In der thailändischen Hauptstadt Bangkok sind Vertreter:innen mehrerer LGBTIQ+-Organisationen zu einem Kongress zusammengekommen, der von TransEqual, dem Transmasculine Network for Equality, gemeinsam mit Partnerorganisationen veranstaltet wurde. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Gewalt gegen transgeschlechtliche, queere, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen sowie notwendige rechtliche Reformen in Thailand.
Kritik an Befürchtungen über möglichen Missbrauch
Ein zentraler Punkt der Diskussion war ein Vorschlag der People’s Party, der Menschen ermöglichen soll, ihre Anrede oder Geschlechtsbezeichnung freiwillig zu wählen. In der öffentlichen Debatte wurden jedoch Befürchtungen laut, ein solches Gesetz könnte missbraucht werden.
Kritiker:innen argumentieren unter anderem, heterosexuelle Personen könnten durch eine Änderung ihrer Geschlechtsbezeichnung versuchen, eine gleichgeschlechtliche Heiratsurkunde zu erschleichen.
Thitiyanun Nakpor, Geschäftsführerin der Sisters Foundation, wies diese Bedenken zurück. „Eine Ehe entsteht aus einer Beziehung, in der zwei Menschen einander kennenlernen und akzeptieren“, sagte sie. Die Vorstellung, heterosexuelle Menschen könnten durch eine formale Änderung der Geschlechtsbezeichnung getäuscht werden, halte sie daher für unrealistisch.
Internationale Beispiele als Gegenargument
Nakpor verwies zudem auf internationale Erfahrungen. In Ländern wie Island oder Schweden können Menschen ihr rechtliches Geschlecht bereits selbst bestimmen. Hinweise auf eine Zunahme entsprechender Betrugsfälle gebe es dort nicht.
Zugleich betonte sie, dass staatliche Kontrollmechanismen weiterhin greifen. In Schweden könnten Behörden eingreifen, wenn jemand versuche, eine Änderung der Geschlechtszuordnung für Straftaten oder Betrug zu nutzen.
Gesundheitsversorgung nicht an rechtliche Geschlechtsangaben gebunden
Auch medizinische Fragen spielten auf dem Kongress eine Rolle. Nachale Boonyapisomparn von der Thai Transgender Alliance stellte klar, dass die rechtliche Geschlechtszuordnung nicht automatisch über medizinische Entscheidungen bestimmt.
Zwar könne das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht bei bestimmten Behandlungen relevant sein. Diese medizinischen Aspekte dürften jedoch nicht als Argument gegen Gesetze zur rechtlichen Anerkennung der Geschlechtsidentität verwendet werden.
Forderung nach gesetzlicher Geschlechtsanerkennung
Die Thailand Trans Taskforce betonte, dass die Selbstbestimmung über die eigene Geschlechtsidentität ein grundlegendes Menschenrecht sei. Trotz der Einführung der Ehe für alle fehlt in Thailand bislang eine gesetzliche Regelung zur rechtlichen Anerkennung des Geschlechts.
Derzeit liegen vier entsprechende Gesetzesentwürfe vor – unter anderem vom Sozialministerium, von zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie von der ehemaligen Move-Forward-Party. Verabschiedet wurde bislang jedoch keiner davon.
Die beteiligten Organisationen fordern daher, das Thema in der kommenden Parlamentssitzung erneut auf die politische Agenda zu setzen. Man sei bereit, mit allen politischen Akteuren zusammenzuarbeiten, erklärten Vertreter:innen der Gruppen, damit Thailand künftig „die Würde jedes Geschlechts respektiert“.

