HomeMagazinFilmtipp„Lesbian Space Princess“: Schrille Farben, große Gefühle und queerer Weltraum-Witz

„Lesbian Space Princess“: Schrille Farben, große Gefühle und queerer Weltraum-Witz

Die australische Indie-Produktion „Lesbian Space Princess“ bringt queere Sichtbarkeit mit einer Extraportion Humor ins Weltall. Zwischen Coming-of-Age-Drama, Popkultur-Satire und grellbunter Science-Fiction entfaltet sich ein Film, der mit Witz, Herz und Haltung überzeugt.

Es gibt Filme, die ihren Titel geradezu herausschreien – „Lesbian Space Princess“ ist einer davon. Was auf den ersten Blick wie eine Parodie auf billige Sci-Fi-Pornos klingt, entpuppt sich als überraschend warmherzige, kreative und zutiefst queere Animationskomödie. Der australische Film von Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ist laut, bunt und stolz und nimmt dabei alles Mögliche auf die Schippe: Geschlechterklischees, Internetkultur und das Sci-Fi-Genre selbst.

Willkommen auf Clitopolis

Der Film beginnt auf dem Planeten Clitopolis, einem matriarchalen Utopia, das von einem königlichen Lesbenpaar regiert wird. Ihre Tochter Saira, die titelgebende „Space Princess”, ist eine schüchterne Außenseiterin. An ihrem 23. Geburtstag verlässt sie ihre coole Freundin Kiki und setzt damit die Handlung in Gang. Als Kiki später von den sogenannten „Straight White Maliens” entführt wird, beginnt Saira widerwillig eine Reise durch den Kosmos, um sie zu retten.

Die „Straight White Maliens“ – karikierte Relikte weißer, heterosexueller Männer – wirken wie aus der Zeit gefallen. Sie schwadronieren über Marvel-Filme und Reddit-Threads und wundern sich, warum keine Frau mehr etwas von ihnen will. Als Antagonisten des Films sind sie gleichzeitig Zielscheibe für Gesellschaftskritik und Comic Relief.

Coming-of-Age im queeren Kosmos

Sairas Odyssee ist mehr als nur ein Weltraumabenteuer, es ist eine klassische Selbstfindungreise. Auf ihrer Reise trifft sie auf Willow, einen non-binären, türkishaarigen ehemaligen Popstar, der nun Songs über sein intergalaktisches Dasein schreibt. Gemeinsam bestehen sie absurde Abenteuer, erleben zarte Nähe und eine romantisch-sexuelle Verbindung. Dabei bleibt der Film in der Darstellung zurückhaltend, verliert aber nie seine klare queere Perspektive.

„Lesbian Space Princess“ nutzt die Werkzeuge des Animationsfilms dabei in vollen Zügen: Es gibt penisförmige Mechs, schwebende Doppelaxt-Artefakte – die sagenumwobene „Labrys“ – und ein chauvinistisches, sprechendes Raumschiff, das sich weigert, Sairas Namen richtig auszusprechen. All das ergibt eine wilde Mischung aus Camp, Sci-Fi-Persiflage und empowerndem Erzählkino.

Satire mit Herz und Selbstironie

Trotz der grellen Optik und der schrägen Gags ist „Lesbian Space Princess” kein reiner Klamauk. Der Humor zielt eher auf Selbstironie als auf Spott und trifft selten unter die Gürtellinie. Am Ende darf das Macho-Raumschiff sogar eine Art Läuterung erfahren und weiß plötzlich, wie man nach Clitopolis kommt, einem Ort, der laut kosmischer Beschilderung „schwer zu finden“ ist. Ein augenzwinkernder Gag, der sich auch als Seitenhieb auf männliche Unwissenheit lesen lässt.

Dabei gelingt dem Film, was vielen queeren Produktionen oft schwerfällt: Er thematisiert queere Lebensrealitäten, ohne sie zu problematisieren. Die Figuren dürfen einfach existieren – mit ihren Macken, Wünschen und Unsicherheiten. Dass es dabei nicht subtil zugeht, ist bewusst gewählt. Anstelle vorsichtiger Andeutungen setzt „Lesbian Space Princess“ auf klare Symbolik und offensichtliche Allegorien, was besonders im Jugendkino noch zu selten vorkommt.

Die überraschend hohe Altersfreigabe ab 16 Jahren sorgt für Irritationen. Dabei gibt es weder explizite Sexszenen noch übermäßige Gewalt. Die Kritik, dass queere Inhalte härter bewertet worden sein könnten als vergleichbare heteronormative Stoffe, steht im Raum. Gerade weil der Film durch seine deutsche Synchronfassung mit bekannten Stimmen wie Katy Karrenbauer, Jasmin Tabatabai und Lena Urzendowsky einem jüngeren Publikum gut zugänglich wäre, erscheint die Einstufung fragwürdig.

Bunt, laut, liebevoll animiert

Optisch orientiert sich der Film an Formaten wie „Adventure Time“ oder „Rick and Morty“, allerdings ohne deren Zynismus. Stattdessen regiert hier eine bunte, detailverliebte Animation, die im Kino ihre volle Wirkung entfaltet. Die Welt von Clitopolis schimmert in Regenbogenfarben, die Action ist rasant und übersichtlich inszeniert und der Soundtrack bringt queere Pop-Vibes ins All.

„Lesbian Space Princess“ ist dabei keine so elegante Indie-Perle wie „Nimona“, sondern manchmal zu direkt und zu wild. Aber gerade das macht seinen Charme aus. Der Film will nicht gefallen, sondern gefeiert werden. Als queere, überdrehte Space-Opera, die Spaß macht, ohne sich zu rechtfertigen.

Fazit? Gibt’s keines.

Eine Empfehlung wird hier nicht ausgesprochen, denn wie bei jeder guten Geschichte bleibt die Bewertung den Leser:innen überlassen. Wer sich auf schräge Charaktere, queeren Humor und eine herzerwärmende Coming-of-Age-Geschichte im Weltall einlassen möchte, wird mit „Lesbian Space Princess“ jedenfalls fündig und entdeckt eine Filmperle abseits des Mainstreams.

Mehr Informationen
Lesbian Space Princess
Australien 2025 | Trickfilm | 86 Minuten | FSK 16
Regie: Leela Varghese & Emma Hough Hobbs | Besetzung: Genet Zegay, Lana Cooper, Lena Urzendowsky, Katy Karrenbauer, Jasmin Tabatabai, Kelly Heelton (deutsche Stimmen)

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