HomeMagazinBuchtippEin Buch über das Erwachsenwerden jenseits gängiger Klischees

Ein Buch über das Erwachsenwerden jenseits gängiger Klischees

Ein Sommer in Montenegro wird zur Bühne für Selbstfindung, Liebe und gesellschaftliche Spannungen – erzählt aus der Perspektive eines trans Jugendlichen.

Gönni Landsmanns „Die Königin der Nacht“ ist ein Jugendroman, der bekannte Coming-of-Age-Motive aufgreift, durch seine Perspektive und emotionale Tiefe jedoch neue Akzente setzt.

Ein Trip nach Montenegro als Kulisse für eine emotionale Reise

Im Mittelpunkt steht Noa, der gerade die Schule abgeschlossen hat und mit seinen engsten Freund:innen für zwei Monate nach Montenegro reist – Sonne, Strand und scheinbar endlose Freiheit inklusive. Doch der Roman bleibt nicht bei dieser romantischen Kulisse stehen. Schon früh wird deutlich, dass unter der sommerlichen Oberfläche tiefere Konflikte schwelen.

Noa ist das emotionale Zentrum der Geschichte. Seine Gedankenwelt, geprägt von Unsicherheit, Selbstbeobachtung und einem ständigen Ringen um Sichtbarkeit, wird eindrücklich geschildert. Besonders in der Beziehung zu Elias, seinem Urlaubsflirt, verdichtet sich die innere Spannung. Noa fürchtet Ablehnung – als junger Mensch in einer neuen Beziehung, aber auch als trans Person, deren Identität missverstanden oder zurückgewiesen werden könnte.

Eine Liebe, die es nicht geben darf

Die Erzählung bleibt dabei eng an Noas Wahrnehmung. In kurzen, eindringlichen Momenten entsteht eine emotionale Nähe, die selten explizit wird, aber gerade deshalb unter die Haut geht. Die Annäherung zwischen Noa und Elias entwickelt sich zögerlich und ist geprägt von Unsicherheiten sowie einem tiefen Wunsch nach Nähe, der gleichzeitig von der Angst vor Zurückweisung überschattet wird.

Als sich herausstellt, dass Elias der Sohn eines konservativen Politikers ist, der sich öffentlich gegen queere Rechte ausspricht, erhält die Geschichte eine gesellschaftspolitische Dimension. Der Konflikt zwischen persönlichem Begehren und familiären Loyalitäten wird spürbar, ohne dass der Roman dafür große dramatische Szenen bemüht. Vielmehr verlaufen die Spannungen in Schweigen, Missverständnissen und nicht ausgesprochenen Fragen. Die Trennung der beiden verläuft schmerzhaft still und bleibt dennoch glaubwürdig.

Das Erzähltempo wirkt manchmal etwas gemächlich

Sprachlich setzt der Roman auf Feingefühl und Nähe. Landsmann wählt eine bewusst introspektive Erzählweise, die auf äußere Dramatik verzichtet und dafür umso stärker auf innere Wahrhaftigkeit setzt. Die sommerliche Kulisse Montenegros bildet dabei nicht nur den Hintergrund der Handlung, sondern wirkt als atmosphärischer Gegenpol zu Noas innerer Zerrissenheit: hell, weit und scheinbar unbeschwert.

Einige Kritikpunkte ergeben sich aus dieser stilistischen Entscheidung: Das Erzähltempo wirkt stellenweise zäh, da große Teile der Handlung in Noas Innenwelt stattfinden. Auch die Auflösung der zentralen Beziehung bleibt leise, beinah beiläufig, was je nach Lesererwartung als unbefriedigend empfunden werden könnte.

„Die Königin der Nacht“ ist kein typischer Sommerroman. Anstatt auf leichte Urlaubsromantik zu setzen, zeichnet das Buch ein vielschichtiges Porträt von Identität, Angst, Liebe und dem Wunsch, gesehen zu werden – und das in einem gesellschaftlichen Umfeld, das diesen Wunsch nicht immer erfüllt.

Buchtipp
Gönni C. Landsmann
Die Königin der Nacht
Roman | 252 Seiten | Himmelstürmer
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