Ein interner Konflikt an der Kunstuniversität Graz (KUG) sorgt kurz vor Weihnachten für Unruhe. Im Mittelpunkt steht ein Hinweis des universitätseigenen Zentrums für Genderforschung und Diversität (ZfGD) auf das Festival „Porn Nights Graz“, das von den RosaLila PantherInnen (RLP) organisiert wird.
Es geht um den „gesunden und offenen Umgang mit Sexualität, Nacktheit und Pornografie“
Der kurze Text, veröffentlicht im November, kündigte ein „queer-feministisches Pornofestival“ an, das für einen „gesunden und offenen Umgang mit Sexualität, Nacktheit und Pornografie“ eintrete.
Die Reaktionen innerhalb der Universität fielen unterschiedlich aus – von Zustimmung über kritische Nachfragen bis hin zu scharfer Ablehnung. Nun stehen sich zwei Lager gegenüber.
Veranstalter verteidigen Festival als Plattform für Vielfalt
In einer Stellungnahme betonen die RLP, dass das Festival keineswegs auf Provokation abzielt. Seit 2018 biete es in der Steiermark eine Plattform für künstlerische Auseinandersetzung mit Sexualität, Körperlichkeit und queer-feministischen Perspektiven – Themen, die im Mainstream kaum Platz fänden.
„Für uns ist Pornografie auch Kunst und Kultur: qualitativ, menschlich, schön, fair und empowernd“, so die Veranstalter:innen. Die „Porn Nights Graz“ würden rein ehrenamtlich organisiert, erzielten keinen Gewinn und setzten sich gezielt mit der gesellschaftlichen Tabuisierung von Sexualität auseinander. Die Festivalmacher:innen zeigen sich enttäuscht über die mediale Darstellung in der Kleinen Zeitung, die ihrer Meinung nach ein verzerrtes Bild vermittelt habe: „Allein das zeigt, wie nötig eine offene Debatte zu Sexualität nach wie vor ist.“
Auch betonen sie, dass die KUG in früheren Jahren offizieller Festivalpartner war. Inzwischen haben sie ein Gespräch mit der Universitätsleitung und dem ZfGD angefragt, um Missverständnisse zu klären und eine mögliche Wiederaufnahme der Zusammenarbeit zu besprechen.
Professorin kritisiert „Verlust von Niveau“
Den stärksten Widerstand äußerte Cello-Professorin Kerstin Feltz. In einem Rundmail an Kolleg:innen erklärte sie: „Pornografie hat das Ziel, sexuell zu erregen – das hat an einer Kunstuniversität nichts zu suchen.“ Besonders der Satz „Für uns ist Pornografie Kunst und Kultur“ sei für sie inakzeptabel. „Das entwertet unsere ernsthafte, kompetente und oft auch mühevolle Arbeit.“
Mehrere Kolleg:innen stimmten Feltz zu. Ein Lehrender sprach in einer Reaktion von einem „Autoimmunkollaps von jeglichem Niveau“, ein anderer von „Realsatire“, die man nicht länger hinnehmen könne. Auch der Vorwurf, dass hier „Arroganz und Inkompetenz“ ungefiltert auf Studierende einwirkten, wurde geäußert. Die Wortwahl macht deutlich, wie emotional die Debatte geführt wird.
Zentrum für Genderforschung beruft sich auf akademische Freiheit
Das ZfGD verteidigte seine Entscheidung in einer internen Mitteilung. Es sei nicht darum gegangen, Pornografie zu bewerben, sondern auf ein kulturelles Diskursangebot hinzuweisen. Die „Porn Studies“-Forschung sei längst Teil der Film- und Medienwissenschaft und analysiere unter anderem Macht- und Dominanzverhältnisse in pornografischen Darstellungen.
„Anstand und Respekt zeigen sich gerade darin, unbequeme und irritierende Themen nicht vorschnell zu delegitimieren“, heißt es in der Stellungnahme. Gleichzeitig räumt das Zentrum ein, dass die Verwendung der Originalaussendung der Veranstalter:innen „nicht ausreichend kenntlich gemacht“ wurde. Öffentlich äußern wollte sich die Zentrumsleiterin Christa Brüstle nicht, sie verwies auf den Rektor.
KUG-Rektor ruft zur Mäßigung auf
KUG-Rektor Georg Schulz sieht den Vorfall gelassen. Der Veranstaltungshinweis sei kein Werbetext gewesen, sondern ein Verweis auf ein externes Diskursfestival. „Ich sehe nichts Schlechtes, wenn man darüber informiert“, sagte Schulz. Auch handle es sich seiner Ansicht nach um eine sehr kleine Gruppe von Kritiker:innen: „Wir sind an der KUG rund 800 Personen. Nicht einmal zehn haben mir gegenüber Kritik geäußert.“
Dennoch erkennt der Rektor, dass der Konflikt emotional aufgeladen ist. Einige Musiker:innen hätten sich nicht öffentlich geäußert – aus Sorge, mögliche Engagements zu verlieren. Schulz kündigte an, „den Dissens aufzulösen“, indem er den Dialog zwischen den Beteiligten fördern möchte.
„Uns ist der konstruktive Austausch mit Institutionen besonders wichtig“, betonen die Veranstalter:innen. Ob ein gemeinsamer Nenner gefunden wird, bleibt offen – doch das Bedürfnis nach Klärung ist auf beiden Seiten spürbar.

