Dana International, die 1998 als erste trans Frau den Eurovision Song Contest gewann, hat sich in einer öffentlichen Stellungnahme zu den angekündigten Boykotten mehrerer Länder beim ESC 2026 geäußert. Auf Instagram wendet sich die israelische Sängerin direkt an die öffentlich-rechtlichen Sender aus den Niederlanden, Spanien, Irland und Slowenien, die ihre Teilnahme in Wien aufgrund der politischen Lage in Israel aussetzen wollen.
„Ich bin so oft in euren Ländern aufgetreten – auf Bühnen, im Fernsehen. Ich wurde immer mit Wärme empfangen“, beginnt Dana International ihr Statement. „Ihr habt mit mir ‚Viva La Diva‘ gesungen und euch mit der Botschaft verbunden, die ich mitbrachte: Gleichberechtigung, Akzeptanz, Menschenwürde und die Grundrechte jedes Einzelnen.“
Kritik am Rückzug vom ESC
Dana zeigt sich tief enttäuscht über die Entscheidung der betroffenen Länder. In ihrem Statement fragt sie: „Könnt ihr mir bitte erklären, wie und warum ihr euch gegen uns gewandt habt? Wollt ihr nicht mehr mit uns singen? Versteht ihr, wie verletzend und beleidigend diese Entscheidung ist? Wie viel Hass und Schaden sie nur erzeugt?“
Gleichzeitig hebt sie hervor, dass Israel seit vielen Jahren Teil des Eurovision Song Contests ist und sich stets bemüht, musikalisch mitzuhalten. Tel Aviv nennt sie dabei als Symbol einer liberalen, offenen Gesellschaft. „Unsere Pride gehört zu den größten weltweit“, so die Sängerin.
Israel als liberale Ausnahme in der Region
Dana International betont, dass Israel in der Region eine Sonderstellung einnimmt: als einziges Land mit offenen LGBTI-Rechten, als Gastgeber großer Pride-Paraden und als kultureller Treffpunkt. Gleichzeitig verweist sie auf die religiöse Bedeutung Jerusalems als Ort der drei großen monotheistischen Religionen.
„Wir sind auch das Land von Tel Aviv, von den Stränden und epischen Partys“, schreibt sie. Diese Vielfalt gehöre genauso zu Israel wie die politischen Herausforderungen. Boykotte seien in ihren Augen kein Mittel der Verständigung, sondern ein Schritt in die falsche Richtung.
Appell zur Differenzierung
In ihrer Botschaft ruft Dana dazu auf, zwischen Regierung und Bevölkerung zu unterscheiden. „Ein großer Teil der Menschen in Israel unterstützt die aktuelle Regierung nicht. Sie wollen etwas anderes“, schreibt sie. Es sei ungerecht, ein ganzes Land für politische Entscheidungen einzelner verantwortlich zu machen.
Zudem geht sie auf den Krieg ein, der in ihren Worten „unerträglich“ gewesen sei und zu lange gedauert habe. Dennoch sei Israel gezwungen, seine Existenz zu verteidigen, während es gleichzeitig versuche, liberale Werte aufrechtzuerhalten.
Warnung vor Doppelmoral
Dana International kritisiert den Umgang mit Homosexualität in den Palästinensergebieten besonders scharf. „Die Hamas exekutiert Menschen, weil sie schwul sind. Fast jeder Gewinner des Eurovision Song Contests wäre auf dem Marktplatz in Gaza gehängt worden“, schreibt sie. Diese Realität dürfe nicht ausgeblendet werden, auch wenn sie kein Freifahrtschein für die israelische Politik sei.
„Natürlich müssen wir für Frieden und Versöhnung mit allen Menschen kämpfen“, ergänzt sie. Ein Rückzug vom ESC schade jedoch dem Dialog und der Idee, durch Musik Brücken zu bauen.
Zum Schluss zeigt sich Dana International hoffnungsvoll. Sie glaubt, dass die Rückzugsentscheidungen rückgängig gemacht werden und der Eurovision Song Contest 2025 wieder zu einem Ort des gemeinsamen Feierns wird. „Ich freue mich darauf, euren Eurovision-Song zu hören, statt Erklärungen zu einem Boykott.“

