Wenige Tage vor dem großen Serienfinale gerät „Stranger Things” nicht wegen übernatürlicher Kreaturen, sondern wegen einer emotionalen Coming-out-Szene in die Schlagzeilen. Die siebte Folge der fünften Staffel, in der sich die Serienfigur Will Byers offenbart, spaltet das Publikum. Vor allem auf Plattformen wie Rotten Tomatoes und IMDb schlägt sich die Kontroverse deutlich in den Bewertungen nieder.
Deutlicher Einbruch der Zuschauerbewertungen
Bis vor Kurzem galt „Stranger Things” als eine der am besten bewerteten Serien auf Netflix. Doch seit der Veröffentlichung des zweiten Teils der fünften Staffel am 25. Dezember sind die Fanbewertungen stark gesunken. Besonders hart trifft es Episode sieben mit dem Titel „The Bridge“: Auf IMDb verzeichnet die Folge nur noch eine Wertung von 5,4 von 10 Punkten – ein historischer Tiefpunkt für das Format. Zuvor lagen fast alle Episoden der Serie konstant über 8,0 Punkten.
Auch auf Rotten Tomatoes ist ein starker Abfall zu erkennen. Der sogenannte „Popcorn Score“, der das Feedback des Publikums misst, fiel auf 56 Prozent. Noch vor der Veröffentlichung der zweiten Staffelhälfte lag dieser Wert im soliden 70er-Bereich. Die Redaktion des Branchenmagazins Variety vermutet eine koordinierte Kampagne hinter den negativen Wertungen.
Schwulenfeindliche Kommentare in sozialen Netzwerken
Die Szene, die den Unmut ausgelöst hat, zeigt den schüchternen Teenager Will Byers (Noah Schnapp), wie er sich vor seiner Familie und seinen Freunden als schwul outet. In der Serienhandlung ist dies ein bedeutsamer Schritt, den viele Fans als längst überfällig empfinden, da Wills Identität in der Serie bereits seit Staffel eins subtil angedeutet wurde.
Trotzdem sah sich die Serie in den sozialen Medien scharfer Kritik ausgesetzt. Besonders auf der Plattform X (ehemals Twitter) entflammte eine Debatte. Unternehmer Elon Musk schrieb dort: „Es ist komplett unnötig und wird einem Publikum aufgezwungen, das einfach nur etwas Science-Fiction genießen will.“ Diese Aussage wurde vor allem aus rechtskonservativen Kreisen aufgegriffen und mit schwulenfeindlichen Kommentaren verstärkt.
Zwischen emotionalem Tiefpunkt und kulturellem Wendepunkt
Gleichzeitig erfahren Szene und Figur viel Zuspruch. Dieser kommt nicht nur aus der queeren Community. Viele Zuschauer betonen, wie authentisch und nachvollziehbar die Entwicklung von Will inszeniert sei.
Schauspieler Noah Schnapp, der sich 2023 öffentlich als schwul geoutet hat, erzählte in einem Interview mit Variety, dass ihm die Rolle dabei geholfen habe, zu sich selbst zu finden. „Wenn ich Will nicht gespielt hätte, würde ich mich vermutlich immer noch verstecken“, sagte er damals.
Auch inhaltlich ist das Coming-out kein Fremdkörper, sondern spielt eine zentrale Rolle in Wills Entwicklung und bereitet seine Konfrontation mit dem Serienantagonisten Vecna vor. Die Macher Matt und Ross Duffer sehen darin eine logische Fortsetzung der bisherigen Figur.
Kritiker loben Schauspiel, monieren Tempo und Erzählstruktur
Unabhängig von der Debatte um die Coming-out-Szene kritisieren einige Zuschauer auch andere Aspekte der Staffel. In Rezensionen werden langatmige Dialoge, zu viele Rückblenden und eine teils schleppende Handlung häufig genannt. So soll sich die Serie zu sehr auf Retro-Zitate und bekannte Erzählmuster verlassen, anstatt die Charaktere wirklich weiterzuentwickeln.
Daniel D’Addario, leitender Kritiker bei Variety, sieht das anders: „Ein queerer Charakter, der sich in einer Serie mit so großer Reichweite öffnet, ist ein kultureller Einschnitt – und das Ergebnis einer langen Reise.“
Zum Jahreswechsel wird die achte und letzte Folge der fünften Staffel veröffentlicht. Sie wird sowohl auf Netflix als auch in ausgewählten Kinos in den USA gezeigt. Bis dahin dürfte die Debatte um die siebte Episode nicht abreißen und das Serienfinale noch einmal in den Fokus rücken.

