HomePolitikInternationalMarokkanische Aktivistin droht Armamputation in Haftstrafe wegen umstrittenem T-Shirt

Marokkanische Aktivistin droht Armamputation in Haftstrafe wegen umstrittenem T-Shirt

Der Gesundheitszustand der marokkanischen Frauenrechts- und LGBTIQ-Aktivistin „Betty“ Lachgar hat sich dramatisch verschlechtert. Ohne medizinische Behandlung könnte ihr Arm amputiert werden. Sie sitzt wegen eines Facebook-Posts im Gefängnis.

Die marokkanische Aktivistin Ibtissame „Betty“ Lachgar könnte nach Angaben ihrer Familie und ihrer Anwälte ihren Arm verlieren. Die 50-Jährige verbüßt seit September eine zweieinhalbjährige Haftstrafe, weil sie auf Facebook ein Foto von sich mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Allah is a Lesbian“ veröffentlicht hatte. Die Behörden werteten den Beitrag als Beleidigung des Islam.

Gesundheitszustand verschlechtert sich im Gefängnis

Lachgar sitzt im Gefängnis von Salé in der Nähe der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Laut ihren Anwälten hat sich ihr Gesundheitszustand während der Haft deutlich verschlechtert. Die Aktivistin hat Knochenkrebs überlebt und trägt eine Prothese zwischen linker Schulter und Ellenbogen. Während ihrer Haft erlitt sie zudem einen Bruch des Ellenbogens. Laut ihrer Verteidigerin hat sich die Prothese vollständig gelöst. 

„Die Verschlechterung von Ibtissame Lachgars Gesundheitszustand ist alarmierend“, sagte ihre Anwältin Ghizlane Mamouni. „Ihre Prothese hat sich komplett gelöst, doch sie erhält lediglich Paracetamol, obwohl sie dringend eine komplexe Operation benötigt.“ Ohne spezialisierte medizinische Behandlung droht laut Angaben von Familie und Ärzten die Amputation ihres Arms.

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Kritik an Haftbedingungen

Menschenrechtsorganisationen und Unterstützer:innen werfen den Behörden zudem vor, Lachgar unter schlechten Bedingungen festzuhalten. Laut der US-Organisation Avaaz habe sie in den vergangenen sechs Monaten auf dem Boden einer kalten Zelle ohne Matratze geschlafen. Ein zerbrochenes Fenster habe die Situation zusätzlich verschärft.

Bereits zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet, dass Gefangene in der Haftanstalt von Salé von Wärtern körperlich misshandelt und gefoltert werden.

Internationale Petition fordert Freilassung

Die Organisation Avaaz hat eine internationale Petition mit der Forderung nach Lachgars Freilassung gestartet. Laut der Organisation haben bereits fast 400.000 Menschen unterschrieben. 

Damit ist es die größte Petition gegen die marokkanischen Behörden seit mehr als zehn Jahren. Zudem haben die Vereinten Nationen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Fall prüfen soll.

Facebook-Post löste heftige Reaktionen aus

Der umstrittene Facebook-Beitrag, in dem sie ein Foto von sich in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Allah is a Lesbian“ veröffentlichte, löste in Marokko eine Welle der Empörung aus. Religiöse Konservative forderten öffentlich ihre Inhaftierung, einige riefen sogar zu Steinigung oder Lynchjustiz auf.

In der Bildbeschreibung schrieb Lachgar damals: „In Marokko gehe ich mit T-Shirts herum, die Botschaften gegen Religionen tragen. Ihr ermüdet uns mit eurer Frömmelei und euren Anschuldigungen.“ Weiter erklärte sie: „Ja, der Islam ist – wie jede religiöse Ideologie – faschistisch, phallokratisch und misogyn.“

Solidarität mit Aktivistinnen im Iran

Lachgar veröffentlichte das Foto eigenen Angaben zufolge aus Solidarität mit zwei LGBTIQ-Aktivistinnen im Iran. Diese waren 2022 zum Tode verurteilt worden, da ihnen vorgeworfen wurde, Homosexualität zu fördern und mit ausländischen Medien zu kommunizieren.

„Indem man Betty in Einzelhaft hält, behandelt man sie wie eine gewalttätige Kriminelle“, sagte ihre Anwältin Mamouni. „Dabei besteht ihr einziges ‚Verbrechen‘ darin, ein T-Shirt getragen zu haben, das Solidarität mit zwei iranischen Frauen ausdrückt.“

Aktivistin für Frauenrechte und persönliche Freiheiten

Ibtissame Lachgar ist Psychologin und Mitgründerin der Organisation „Alternative Movement for Individual Freedoms“. Die Gruppe setzt sich in Marokko für persönliche Freiheitsrechte, darunter die Rechte von Frauen und LGBTIQ-Menschen, sowie für die Freiheit der Meinungsäußerung ein.

„Diese Strafe richtet sich nicht gegen ihre Handlung, sondern gegen das, wofür sie steht“, erklärte ihre Schwester Siham Lachgar. „Sie zeigt, dass man auch heute noch ins Gefängnis kommen kann, nur weil man anders denkt.“

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