In seiner Autobiografie „Den Rest hab ich verdrängt“ gewährt der Schauspieler und Regisseur Pierre Sanoussi-Bliss einen offenen Einblick in seine Kindheit und Jugend in der DDR. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines guineischen Vaters wuchs in Ostberlin auf – als schwarzer Junge in einem Land, das offiziell keinen Rassismus kannte, in dem er in der Realität jedoch oft Diskriminierung erfuhr.
Sanoussi-Bliss beschreibt Alltagsrassismus, das Gefühl des Andersseins und die Suche nach Zugehörigkeit. Dabei bleibt er stets bei sich: „Ich war immer beides – deutsch und afrikanisch. Aber ich musste mir das Recht, das auch so zu sagen, hart erarbeiten“, schreibt er. Seine Erfahrungen sind geprägt von Unsicherheit, aber auch von Selbstbehauptung und Stolz.
Humor trotz harter Themen
Trotz der ernsten Themen bleibt der Ton des Buches leichtfüßig. Sanoussi-Bliss schreibt mit Wärme und Würde sowie oft mit feinem, selbstironischem Humor. Gerade das verleiht dem Buch eine besondere Authentizität.
Auch schwierige Kapitel, etwa das Erleben von Diskriminierung oder das Ringen mit der eigenen sexuellen Identität, schildert er mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Mut zur Offenheit. „Ich wollte nie der sein, über den man nur spricht. Ich wollte selbst erzählen“, heißt es an einer Stelle. Und genau das tut er – mit bemerkenswerter Klarheit.
Vom Theater zum Fernsehen – und wieder zurück
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist Sanoussi-Bliss’ künstlerischer Werdegang. Dieser reicht vom Schauspielstudium in Berlin über erste Theaterrollen bis hin zu seinen bekanntesten TV-Auftritten, etwa in der Serie „Der Alte“.
Doch er spricht auch über Misserfolge, Zweifel und die Last von Klischees, mit denen Schwarze Schauspieler oft konfrontiert sind. Dabei wird deutlich, wie sehr sein Leben von Durchhaltevermögen geprägt ist. Und wie wichtig es ihm war, sich nicht auf eine Rolle – im doppelten Sinne – reduzieren zu lassen.
Persönlich, aber nie kitschig
Pierre Sanoussi-Bliss gelingt der Spagat: Er bleibt persönlich, ohne ins Sentimentale abzudriften. Seine Sprache ist klar, oft pointiert und manchmal schmerzhaft ehrlich. Gerade deshalb funktioniert das Buch nicht nur als individuelle Lebensgeschichte, sondern auch als Spiegel für all jene, die sich zwischen Kulturen, Identitäten und gesellschaftlichen Erwartungen bewegen.
Durch seine Offenheit über Herkunft, Sexualität und Zugehörigkeit wird „Den Rest hab ich verdrängt“ zu einem eindrücklichen Zeitzeugnis und zu einer Einladung, einem ganz besonderen Menschen zuzuhören.


