In Berlin und Brandenburg sind die HIV-Neuinfektionen im Jahr 2024 erneut angestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass es in beiden Bundesländern zusammen etwa 340 neue Ansteckungsfälle gegeben hat, was einem Anstieg von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Damit setzt sich der seit vier Jahren anhaltende Anstieg fort, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet.
Berlin verzeichnet weiterhin den Großteil der Infektionen, mit einem deutlichen Schwerpunkt bei Männern, die Sex mit Männern haben. In Brandenburg zeigen sich hingegen andere Muster: Dort gehen die Fachleute von jeweils 35 Neuinfektionen durch homosexuelle und heterosexuelle Kontakte aus. Diese gleichmäßige Verteilung beobachten die Fachleute aufmerksam.
Hohe Dunkelziffer in Brandenburg – jede dritte Infektion unentdeckt
Besonders in Brandenburg sind viele HIV-Infektionen bislang nicht diagnostiziert worden. Von den insgesamt geschätzten 620 HIV-Positiven in Brandenburg seien laut Robert-Koch-Institut (RKI) rund 250 Menschen ohne Diagnose – eine Dunkelziffer von 40 Prozent. Zum Vergleich: In Berlin liegt der Anteil unerkannter Infektionen bei etwa sechs Prozent. Von den insgesamt 18.000 HIV-Infizierten wissen rund 1.000 Betroffene nichts von ihrer Erkrankung.
Diese Lücken in der Diagnostik sehen Fachleute mit Sorge. Heiko Karcher, Internist und Infektiologe in einer Berliner HIV-Schwerpunktpraxis, warnt: „Es gibt in Deutschland noch immer zu viele Menschen, die HIV haben, es aber nicht wissen – und dadurch das Virus ungewollt weitergeben.“
Testinfrastruktur auf dem Land unzureichend
Ein Grund für die hohe Dunkelziffer in Brandenburg ist laut Karcher die schlechte Testinfrastruktur außerhalb der Städte. „In ländlichen Regionen gibt es weniger Anlaufstellen für HIV-Tests. Die Hürde, aktiv danach zu fragen, ist höher“, so der Experte.
Auch in Hausarztpraxen fehle oft das nötige Bewusstsein: „Selbst in Berlin sehen wir immer wieder junge Menschen, die erst auf Nachfrage einen HIV-Test bekommen.“
Frühe Diagnose für den Verlauf von HIV entscheidend
Dabei ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend. Ohne Behandlung führt eine HIV-Infektion innerhalb von acht bis zehn Jahren zur Krankheit Aids, die zu einem schweren Zusammenbruch des Immunsystems führt. Bereits einfache Infekte können dann lebensbedrohlich verlaufen.
Laut RKI wird jedoch fast ein Drittel der Infektionen erst in einem späten Stadium entdeckt. 18 Prozent der Betroffenen erhalten ihre Diagnose sogar erst, wenn die Erkrankung bereits in ein voll ausgeprägtes Aids-Stadium übergegangen ist.

