Wenn die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina beginnen, stehen nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch das Privatleben der teilnehmenden Athleten im Fokus. Für queere Sportler:innen, insbesondere für jene, die nicht geoutet sind oder aus Ländern mit LGBTIQ+-feindlichen Gesetzen kommen, kann diese weltweite Aufmerksamkeit zur Gefahr werden.
Grindr, die wohl beliebteste Dating-App für queere Männer, reagiert darauf: Normalerweise zeigt die App an, wie weit andere Nutzer entfernt sind. Im dicht besiedelten Olympischen Dorf kann diese Funktion jedoch problematisch werden. Außenstehende könnten über die Standortdaten Profile innerhalb des Dorfes lokalisieren – ein Risiko für die Privatsphäre und Sicherheit der Teilnehmer.
Einschränkungen für Standortfunktionen
„Die Athleten nutzen die App während der Spiele genauso wie zu Hause. Daran ändern wir nichts. Aber das Olympische Dorf braucht eigene Regeln“, erklärt Grindr in einem Blogeintrag. Deshalb deaktiviert Grindr während der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina im Olympischen Dorf bestimmte Funktionen.
Bereits bei den Spielen in Peking 2022 und Paris 2024 hatte das Unternehmen vergleichbare Maßnahmen ergriffen – nachdem ein Reporter 2016 in Rio durch Grindr zahlreiche schwule und bisexuelle Athleten im Olympischen Dorf outen konnte.
Die Funktionen „Explore“ und „Roam“, mit denen Nutzer Profile außerhalb ihres aktuellen Standorts durchsuchen können, werden im Dorf deaktiviert. Ebenso wird die automatische Anzeige der Entfernung zu anderen Nutzern abgeschaltet. Wer möchte, kann eine ungefähre Distanz manuell freigeben – aber nur auf eigenen Wunsch.
Premium-Funktionen kostenlos im Olympischen Dorf
Zusätzlich stellt Grindr im Olympischen Dorf allen Nutzern mehrere sonst kostenpflichtige Privatsphäre-Tools gratis zur Verfügung. Dazu gehören selbstlöschende Nachrichten, die nach dem Lesen verschwinden, sowie das Zurückziehen von Nachrichten auf beiden Seiten des Chats.
Außerdem gehören eine Screenshot-Sperre für Profilbilder und Chatfotos, das Deaktivieren von privaten Videos, die sonst nur einmal angesehen werden können, sowie die Kennzeichnung kürzlicher Chats innerhalb von 24 Stunden zu diesem Sicherheitspaket. Dabei werden Namen und Fotos beim Melden unkenntlich gemacht.
Sicherheitshinweise und keine Werbung von Dritten
Queere Athlet:innen, insbesondere aus Ländern ohne rechtlichen Schutz, sehen sich oft zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Um sie besser zu informieren, verschickt Grindr während der Spiele wöchentliche Sicherheitshinweise direkt über die App. Diese enthalten Tipps zum Verhalten im olympischen Umfeld sowie Links zu mehrsprachigen Leitfäden zu den Themen Privatsphäre und Sicherheit.
Außerdem wird es im Olympischen Dorf keine Werbung von Drittanbietern geben. Die Nutzer:innen sehen ausschließlich Mitteilungen der eigenen Initiative „Grindr for Equality”, die sich auf Gesundheit und Sicherheit konzentrieren. Diese Maßnahmen treten in Kraft, sobald das Olympische Dorf öffnet.

