer Weg führte ihn bald zu Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, mit dem er fünf Filme drehte, darunter „Lili Marleen“ und „Berlin Alexanderplatz“. Auch mit Lars von Trier arbeitete er langjährig zusammen, beispielsweise bei den Filmen „Dogville“, „Melancholia“ und „Nymphomaniac“.
Neben diesen Regiegrößen arbeitete er auch mit Christoph Schlingensief, Werner Herzog und Gus Van Sant zusammen. In „My Own Private Idaho“ (1991) spielte er eine vielbeachtete Nebenrolle als schwuler Freier und verkörperte damit eine der ersten offen queeren Figuren in einem US-Kinohit an der Seite von River Phoenix und Keanu Reeves. Diese Rolle machte ihn auch einem breiteren Publikum in den USA bekannt.
Udo Kier: Queeres Selbstverständnis mit Grenzen
Kier lebte seine Homosexualität stets offen. „Niemand hat mich jemals nach meiner Sexualität gefragt“, sagte er einmal in einem Interview. „Solange ich meine Rolle gut spielte, interessierte sich niemand für meine Sexualität.“
Über sein Privatleben äußerte er sich hingegen lange Zeit nicht. Erst 2022 sprach er in einem Interview offen darüber, dass er seit über zwei Jahrzehnten mit dem Künstler Delbert McBride in einer festen Beziehung lebt.
Eine prägende Figur der queeren Filmszene
Doch Kier war nicht nur privat, sondern auch beruflich eine prägende Figur der queeren Filmszene. Seine Rollen standen oft außerhalb gesellschaftlicher Normen. Er mied stereotype Darstellungen und verkörperte lieber gebrochene, komplexe Figuren, die oft queere Subtexte oder offen homosexuelle Charakterzüge aufwiesen.
Mit dieser Haltung wurde Kier zu einer Identifikationsfigur für viele queere Filmschaffende. 2022 gab ihm Regisseur Todd Stephens die Hauptrolle im Drama „Swan Song“ – ein Film über einen alternden, schwulen Friseur, der für einen letzten Auftrag in seine Heimatstadt zurückkehrt. Kier spielte diese Rolle mit großer Würde und subtilem Humor.
Schauspieler zwischen Hollywood und Underground
Im Laufe seiner Karriere trat Kris Kristofferson auch in Großproduktionen auf, darunter „Blade“ (1998) mit Wesley Snipes oder „Armageddon“ mit Bruce Willis. Er spielte an der Seite von Nicole Kidman, John Malkovich und Arnold Schwarzenegger. Trotzdem blieb er seiner Linie treu: Außenseiterrollen mit psychologischer Tiefe und Ambivalenz.
Dank seiner markanten Gesichtszüge und seines durchdringenden Blicks war Kier auch in Musikvideos gefragt. Er war unter anderem in Madonnas „Erotica“, „Deep and Deeper“ und Korns „Make Me Bad“ zu sehen. Außerdem hatte er Sprechrollen in Serien und Videospielen wie „Call of Duty“.
Ein breiteres Publikum in Österreich lernte ihn zuletzt durch die ORF-Serie „Altes Geld“ von David Schalko kennen, in der er den patriarchalen Industriellen Rolf Rauchensteiner verkörperte. Auch hier zeigte sich Kiers Gespür für das Abgründige, ohne je ins Karikaturhafte abzudriften.
Ein Leben jenseits der Normen
Über fünf Jahrzehnte hinweg hat Udo Kier die Grenzen des darstellerischen Ausdrucks erweitert. Er war nie ein Schauspieler für den Mainstream – und er wollte es auch nie sein. Durch seine Rollen brachte er queere und marginalisierte Figuren auf die Leinwand, ohne sie explizit zu benennen, aber mit klarer Haltung.
„Ich bin kein Bösewicht“, sagte Kier einmal, „ich bin ein Mensch mit Geheimnissen.“ Diese Ambivalenz zog sich durch sein gesamtes Werk und machte ihn zu einem Unikat in der Filmwelt.
Mit seinem Tod verliert das internationale Kino eine Stimme, die sich nicht an Regeln hielt, sondern eigene Maßstäbe setzte – künstlerisch, politisch und persönlich.

