HomeNewsChronikNeun Tote bei Amoklauf in Kanada: Rechte attackieren Trans-Community

Neun Tote bei Amoklauf in Kanada: Rechte attackieren Trans-Community

Nach dem Amoklauf in Tumbler Ridge in Kanada steht die Identität der Täterin im Fokus. Die 18-jährige trans Frau tötete acht Menschen und sich selbst. Im Internet folgten daraufhin heftige Vorwürfe gegen die Trans-Community.

Am Dienstag gegen 13.30 Uhr Ortszeit erschütterte eine Bluttat die 2.400-Einwohner-Gemeinde Tumbler Ridge im Nordosten von British Columbia: Die 18-jährige Jesse Van Rootselaar eröffnete an der Tumbler Ridge Secondary School das Feuer. Zuvor hatte sie ihre 39-jährige Mutter und ihren elfjährigen Stiefbruder erschossen. Anschließend fuhr sie zur rund zwei Kilometer entfernten Schule.

Innerhalb weniger Minuten waren die Einsatzkräfte vor Ort

Einsatzkräfte trafen laut Royal Canadian Mounted Police (RCMP) innerhalb weniger Minuten ein. „Unsere Beamten hörten Schüsse und betraten sofort das Gebäude“, erklärte der stellvertretende Kommissar Dwayne McDonald. Kurz darauf fanden sie die Täterin tot vor. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sie sich selbst erschossen.

In der Schule kamen eine 39-jährige Lehrerin sowie fünf Schüler:innen im Alter von zwölf und 13 Jahren ums Leben. Mindestens 27 weitere Personen wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Sie werden weiterhin im Krankenhaus behandelt.

Identität der Täterin und Ermittlungsstand

Die Polizei identifizierte die Schützin als Jesse Van Rootselaar. Laut McDonald wurde sie bei der Geburt als männlich eingetragen und begann vor etwa sechs Jahren ihre Transition. Öffentlich lebte sie als Frau. „Wir benennen die Person entsprechend ihrer öffentlichen Identität“, erklärte McDonald.

Ein Motiv für die Tat nannten die Behörden bislang nicht. Die Ermittler stellten am Tatort eine Langwaffe sowie eine modifizierte Handfeuerwaffe sicher. Beide Waffen waren nicht auf Van Rootselaar registriert. Ihre Waffenlizenz war im Jahr 2024 abgelaufen.

Mehrere Polizeieinsätze bei der Familie der Täterin

In der Vergangenheit hatte es laut Polizei mehrere Einsätze am Wohnort der Familie gegeben, teilweise mit Bezug zur psychischen Gesundheit. In einem Fall wurde die spätere Täterin deshalb ins Krankenhaus gebracht.

Die Polizei betonte, dass es keine Hinweise auf weitere Beteiligte gebe. Die genauen Umstände und der Ablauf der Tat werden weiterhin untersucht.

Vorwürfe gegen die Trans-Community

Noch bevor die Identität der Täterin offiziell bestätigt wurde, verbreiteten sich Spekulationen in den sozialen Netzwerken. Einzelne politische Meinungsmacher:innen und rechte Medien griffen die Information auf, dass es sich bei der Täterin um eine trans Frau handelt. Sie sprachen von einer angeblichen „Epidemie transgender Gewalt“.

Die Abgeordnete Tara Armstrong schrieb auf der Plattform X, eine „Transgender-Ideologie“ radikalisiere Jugendliche und setze gewalttätige Impulse frei. Belege für diese Behauptung legte sie nicht vor. Auch der US-Kommentator Matt Walsh erklärte seinen Millionen Followern, trans Menschen seien „die gefährlichste und instabilste Gruppe überhaupt“.

„Verzerrte Wahrnehmung“

Fachleute widersprechen dieser Darstellung deutlich. James Densley, Mitbegründer des „Violence Prevention Project“ in den USA, verweist auf statistische Daten. „97,5 Prozent der Massenschießereien in unserer Datenbank wurden von cisgeschlechtlichen Männern verübt“, sagte er dem kanadischen Rundfunk CBC. Trans Personen machten lediglich 0,5 Prozent der Fälle aus und seien damit statistisch unterrepräsentiert. Wenn eine Täterin trans sei, werde dieser Umstand jedoch besonders hervorgehoben. „Das erzeugt eine verzerrte Wahrnehmung“, so Densley.

Auch aus der Trans-Community selbst kamen deutliche Worte. Die Aktivistin Marni Panas sagte: „Wir fühlen denselben Schmerz und dieselbe Trauer wie alle anderen Kanadier:innen.“ Es sei falsch, eine gesamte Minderheit für die Tat einer Einzelperson verantwortlich zu machen.

Trauer in Tumbler Ridge

Unterdessen steht die Gemeinde weiterhin unter Schock. Hunderte Menschen nahmen an einer Mahnwache mit Kerzen teil. Bürgermeister Darryl Krakowka sprach von einer „großen Familie“, die zusammenhalten müsse. „Leihen Sie Ihr Ohr, wenn jemand es braucht. Leihen Sie Ihre Schulter, wenn jemand sie braucht“, sagte er sichtlich bewegt.

Premierminister Mark Carney erklärte, Schüler:innen und Lehrer:innen hätten „unvorstellbare Grausamkeit“ erlebt. Die Provinz British Columbia kündigte einen offiziellen Trauertag an. Es wurden Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige bereitgestellt.

Wichtige Information

Wenn Sie selbst depressive oder ähnliche Gedanken haben, gibt es Hilfe: Kontaktieren Sie bitte in Österreich umgehend die Telefonseelsorge unter http://www.telefonseelsorge.at/ oder der Rufnummer 142.
In Deutschland ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter der Telefonnummer (0800) 1110111 erreichbar. In der Schweiz ist die „Dargebotene Hand“ unter der Rufnummer 143 erreichbar.

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