HomePolitikEuropa„Heated Rivalry“: Schwule Eishockey-Serie wird heimlicher Hit in Russland

„Heated Rivalry“: Schwule Eishockey-Serie wird heimlicher Hit in Russland

Die queere Serie „Heated Rivalry“ sorgt nicht nur in Nordamerika oder Europa für Aufsehen – auch in Russland entwickelt sich das Drama trotz Zensur und Verboten zum Überraschungserfolg.

Was Ende letzten Jahres als kleiner Geheimtipp in Kanada begann, ist inzwischen zu einem weltweiten Phänomen geworden. Die Serie „Heated Rivalry“ begeistert mit einer Mischung aus Sportdrama, queerer Liebesgeschichte und gesellschaftlicher Relevanz und feiert damit durchschlagenden Erfolg: Die Hauptdarsteller Hudson Williams und Connor Storrie sind über Nacht zu internationalen Stars geworden.

Von der Buchvorlage zur globalen Erfolgsserie

Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman der kanadischen Autorin Rachel Reid aus dem Jahr 2019 und dreht sich um den kanadischen Eishockeyspieler Shane Hollander und seinen russischen Rivalen Ilya Rozanov. Über einen Zeitraum von zehn Jahren führen die beiden eine heimliche Liebesbeziehung, die sich vorwiegend in Eisstadien, Kabinen und Hotelzimmern abspielt. Die Serie punktet mit langsam aufgebauten Spannungsbögen und expliziten Szenen, die sich klar an ein erwachsenes Publikum richten.

Bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung wurde die Serie zum Gesprächsthema und die Zuschauerzahlen explodierten. Auch in den ersten europäischen Ländern ist „Heated Rivalry“ angelaufen und hat erstaunlichen Erfolg erzielt, sogar in Russland, obwohl das Land die Serie offiziell nie zeigen wird.

Beliebt – trotz staatlicher Zensur

In Russland, wo gleichgeschlechtliche Beziehungen und deren positive Darstellung gesetzlich verboten sind, gelangt „Heated Rivalry” über illegale Plattformen an ein breites Publikum. Auf Kinopoisk, Russlands größter Filmdatenbank, erreicht die Serie aktuell eine Bewertung von 8,6 und übertrifft damit internationale Klassiker wie Breaking Bad oder Game of Thrones.

Der russische Journalist und Autor Michail Sygar, der selbst schwul ist und in der Sowjetunion aufgewachsen ist, nennt die Serie „inspirierend“. Er erklärt gegenüber dem US-Sender ABC: „Sie zeigt, dass es in Ordnung ist, sich zu verlieben. Und die Popularität dieser Serie könnte tatsächlich das Denken eines größeren Publikums beeinflussen.“

Russische Konservative sind empört

Der Erfolg bleibt nicht verborgen. Georgi Soldatow vom konservativen Moskauer Zentrum „Sorok Sorokow“, das der orthodoxen Kirche nahesteht, zeigt sich schockiert: „Diese Szenen werden in fast jeder Episode gezeigt. Ich war entsetzt, wie das auf unsere Plattformen gelangen konnte.“ Er hat eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht und spricht von „Propaganda unkonventioneller sexueller Beziehungen“.

In den letzten Jahren hat Russland mehrfach Inhalte, die sich mit der queeren Community befassen, zensiert. So wurden etwa in Serien wie Twin Peaks und The Sopranos ganze Figuren oder Szenen entfernt. Dialoge, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen erwähnt werden, werden häufig umgeschnitten oder neu synchronisiert.

Verfolgung von LGBTIQ+-Verlagen

Die Lage für die LGBTIQ+-Community in Russland hat sich seit dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 weiter verschärft. Im November 2025 stufte das Oberste Gericht die „internationale LGBT-Bewegung“ als extremistisch ein. Wer in Russland Inhalte produziert oder verbreitet, die damit in Verbindung gebracht werden, riskiert bis zu sechs Jahre Haft.

Im vergangenen Jahr leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen ein Moskauer Verlagshaus ein, das queere Literatur veröffentlichte. Die Wohnungen der Mitarbeitenden wurden durchsucht und einige Personen wurden festgenommen. Drei Mitarbeitende wurden unter Hausarrest gestellt – ein Signal mit Wirkung auf die gesamte russische Verlagswelt.

Trotzdem bleibt „Heated Rivalry” in Russland zugänglich – wenn auch illegal. Für Michail Sygar ist das ein Akt des stillen Widerstands: „Es zeigt, dass viele Menschen versuchen, normal zu bleiben und sich dem Regime nicht zu beugen. Sie lassen sich nicht von der Propaganda manipulieren. Sie leben ihr Leben und schauen, was sie schauen wollen.“

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