Der isländische Rundfunk RÚV bestätigte am Mittwoch offiziell, dass Island im kommenden Jahr nicht am Eurovision Song Contest (ESC) teilnehmen wird. Die Entscheidung fiel wenige Stunden vor Ablauf der Frist zur Teilnahmebestätigung. Damit schließen sich die Isländer einer wachsenden Gruppe europäischer Länder an, die den ESC 2026 in Wien aus Protest boykottieren.
Streit um Israels Teilnahme sorgt für Spaltung
„Die Teilnahme des israelischen Senders KAN hat unter den Mitgliedern der Europäischen Rundfunkunion und in der Öffentlichkeit zu Uneinigkeit geführt“, erklärte RÚV in einer offiziellen Stellungnahme. Island hatte bereits zuvor angedeutet, sich zurückziehen zu wollen. Der endgültige Beschluss wurde jedoch erst nach einer Vorstandssitzung am Mittwoch getroffen.
Israel nimmt seit 1973 am Eurovision Song Contest teil, da der öffentlich-rechtliche Sender KAN Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) ist. Das Land konnte den Wettbewerb bisher viermal für sich entscheiden – zuletzt im Jahr 2018 – und belegte 2025 den zweiten Platz.
Vorwürfe und neue Regeln nach Kritik an Abstimmungsverfahren
Die diesjährige ESC-Ausgabe wurde von mehreren Kontroversen überschattet. Kritik entzündete sich an der Rolle Israels während des Wettbewerbs, insbesondere in Hinblick auf den Gaza-Krieg und mögliche politische Einflussnahmen. Beobachter warfen der israelischen Regierung vor, versucht zu haben, das öffentliche Voting zu beeinflussen.
In Reaktion auf diese Kritik beschloss die EBU auf einem Gipfel vergangene Woche neue Maßnahmen, um die Integrität des Abstimmungsverfahrens zu sichern. Trotz dieser Änderungen erklärten mehrere Länder, sie würden 2026 nicht teilnehmen. Spanien hatte bei dem Treffen einen Antrag auf Abstimmung über Israels Teilnahme gestellt – dieser wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin zogen sich auch Irland, Slowenien und die Niederlande zurück.
Israel weist Boykott-Kritik zurück
KAN-Generaldirektor Golan Yochpaz äußerte sich kritisch zu den Rückzugsforderungen. In einer veröffentlichten Mitschrift des Treffens erklärte er: „Der Versuch, Kan vom Wettbewerb auszuschließen, kann nur als kultureller Boykott verstanden werden.“
Er warnte vor möglichen Folgen: „Ein Boykott beginnt heute mit Israel – aber niemand weiß, wo er endet und wen er als Nächstes treffen könnte. Ist das wirklich das Vermächtnis, das wir dem ESC zu seinem 70. Jubiläum geben wollen?“

