David Bowie starb am 10. Januar 2016, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag. Zurück blieb ein künstlerisches Erbe, das weit über Musik hinausgeht. Schon Anfang der 1970er-Jahre stellte Bowie die Konventionen der Popwelt auf den Kopf: Mit knalligem Make-up, androgynem Auftreten und glitzernden Outfits schuf er mit Ziggy Stardust eine Kunstfigur, die gegen starre Geschlechterrollen rebellierte.
In einem vielzitierten Interview mit dem britischen Melody Maker erklärte Bowie 1972: „Ich bin schwul und war es schon immer – selbst als ich noch David Jones war.“ Diese Aussage sorgte für Aufsehen und machte ihn zu einem der ersten Popstars, der offen über seine Sexualität sprach – und damit für viele queere Menschen zu einem Hoffnungsträger wurde.
Berlin: Rückzug, Neuanfang und queere Begegnungen
Mitte der 1970er-Jahre zog sich Bowie aus dem Rampenlicht zurück. Von 1976 bis 1978 lebte er in Berlin-Schöneberg, in einer Wohnung in der Hauptstraße 155 – gemeinsam mit seinem Freund und Musiker-Kollegen Iggy Pop. In West-Berlin fand Bowie Abstand von der exzessiven Glamrock-Zeit und begann musikalisch wie persönlich einen Neuanfang.
Berlin wurde für ihn aber nicht nur zur kreativen Werkstatt. In dieser Zeit lernte er auch die trans Künstlerin Romy Haag kennen, die mit ihrem Nachtclub Chez Romy Haag ein Zentrum der queeren Szene war. Die beiden verband eine enge Beziehung, über die Haag später sagte:„Er hat mich verstanden, wie ich war.“
Die Beziehung zu Haag und die Berliner Subkultur beeinflussten Bowies Selbstverständnis und Kunst maßgeblich. Hier entstanden Teile seiner berühmten „Berlin-Trilogie“ mit den Alben Low, Heroes und Lodger – Werke, die bis heute als Meilensteine gelten.
Stil als Statement – und Identität als offenes Konzept
Bowie spielte zeitlebens mit Identitäten und Inszenierungen. Mal futuristisch, mal dekadent, dann wieder schlicht. Auch seine sexuelle Orientierung blieb ein offenes Kapitel. In den 1980er-Jahren erklärte er in einem Interview mit dem Rolling Stone: „Es stimmt – ich bin bisexuell. Aber ich kann nicht leugnen, dass ich das sehr gut genutzt habe.“
Später bezeichnete er sich sogar als „ungenutzten Heterosexuellen“. Trotz dieser Relativierungen blieb seine Wirkung als Symbolfigur für queere Selbstbestimmung ungebrochen.
Viele queere Künstler:innen sehen Bowie bis heute als Wegbereiter. Olly Alexander, Sänger von Years & Years, sagte einmal über ihn: „Er hat es okay gemacht, anders zu sein.“ Auch Popstars wie Lady Gaga, Harry Styles oder Sam Smith berufen sich auf Bowie, wenn es um Stilbrüche und genderfluide Ausdrucksformen geht.
Ein Vermächtnis mit Berliner Spuren
In Berlin erinnert eine Gedenktafel an Bowies frühere Wohnung in Schöneberg. Sie wurde 2018 enthüllt und würdigt ihn als Musiker und Schauspieler, der von 1976 bis 1978 in dem Gebäude lebte.
Romy Haag betonte in Interviews immer wieder, wie viel Bowie für die queere Community bedeutete: „Er hat uns gezeigt, dass man anders sein darf – und trotzdem ganz oben stehen kann.“
Auch zehn Jahre nach seinem Tod bleibt David Bowie eine kulturelle Schlüsselfigur – nicht nur wegen seiner Musik, sondern wegen seiner kompromisslosen Art, Identität sichtbar zu machen.

