In der Nacht zum Sonntag wurde der schwule Fetisch-Club „Böse Buben“ in Berlin-Schöneberg Ziel eines Angriffs. Gegen 23:30 Uhr warf eine bislang unbekannte Person einen Pflasterstein gegen die Glastür des Lokals am Sachsendamm. Zum Zeitpunkt der Tat war der Club geöffnet und gut besucht.
Ein schwerer Vorhang auf der Innenseite der Tür verhinderte, dass Gäste verletzt wurden. Der Stein und die Glassplitter prallten an dem blickdichten Stoff ab. Die Täterin oder der Täter konnte unerkannt entkommen.
Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Die Ermittlungen hat der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin übernommen. Der Vorfall wird derzeit als Sachbeschädigung geführt. Die Ermittler gehen jedoch von einer queerfeindlich motivierten Tat aus.
Mögliche Zeug:innen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Der Angriff reiht sich in eine Serie von Übergriffen auf queere Einrichtungen in Berlin ein, die in den vergangenen Monaten vermehrt Aufmerksamkeit erregt haben.
Politische Reaktionen: „Queere Räume sind kein Freiwild“
In den sozialen Medien äußerten mehrere Politiker:innen ihre Betroffenheit. Sophie Koch, die Queerbeauftragte der Bundesregierung, und Alfonso Pantisano, Berlins Queerbeauftragter, zeigten sich erschüttert.
Pantisano schrieb auf Instagram: „Ich stehe in tiefer Solidarität mit den Betreibern und allen Gästen, die sich zur Tatzeit in den Räumen befanden. Queere Räume sind kein Freiwild.“ Weiter betonte er, wie wichtig sichere Orte für queere Menschen sind: „Sie sind Orte der Begegnung, des Feierns, der Selbstentfaltung und des Respekts – und sie verdienen Schutz und Anerkennung.“
Er verwies auf eine besorgniserregende Entwicklung: In den letzten Monaten hätten sich die Angriffe auf queere Einrichtungen in Berlin gehäuft.
Polizei verzeichnet steigende Zahl queerfeindlicher Delikte
Laut der Berliner Polizei wurden im Jahr 2025 insgesamt 544 queerfeindliche Straftaten registriert. Anne von Knoblauch, die LGBTIQ+-Ansprechpartnerin bei der Polizei, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass die Angriffe zunehmend brutaler würden. Etwa 90 Prozent der Übergriffe werden demnach nicht zur Anzeige gebracht.
Besonders häufig kommt es in den Bezirken Berlin-Mitte und Tempelhof-Schöneberg zu queerfeindlichen Angriffen – dort befindet sich auch der Club „Böse Buben“. Um Betroffene besser zu unterstützen und Straftaten konsequenter zu verfolgen, setzen Polizei und Staatsanwaltschaft vermehrt auf öffentliche Sensibilisierung sowie spezielle Ansprechpersonen.

