Der 21-jährige Schweizer Tennisprofi Mika Brunold hat sich öffentlich als schwul geoutet. In einem emotionalen Beitrag auf Instagram teilte der aktuell auf Platz 307 der Weltrangliste stehende Spieler am Samstagabend seine Gedanken und Erfahrungen mit seiner Fangemeinde. „Es ist Zeit, mich zu öffnen und euch mitzuteilen: Ich bin schwul“, schrieb der gebürtige Basler.
Er berichtet, er habe unzählige Stunden auf dem Tennisplatz verbracht, um an seiner Technik, seiner Fitness und seiner mentalen Stärke zu arbeiten. Doch ein zentraler Teil seiner Entwicklung habe abseits des Sports stattgefunden: „Ich habe gelernt, dass es nicht nur um körperliche Fähigkeiten geht. Es geht auch darum, seine Persönlichkeit zu entdecken und ehrlich zu sich selbst zu sein.“
„Ich bin stolz darauf, wer ich heute bin“
In seinem Post spricht der junge Tennisspieler offen über die inneren Kämpfe, die viele homosexuelle Menschen durchleben. „Schwul zu sein, heißt nicht nur, dasselbe Geschlecht zu lieben. Es geht auch darum, mit Dingen zurechtzukommen, über die die meisten Menschen nie nachdenken müssen“, erklärt Brunold. Er nennt die Angst, nicht akzeptiert zu werden, und den Druck, zu schweigen.
Die Entscheidung, sich öffentlich zu äußern, sei ihm nicht leicht gefallen. Doch er habe sich nie verstellen wollen: „Es zu verstecken und so zu tun, als wäre ich jemand anderes, kam für mich nie infrage.“ Heute kann er sagen: „Ich bin stolz darauf, wer ich bin.“
Unterstützung aus der Tenniswelt
Die Resonanz auf Brunolds Coming-out ist überwiegend positiv. Zahlreiche aktive Spieler:innen reagierten mit Kommentaren und Likes. Viktorija Golubic, Leandro Riedi, Conny Perrin und die deutsche Nummer eins Eva Lys haben öffentlich ihre Unterstützung gezeigt. Auch Tennisstar Stan Wawrinka hinterließ ein Like unter dem Beitrag.
In seinem Post spricht Brunold auch ein strukturelles Problem an. Im Männertennis sei Homosexualität weiterhin ein Tabuthema. Erst Anfang 2025 hatte sich mit dem Brasilianer João Lucas Reis da Silva erstmals ein aktiver männlicher Profi geoutet. „In einer idealen Welt müsste es gar kein Coming-out geben”, schreibt Brunold.
Sportlich machte Brunold zuletzt im Oktober bei den Swiss Indoors in Basel auf sich aufmerksam. In der Qualifikation brachte er den US-Amerikaner Reilly Opelka, ehemals die Nummer 17 der Welt, an den Rand einer Niederlage. Für sein Coming-out wählte der 21-Jährige bewusst die aktuelle Saisonpause, um sich in einem ruhigen Moment mit einem privaten Thema an die Öffentlichkeit zu wenden.

