Der offen schwule Fußballspieler Josh Cavallo hat in einem Podcast enthüllt, dass er seit seinem eigenen Coming-out zahlreiche Athleten betreut, die ihre Homosexualität lieber geheim halten. Der 26-Jährige steht aktuell beim englischen Club Peterborough Sports unter Vertrag und sagte, er sei mittlerweile eine Art Mentor für andere queere Sportler geworden, darunter auch Profifußballer und Olympiateilnehmer.
„Nicht jeder will diesen Weg gehen“
In einer Folge des Podcasts „We Need To Talk“ sprach Cavallo mit Paul C. Brunson über seine neue Rolle: „Ich habe viele Sportler als Mentor begleitet – viele Olympioniken, viele Fußballspieler, die nicht geoutet sind und auch nicht geoutet werden wollen“, erklärte der Australier. „Ich bin dankbar für meinen Weg und glücklich, dass ich ihn gegangen bin. Aber nicht jeder möchte das.“
Mit seinem öffentlichen Coming-out im Oktober 2021 wurde Cavallo eine weltweit bekannte Figur im Profisport. Mit einem emotionalen Beitrag in den sozialen Medien wurde er der erste aktive männliche Fußballprofi auf internationalem Niveau, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte.
Unterstützung in sicherem Raum
Seither nutzt Cavallo seine Erfahrungen, um anderen Sportlern in ähnlichen Situationen zur Seite zu stehen. Dabei betont er, wie wichtig ein geschützter Raum für diese Menschen ist. „Sie sind froh, wenn sie sich erst in einem Jahr oder vielleicht sogar erst in zehn Jahren outen. Vielleicht wollen sie sich auch nie outen. Aber dass sie mit mir diesen sicheren Raum haben – mit einem Fremden, den sie nicht einmal kennen – ist unglaublich. Ich selbst hatte so einen Raum nicht.“
Ein Hauptgrund für das Zögern vieler Athleten sei die Angst vor dem Karriereende, erklärt Cavallo. Er hattevor seinem eigenen Coming-out auch große Sorgen, dass seine Offenheit negative Folgen haben könnte. Ein Gespräch mit seinem damaligen Trainer habe diese Bedenken jedoch schnell entkräftet.
„Ich dachte, meine Karriere ist vorbei“
„Ich glaube, sie waren einfach sprachlos, als ich ihnen das erzählt habe“, erinnerte sich Cavallo an die Reaktion seines Teams. „Sie dachten wohl, ich komme aus dem Büro und höre mit dem Fußball auf, aber das ist nicht passiert.“ Stattdessen sei er von seinem gesamten Team unterstützt worden. „Das war der schönste Tag meines Lebens, als hätte ich eine Maske abgelegt und weggepackt.“
Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, welche Kraft in der Offenheit liegen kann. Und auch, wie groß der Bedarf an Vorbildern ist. Cavallo sagte, er fühle sich heute verantwortlich, anderen Mut zu machen.
Fußballwelt bleibt herausfordernd
Trotz des Zuspruchs, den er erfahren hat, sieht Cavallo weiterhin große Herausforderungen im Profifußball: „Ich denke, wir kämpfen“, sagte er. Gerade im heutigen gesellschaftlichen Klima werde es eher schlimmer als besser, fürchtet er.
Er betonte, dass viele Profis aus Angst ihre Identität verstecken und dass es keine einfache Lösung gebe. „Aber ich kann ein Mosaikstein sein und dabei helfen, dass die nächste Person sich sicher fühlt und laut und stolz sein kann.“

