HomeNewsChronikErpressung mit schwulem Sextape: Haftstrafe für französischen Bürgermeister

Erpressung mit schwulem Sextape: Haftstrafe für französischen Bürgermeister

Ein Gericht in Lyon hat den Bürgermeister von Saint-Étienne, Gaël Perdriau, am 1. Dezember 2025 zu vier Jahren Gefängnis, davon ein Jahr auf Bewährung, verurteilt. Zudem wurde ein fünfjähriges Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden, ausgesprochen. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Vernay begründete das Urteil mit der „extremen Schwere der begangenen Taten“ und erklärte den 53-Jährigen für „vollumfänglich schuldig“.

Heimlich gefilmt und jahrelang erpresst

Perdriau war wegen Erpressung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Veruntreuung öffentlicher Mittel angeklagt. Die Justiz sah es als erwiesen an, dass er im Jahr 2015 gemeinsam mit engen Vertrauten die heimliche Aufnahme eines kompromittierenden Sexvideos in Auftrag gegeben hatte. Ziel war es, seinen damaligen Stellvertreter Gilles Artigues politisch unter Druck zu setzen.

Im Jänner 2015 wurde Artigues, einen katholischen Politiker aus der politischen Mitte, heimlich in einem Pariser Hotelzimmer gefilmt – in Begleitung eines männlichen Sexarbeiters. Die Videoaufnahme entstand ohne sein Wissen. Laut Anklage nutzte Perdriau die Aufnahmen, um Artigues politisch gefügig zu machen und ihn über Jahre hinweg zu kontrollieren.

Belastende Beweise und Aussagen

Die Staatsanwaltschaft sprach von einem gezielten Plan. Staatsanwältin Audrey Quey sagte im Prozess: „Er war derjenige mit dem Finger auf dem roten Knopf.” Perdriau habe gedroht, das Video zu veröffentlichen, sollte sich Artigues öffentlich gegen ihn stellen.

Zentraler Beweis war eine Tonaufnahme aus dem Jahr 2017, in der Perdriau gegenüber Artigues davon spricht, einen USB-Stick mit belastendem Material zu besitzen, und damit droht, es publik zu machen. Artigues berichtete vor Gericht von den psychischen Folgen: „Ich war wie eine Marionette“, sagte er. Die Angst vor öffentlicher Bloßstellung habe ihn in seiner Arbeit blockiert. Er sprach sogar von Suizidgedanken.

Auch andere Beteiligte wurden im Prozess zur Verantwortung gezogen. Verurteilt wurden Perdriaus früherer Kabinettschef Pierre Gauttieri, der Ex-Bildungsdezernent Samy Kéfi-Jérôme sowie dessen damaliger Lebensgefährte Gilles Rossary-Lenglet. Rossary-Lenglet war es auch, der die Affäre im Jahr 2022 gegenüber dem Investigativmedium Mediapart öffentlich machte.

Rücktritt nach öffentlichem und juristischem Druck

Nur einen Tag nach dem Urteil zog Gaël Perdriau Konsequenzen. Er übermittelte seine Rücktrittserklärung an die Präfektur der Loire. In dem Schreiben erklärte er, sowohl sein Amt als Bürgermeister von Saint-Étienne als auch seine Funktion als Präsident der Metropole Saint-Étienne niederzulegen. Während des Prozesses hatte Perdriau stets seine Unschuld beteuert und angekündigt, in Berufung zu gehen.

Perdriau war jahrelang ein prominentes Mitglied der konservativen Partei „Les Républicains“ und fungierte zeitweise sogar als deren stellvertretender Vorsitzender. Doch bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2022 distanzierte sich die Partei von ihm und schloss ihn wegen „niederträchtiger Methoden” aus ihren Reihen aus.

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