HomeNewsChronikNach Heiratsantrag im Stadion: Brutaler Angriff auf Schiedsrichter Pascal Kaiser

Nach Heiratsantrag im Stadion: Brutaler Angriff auf Schiedsrichter Pascal Kaiser

Pascal Kaiser, bekannt durch einen öffentlichen Heiratsantrag im Kölner Stadion, wurde am vergangenen Wochenende Opfer eines gewalttätigen Angriffs vor seinem Wohnhaus. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung – die Hintergründe bleiben unklar.

Der offen schwule Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser wurde eigenen Angaben zufolge am Samstagabend vor seinem Haus in Köln von drei unbekannten Männern attackiert. Er wurde bekannt, weil er seinem Partner Moritz vor einem Spiel des 1. FC Köln auf dem Stadionrasen einen öffentlichen Heiratsantrag gemacht hat.

Drei Männer greifen Kaiser vor seinem Haus an

Der Übergriff ereignete sich gegen 20 Uhr, als Kaiser für eine Zigarettenpause vor die Tür trat. Die Täter sollen ihn ohne Vorwarnung angegriffen und verletzt haben. Er musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden.

Die Polizei hat Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. Kaisers Anwalt Moritz Lange teilte mit, dass sein Mandant bereits zuvor Drohungen erhalten habe. „Am Freitagabend wurden Screenshots verschickt, in denen seine Wohnadresse genannt wurde”, so Lange. Die Polizei sei über die Bedrohungen informiert worden und habe das Wohnumfeld kurzzeitig überwacht.

Drohungen vor dem Angriff – „Wir sehen dich“

Unmittelbar vor dem Angriff erhielt Kaiser laut seinem Anwalt eine weitere bedrohliche Nachricht: „Wir sehen dich und wir verfolgen dich. Warte, bis die Polizei weg ist.“ Kurz danach verließ er das Haus und wurde überfallen. Die Täter flüchteten. Wer hinter dem Angriff steckt, ist derzeit unklar.

Ein von Kaiser kurz danach auf Instagram veröffentlichtes Foto zeigt ihn mit einem geschwollenen Auge. Die Attacke sorgt inzwischen bundesweit für Schlagzeilen – nicht nur wegen der Brutalität des Angriffs, sondern auch wegen der möglichen Hintergründe.

Verbindung zu Online-Hetze oder alten Vorwürfen?

Seit Ende Jänner steht Kaiser im öffentlichen Fokus, nachdem er seinem Partner Moritz vor rund 50.000 Menschen im Kölner Stadion einen Heiratsantrag gemacht hatte. Das Video dieser Szene wurde millionenfach geklickt und gilt als starkes Zeichen für queere Sichtbarkeit im Profifußball. In den sozialen Medien erhielt Kaiser anschließend viel Zuspruch, aber auch Anfeindungen.

Nach Angaben aus seinem Umfeld engagierte sich der Schiedsrichter bereits zuvor online gegen Homophobie. Seit dem Angriff hat er seinen Instagram-Account auf privat gestellt. Ob die Tat im Zusammenhang mit seiner sexuellen Orientierung oder seinem öffentlichen Auftritt steht, ist Teil der laufenden Ermittlungen.

Ehemaliger Arbeitgeber weist Verantwortung zurück

Ein weiterer möglicher Hintergrund betrifft einen laufenden Rechtsstreit. Anfang 2024 hatte ein ehemaliger Arbeitgeber aus der Gastronomie-Szene Kaiser angezeigt. Der Betreiber einer Kölner Bar wirft ihm vor, mehrere Tausend Euro unterschlagen und betriebliche Leistungen privat genutzt zu haben, als er dort arbeitete.

Kaisers Anwalt weist die Anschuldigungen zurück und verweist auf die Unschuldsvermutung. Besonders brisant: Laut Lange habe die Bar Kaisers Wohnadresse öffentlich gemacht – verbunden mit einem indirekten Aufruf, ihn „aufzusuchen“. Der Barbetreiber bestreitet dies: „Wir haben nie jemanden zu irgendetwas aufgerufen. Wenn es einen Angriff gab, sollen die Täter angezeigt werden.“

Die queerpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nyke Slawik, äußerte sich auf Instagram entsetzt über die Geschehnisse: „Schlimm, dass die Polizei die Drohungen nicht ernst nahm.“ Sie forderte eine umfassende Aufklärung. Die Ermittlungen zum Angriff laufen weiter.

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