Die öffentlichen Saunen der Stadt Wien sollen Orte der Erholung sein. Für viele Menschen sind sie das auch. Für trans, intergeschlechtliche und nichtbinäre (TIN) Personen gilt das jedoch oft nicht.
Betroffene berichten immer wieder von Blicken, Kommentaren und offener Belästigung. Der Zugang zu Saunen wird so für eine ganze Gruppe faktisch eingeschränkt. Genau darauf machte zuletzt eine Initiative aufmerksam, die nun politisch abgeblockt wurde.
Forderung nach Schutzräumen für TIN-Personen
Auslöser waren Berichte über sexuelle Übergriffe im Amalienbad. Die zuständige Magistratsabteilung (MA) 44 reagierte darauf mit Aufklärungsarbeit und Hinweisen an das Personal. Nun appellieren Tafeln an die Gäste, sich bei Übergriffen zu melden. Diese Maßnahmen sollen vor allem Frauen schützen, die an gemischten Saunatagen belästigt werden.
Doch die Debatte endete damit nicht. Auch queere Menschen meldeten sich zu Wort. Tim S. (Name geändert) schilderte gegenüber dem Standard die Situation für TIN-Personen deutlich. „Bei Abweichung vom klassischen Bild von ‚Mann‘ und ‚Frau‘ ist es nicht angenehm, in einer öffentlichen Sauna zu sein.“ Viele verzichten aus Angst vor Belästigung ganz auf den Saunabesuch.
Petition mit 500 Unterschriften ignoriert
Um diese Situation zu verbessern, forderten S. und rund 500 weitere Unterstützer:innen einen queeren Saunanachmittag pro Monat in einer Sauna der Stadt Wien. In diesen Zeitfenstern sollten andere Personengruppen keinen Zutritt haben. Die Idee orientierte sich an den bestehenden Frauen- und Männertagen in den Bädern.
Der Antrag landete im zuständigen Wiener Ausschuss. Dort fand er jedoch kaum Unterstützung. Am 5. Dezember stimmte lediglich Jennifer Kickert von den Grünen dafür. SPÖ, Neos, ÖVP und FPÖ lehnten den Vorschlag hingegen geschlossen ab. Damit scheiterte der konkrete Versuch, TIN-Personen einen geschützten Raum zu ermöglichen.
Kritik an der Rathauskoalition
Das heißt: Auch SPÖ und Neos, die sonst regelmäßig ihre Unterstützung für LGBTI-Rechte betonen, stellten sich im konkreten Fall gegen einen Antrag, der die Sicherheit und Teilhabe verbessern sollte. Stattdessen beschlossen SPÖ, Neos und ÖVP einen deutlich unverbindlicheren Alternativantrag.
Dieser sieht lediglich die Fortführung der „seit Jahren gut etablierten Zusammenarbeit“ der MA 44 mit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt) vor. Schulungen und Sensibilisierung des Personals sollen eine „inklusive Nutzung der Wiener Bäder“ ermöglichen. Konkrete Schutzzeiten für besonders betroffene Gruppen sind jedoch nicht vorgesehen.
Stadt Wien lehnt „Segregation“ ab
Gegenüber dem Standard verteidigte MA-44-Sprecherin Susanne Mederer-Schäfer diese Linie. Die Stadt sei gegen Segregation, so die Sprecherin. Alle Menschen sollen die Angebote gemeinsam nutzen. Das sei organisatorisch einfacher. Würde man einer Gruppe exklusive Zeiten einräumen, würden weitere Gruppen folgen. Auf den Einwand, dass es sehr wohl Frauentage gibt, verweist sie auf „historische Gründe“.
Diese Argumentation stößt bei Betroffenen auf Unverständnis. Sie weisen darauf hin, dass bestehende Strukturen TIN-Personen faktisch ausschließen. Eine gleichberechtigte Nutzung gebe es für sie oft nur auf dem Papier.
Blick nach Köln zeigt Alternativen
Ein Gegenbeispiel liefert Köln. Im dortigen Stadionbad findet alle zwei Wochen ein ganztägiger Saunatermin für TIN-Personen statt, der in Kooperation mit dem queeren Verein Rubicon organisiert wird. Teilweise sind diese Tage auch für „TIN and friends” geöffnet. Dieses Modell gilt für viele als Best Practice.
Die MA 44 schließt ein solches Angebot für Wien derzeit aus. Mederer-Schäfer nennt die stundenweise Anmietung von Saunaflächen als neue Idee. Ob und für wen das leistbar wäre, bleibt offen. Für viele TIN-Personen ändert sich damit vorerst wenig an einer Situation, die sie weiterhin vom öffentlichen Raum ausschließt.

