HomePolitikInternationalPuerto Vallarta im Ausnahmezustand: Gewalt erschüttert das queere Paradies in Mexiko

Puerto Vallarta im Ausnahmezustand: Gewalt erschüttert das queere Paradies in Mexiko

Puerto Vallarta gilt als einer der wichtigsten queeren Hotspots Mexikos. Am Sonntag jedoch bestimmten Rauch, Sirenen und Straßensperren das Bild der Küstenstadt

Puerto Vallarta ist für seine offene Atmosphäre, die Strände und das pulsierende Nachtleben in der „Zona Romántica“ bekannt. Hier leben oder urlauben viele internationale Gäste und zahlreiche Mitglieder der LGBTIQ+-Community. Am Sonntagvormittag stieg jedoch plötzlich schwarzer Rauch über der Bucht von Banderas auf. Was zunächst wie eine Ansammlung von einzelnen Zwischenfällen aussah, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einer ernsten Bedrohung für die Sicherheit.

Sirenen heulen über der Zona Romántica

Auslöser war eine Militäroperation im Bundesstaat Jalisco, in dem auch Puerto Vallarta liegt. Dabei töteten mexikanische Sicherheitskräfte Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, genannt „El Mencho“, den Anführer des Jalisco-New-Generation-Kartells (CJNG). Laut dem Verteidigungsministerium wurde er bei einem Einsatz in Tapalpa verwundet und erlag später seinen Verletzungen. Bei dem Schusswechsel kamen mehrere weitere Personen ums Leben, zudem wurden Verdächtige festgenommen und Waffen sichergestellt.

Kurz darauf reagierten mutmaßliche Kartellmitglieder mit koordinierten Gegenaktionen. In mehreren Regionen brannten Fahrzeuge, Straßen wurden blockiert. Auch Puerto Vallarta blieb nicht verschont. Eine offizielle Warnsirene forderte die Bevölkerung auf, in ihren Häusern zu bleiben und die Türen zu verriegeln.

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Augenzeugen berichten von Explosionen und Bränden

Der US-Amerikaner Jimmy Martin, der seit 2020 in Puerto Vallarta lebt, schilderte die Situation gegenüber dem US-Magazin Advocate. „Es fühlte sich an wie in The Purge“, sagte er. „Es kam niemand, um zu helfen.“ Er berichtete von Männern auf Motorrädern, die Fensterscheiben einschlugen und Brandsätze in Geschäfte warfen. „Man hörte nur ‚Boom, Boom, Boom‘. Große Glasscheiben zerbarsten, schwarzer Rauch stieg auf.“

Auch andere Betroffene meldeten sich zu Wort. Yoni Pizer sagte gegenüber NBC, Bewaffnete hätten ihn und seine Begleiter aus ihrem Fahrzeug gezwungen. „Die Männer folgten uns und schossen“, sagte er. „Wir rannten so schnell wir konnten.“ Anschließend sei ihr Auto in Brand gesetzt worden.

252 Straßensperren im ganzen Land

Die nationale Sicherheitsbehörde Mexikos meldete landesweit 252 Blockaden. Bis zum Abend waren Dutzende davon noch nicht geräumt. Allein im Bundesstaat Jalisco zählten die Behörden 65 Straßensperren.

Gouverneur Pablo Lemus Navarro rief die höchste Alarmstufe aus. Er setzte den öffentlichen Verkehr aus und forderte die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum bestätigte die Vorfälle, betonte jedoch, dass das öffentliche Leben im „überwiegenden Teil des Landes“ normal verlaufe.

In Puerto Vallarta blieb die Lage hingegen angespannt. Viele Restaurants, Bars und Geschäfte – auch in der sonst belebten Zona Romántica – blieben vorsorglich geschlossen.

Internationale Reaktionen und Flugausfälle

Die Gewalt wirkte sich auch auf den internationalen Reiseverkehr aus. So sagten mehrere Fluggesellschaften Verbindungen nach Puerto Vallarta und Guadalajara ab. Air Canada begründete diesen Schritt mit einer „anhaltenden Sicherheitslage“. Delta Air Lines erklärte: „Die Sicherheit unserer Kunden und Crews hat oberste Priorität.“ Auch Southwest und Alaska Airlines stoppten ihre Flüge vorübergehend.

Das US-Außenministerium veröffentlichte eine Sicherheitswarnung für mehrere mexikanische Bundesstaaten, darunter Jalisco. US-Bürger sollten Schutz in Gebäuden suchen. Taxi- und Fahrdienste waren zeitweise eingestellt. In sozialen Netzwerken wurden Videos verbreitet, die Menschen zeigten, die über das Rollfeld des Flughafens rannten.

CJNG zählt zu mächtigsten Kartellen Mexikos

Das Jalisco-New-Generation-Kartell zählt zu den einflussreichsten und gewalttätigsten kriminellen Organisationen des Landes. Es kontrolliert große Teile des Drogenhandels und ist ein zentraler Akteur beim Schmuggel von Fentanyl in die USA. US-Vizeaußenminister Christopher Landau bezeichnete Oseguera Cervantes als „einen der blutigsten und skrupellosesten Drogenkönige“.

Ein US-Verteidigungsbeamter bestätigte, dass die USA Geheimdienstinformationen geliefert hätten. Die mexikanische Regierung stellte jedoch klar, dass es sich um eine eigenständige Operation des mexikanischen Militärs gehandelt habe.

In Puerto Vallarta kehrte am Montag langsam Ruhe ein, doch viele Bewohner blieben vorsichtig und warteten auf weitere Informationen der Behörden.

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