HomePolitikInlandWien: Neun Jugendliche wegen brutaler Angriffe auf Schwule vor Gericht

Wien: Neun Jugendliche wegen brutaler Angriffe auf Schwule vor Gericht

Am Wiener Landesgericht müssen sich neun Jugendliche wegen schwerer Gewaltverbrechen verantworten. Die Anklage spricht von systematischer Brutalität, Selbstjustiz und einer Serie von Angriffen auf besonders verletzliche Menschen.

Am Wiener Landesgericht hat der auf mehrere Tage angesetzte Prozess gegen neun Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine Vielzahl schwerer Straftaten vor. Dazu zählen unter anderem schwere Körperverletzung, Raub und in einem Fall versuchter Mord. Die Angeklagten sollen zwischen Juni und August 2025 gezielt Menschen attackiert haben, darunter Obdachlose, Suchtkranke, schwule Männer sowie vermeintliche Pädophile.

Serie von Angriffen auf wehrlose Opfer

Laut Anklage verübte die Gruppe mindestens 22 dokumentierte Übergriffe. Die Staatsanwältin spricht von „äußerster Gewalt“ sowie von „Sadismus und völliger Empathielosigkeit“. Viele Taten richteten sich gegen besonders schutzbedürftige Personen, die häufig keinen Kontakt zur Polizei suchten. Einige Opfer konnten daher bis heute nicht identifiziert werden.

Die Jugendlichen sollen ihre Taten in wechselnder Besetzung begangen haben. Dabei filmten sie die Angriffe und verbreiteten die Videos über soziale Netzwerke. „Beendet wurde das nur, weil wir die ersten vier Angeklagten verhaften konnten“, erklärte die Staatsanwältin vor Gericht. Alle Angeklagten leben noch bei ihren Eltern und besuchten die Schule nur unregelmäßig.

Gewalt auch gegen ehemalige Freunde

Die Gewalt richtete sich nicht nur gegen Fremde. Auch ein ehemaliges Mitglied der Gruppe wurde Opfer massiver Angriffe. Vor Gericht wurden Videoaufnahmen gezeigt, die zeigen, wie der Jugendliche geschlagen, getreten und gewürgt wird. Ein Gutachter verwies auf die massive Gewalt durch Tritte: „Da war jeder Tritt wie ein Elfer beim Fußball.“

„Ich hab nur Spaß gemacht“, ist das Opfer in den Aufnahmen zu hören, während die Angriffe andauern. Die Richterin unterbrach die Vorführung, nachdem ein Angeklagter gelacht hatte: „Was ist daran so lustig, wenn einer blutet?“

Die Opfer leiden bis heute

Ein Opfer schilderte im Gerichtssaal die anhaltenden psychischen Folgen der Attacke. „Ich kann nur schwer einschlafen. Wenn ich Gruppen von Jugendlichen sehe, bekomme ich Angst und gehe auf die andere Straßenseite“, sagte der Betroffene.

Die Staatsanwaltschaft sieht ein klares Motiv hinter den Taten. Den Opfern wurde ein „unmoralischer Lebenswandel“ unterstellt, weshalb sie in Form von Selbstjustiz bestraft werden sollten. „Sie haben sich draußen gefunden, in Parks, verbunden durch Perspektivlosigkeit und Langeweile“, so die Staatsanwältin.

Schwere Vorwürfe bis hin zu Mordversuch

Besonders schwer wiegt der Vorwurf gegen einen 16-Jährigen. Er soll ein Opfer so heftig gewürgt haben, dass dieses bewusstlos wurde. Die Anklage wertet dies als versuchten Mord. Ein Gutachter relativierte jedoch die unmittelbare Lebensgefahr durch das Würgen, verwies aber auf die massive Gewalt durch Tritte: „Da war jeder Tritt wie ein Elfer beim Fußball.“

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Mehrere Angeklagte befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das Gericht begründete dies mit Tatbegehungsgefahr. „Aufgrund der massiven und grundlosen Gewalt und der Vielzahl an Tathandlungen ist ein Haftgrund weiterhin gegeben“, erklärte die Richterin.

Einige Angeklagte zeigen sich geständig

Einige Angeklagte zeigten sich geständig. Ihre Verteidiger betonten die Notwendigkeit von Resozialisierung. „Wir reden von Kinderhirnen, die in einer Gruppe landen, die Selbstjustiz verherrlicht“, sagte eine Anwältin.

Auch politisch sorgt der Prozess für Reaktionen. Der Grünen-Abgeordnete David Stögmüller sprach von „Verbrechen an unserer offenen Gesellschaft“. Die Taten seien Ausdruck einer neuen Dimension von Hass gegenüber homosexuellen und bisexuellen Männern.

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