Guillaume Cizeron hat bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo Eiskunstlauf-Geschichte geschrieben. Vier Jahre nach seinem Triumph mit Gabriella Papadakis in Peking holte der heute 31-Jährige am Mittwoch erneut olympisches Gold – dieses Mal an der Seite von Laurence Fournier Beaudry. Damit ist Cizeron der erste Eistänzer, der mit zwei unterschiedlichen Partnerinnen Olympiasieger wurde. Bereits 2018 hatte er mit Papadakis Silber gewonnen.
Die 33-jährige Fournier Beaudry stammt aus Kanada. Erst im vergangenen November erhielt sie die französische Staatsbürgerschaft und startet seither offiziell für Frankreich. Das Paar läuft erst seit dem vergangenen Jahr gemeinsam, fand aber rasch zueinander. In Mailand setzte sich das Duo mit 225,82 Punkten knapp gegen die dreifachen US-Weltmeister Madison Chock und Evan Bates durch, die 224,39 Punkte erreichten. Bronze ging an die Kanadier Piper Gilles und Paul Poirier mit 217,74 Punkten.
Knappes Finale gegen US-Stars
Trotz eines eigenen Fehlers in der Kür setzten sich Cizeron und Fournier Beaudry gegen die in den vergangenen Jahren dominierenden US-Stars durch. Ihre emotionale Kür zur Musik aus dem Film „The Whale“ brachte ihnen die entscheidenden Punkte ein. Bereits im Rhythmustanz zu Madonnas Hit „Vogue“ hatten sie mit 90,18 Punkten eine Saisonbestleistung erzielt.
Cizeron zeigte sich dennoch selbstkritisch. „Es war nicht zu 100 Prozent perfekt“, sagte er nach dem Wettkampf. „Wir wissen genau, was perfekt ist und was nicht. Es ist leicht, sich darin zu verlieren und den Moment nicht zu genießen.“
Offen schwul und sichtbar im Spitzensport
Cizeron hatte sich bereits 2020 öffentlich als schwul geoutet. Damit zählt er zu den bekanntesten offen queeren Athleten im internationalen Eiskunstlauf. Bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo treten fast 50 offen queere Sportler:innen an – so viele wie nie zuvor. Vor diesem Hintergrund erhält seine erneute Goldmedaille zusätzliche Aufmerksamkeit.
Bereits im Vorfeld hatte Cizeron betont, dass er in Mailand „Perfektion“ anstrebt. „Das ist unser Ziel, darauf konzentrieren wir uns“, erklärte er. Seine Mutter Jocelyne Cizeron sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Wenn er etwas beginnt, dann gibt er alles. Er macht keine halben Sachen.“ Er strebe stets nach Exzellenz – im Sport ebenso wie in künstlerischen Projekten.
Vorwürfe kurz vor den Spielen
Der Erfolg wurde zuletzt von Kontroversen um seine frühere Partnerin Gabriella Papadakis überschattet. Nach der im Dezember 2024 offiziell bekannt gegebenen Trennung veröffentlichte sie ein Buch. Darin beschreibt sie die gemeinsame Zeit als von einem starken Ungleichgewicht geprägt. Sie spricht von einem kontrollierenden und fordernden Partner.
Cizeron kritisierte den Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz vor den Winterspielen. Er wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete sie als „Schmutzkampagne“. Laut Berichten setzte er sich juristisch gegen die Anschuldigungen zur Wehr.

