HomeNewsChronikNach Angriff auf "Böse Buben": Deutliche Reaktionen aus Politik und Community

Nach Angriff auf „Böse Buben“: Deutliche Reaktionen aus Politik und Community

Nach dem Angriff auf den queeren Fetischclub „Böse Buben” in Berlin-Schöneberg am vergangenen Wochenende wächst der politische Druck. Der Täter hatte am Samstagabend einen Pflasterstein durch eine Glastür des Lokals geworfen. Die Bar war zu diesem Zeitpunkt gut besucht, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Inzwischen hat der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) zeigte sich in einer Pressemitteilung tief betroffen und verurteilte die Tat deutlich: „Dass Menschen andere Menschen und deren Schutzräume angreifen, ist nicht hinzunehmen. Tempelhof-Schöneberg steht für Vielfalt, Dialog und ein demokratisches Miteinander.“ Man werde die Strafverfolgungsbehörden bestmöglich unterstützen, so Oltmann weiter.

„Erschrocken und wütend“ – Verein spricht von gezieltem Angriff

Auch Martin Schenk-von Waldow, der Vorstand des Vereins Böse Buben e. V., meldete sich öffentlich zu Wort. Er beschrieb den Ablauf des Angriffs detailliert: „Auf unseren Kameras ist zu sehen, wie eine vermummte Person einen Stein durch die Scheibe des Notausgangs schleudert. Direkt dahinter befindet sich ein Aufenthaltsraum, der zu diesem Zeitpunkt gut besucht war.“

Laut Schenk-von Waldow wurde der Stein in den Raum geworfen und hätte Personen schwer verletzen können. Außerdem habe der Täter eine Glasflasche in die Lüftung geschoben. Diese hätte im Ventilator zerplatzen und somit im gesamten Raum Glasscherben umherfliegen lassen können.

Der Verein zeigt sich nicht nur schockiert, sondern fordert auch eine lückenlose Aufklärung. Schenk-von Waldow betonte: „Wir sind erschrocken und wütend über diesen Angriff.“

LSU Berlin: „Kein Freiraum für Hass und Intoleranz“

Auch René Powilleit, Landesvorsitzender der LSU Berlin (Lesben und Schwule in der Union), fand scharfe Worte. In einer Pressemitteilung bezeichnete er den Vorfall als „gezielten Angriff auf unsere Werte“ und forderte umfassende Konsequenzen: „Wer Steine gegen Scheiben wirft, nimmt Verletzungen und die Einschüchterung einer ganzen Community billigend in Kauf.“

Weiter erklärte Powilleit: „Wir fordern eine lückenlose Aufklärung durch den Staatsschutz und eine konsequente Strafverfolgung. Sicherheit ist das Fundament unserer Freiheit.“ Die LSU Berlin sprach sich zudem für mehr Videoüberwachung, polizeiliche Präsenz und den Schutz queerer Räume aus.

FDP-Politiker war unter den Gästen

Besonders betroffen zeigte sich der Hamburger FDP-Politiker Jimmy Blum, der zum Zeitpunkt des Angriffs selbst Gast in der Bar war. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt sagte er: „Ich hätte tot sein können!“ Der Stein sei nur rund zwei Meter an ihm vorbeigeflogen. „Es ist ein Glück, dass ich keine Splitter ins Auge bekommen habe“, so Blum.

Einen Tag nach dem Vorfall sei sein Ehemann am Hamburger Hauptbahnhof schwulenfeindlich beschimpft worden. Blum sieht darin einen beunruhigenden Trend und sprach von einer „Verrohung der Gesellschaft“.

Queerfeindliche Vorfälle in Schöneberg häufen sich

Der Angriff auf den Club „Böse Buben” ist nicht der erste seiner Art. Bereits in den vergangenen Monaten kam es im Bezirk Tempelhof-Schöneberg zu mehreren queerfeindlichen Vorfällen. So wurde das schwule Antigewaltprojekt Maneo beispielsweise mehrfach mit Steinen attackiert. Das Bezirksamt reagiert darauf mit einer verstärkten Unterstützung von Gewaltpräventionsprojekten und will den Dialog mit Polizei, Zivilgesellschaft und queeren Einrichtungen weiter ausbauen.

„Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität angegriffen werden – nicht in Schöneberg und nirgendwo“, betonte Bezirksbürgermeister Oltmann.

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