Die Mitglieder des Vereins „Zurich Pride Festival“ haben sich mit klarer Mehrheit gegen die Austragung des Festivals im Jahr 2026 entschieden. Hintergrund sind finanzielle Unsicherheiten sowie Widerstand gegen ein verkleinertes Konzept mit Eintritt. Die politische Demonstration sowie die Partys am Pride-Wochenende bleiben bestehen.
An der Versammlung nahmen 186 Stimmberechtigte teil. Sie entschieden sich am Dienstag mit sehr deutlicher Mehrheit gegen die Durchführung des Festivals in diesem Jahr. Damit folgten die Mitglieder einem Antrag aus der Community, den auch der Vorstand unterstützte.
Klares Nein zum neuen Konzept
Der Vorstand hatte im Vorfeld versucht, auf die angespannte finanzielle Lage zu reagieren. So sollte das Festival auf den Turbinenplatz verlegt werden. Erstmals war ein Eintritt vorgesehen. Zudem wollte man die Veranstaltung verkleinern. Auf dem Turbinenplatz hätten laut Verein rund 11.000 bis 12.000 Menschen Platz gefunden. Auf der bisherigen Landiwiese feierten in den vergangenen Jahren bis zu 17.000 Personen.
Viele Mitglieder wollten dieses Modell jedoch nicht mittragen. Sie lehnten sowohl einen Eintritt als auch eine Halbierung der Besucherzahl ab. Zudem bestand die Sorge, erneut ein Defizit zu riskieren. Bereits im aktuellen Budget klafft ein großes Loch. In den vergangenen Jahren fehlten unter anderem wegen weggefallener Sponsoren rund 150.000 Franken (ca. 164.000 Euro) bei einem Gesamtbudget von rund 1,1 Millionen Franken (ca. 1,2 Millionen Euro).
Sorge um Spaltung der Community
Die Diskussionen verliefen sehr intensiv. Die Grünen-Politikerin Lea Herzig brachte die Stimmung vieler Anwesender auf den Punkt. „Wo zur Hölle soll die ganze Community Platz finden? Lassen wir uns als Community spalten? Dann gehen wir auf die Landiwiese mit Picknickdecke. Wir nehmen uns den Raum“, sagte sie. Ihre Worte stehen exemplarisch für die Befürchtung, ein verkleinertes Festival könnte Teile der Community ausschließen.
Ein Ausweichen auf die Landiwiese wäre allerdings nicht ohne Weiteres möglich gewesen. Die Stadt verlangte unter anderem eine Einzäunung und Einlasskontrollen. Gleichzeitig bot sie nur geringe finanzielle Unterstützung an. Auch diese Rahmenbedingungen flossen in die Entscheidungsfindung ein.
Vorstand empfiehlt selbst die Absage
Bemerkenswert ist, dass der Vorstand letztendlich selbst die Absage empfahl. Man wolle „durchatmen, Kräfte sammeln und sich neu orientieren“, hieß es aus dem Verein, der derzeit zudem ohne Präsidium dasteht. Das erschwerte die Planung zusätzlich.
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Von der Absage nicht betroffen ist die politische Demonstration. Sie findet am 20. Juni 2026 wie geplant statt. Mit bis zu 40.000 Teilnehmenden zählt sie zu den größten Pride-Demonstrationen der Schweiz. Auch die Partys rund um das Pride-Wochenende werden durchgeführt.
Für das Jahr 2027 kündigt der Verein ein Festival in neuer Form an. Bis dahin will sich die Zurich Pride organisatorisch und finanziell neu aufstellen.

