HomeNewsStars & PromisPost-Punk-Pionierin Bettina Köster mit 66 Jahren gestorben

Post-Punk-Pionierin Bettina Köster mit 66 Jahren gestorben

Die Berliner Musikerin prägte mit Malaria! die Avantgarde-Szene der 1980er-Jahre. Nun ist sie in Italien gestorben, Weggefährt:innen erinnern an eine prägende Stimme der Underground-Kultur.

Bettina Köster, prägende Figur der Westberliner Post-Punk- und Avantgarde-Szene, ist tot. Die Musikerin starb am 16. März 2026 im Alter von 66 Jahren in Capaccio Paestum in Italien. Das bestätigten Freunde und frühere Weggefährten wie ihre langzeitige Bandkollegin Gudrun Gut. Köster wurde zwei Tage später im kleinen Kreis beigesetzt. „Ich war sehr froh, dass ich mit Freunden noch bei ihr sein konnte“, sagte Gut.

Eine Stimme, die die Szene prägte

Köster galt als eine der markantesten Stimmen der frühen 1980er-Jahre. Dunkel, kühl und kontrolliert habe sie geklungen, schrieben Beobachter. Der Tagesspiegel bezeichnete sie als „geheimnisvoll“ und betonte, ihre Stimme habe mit den Jahren noch an Tiefe gewonnen. Ihre Wirkung sei dabei eher stärker geworden: „Man wollte dieser Stimme unbedingt folgen.“

Ihren künstlerischen Weg begann Köster im Umfeld von Punk, Kunst und experimenteller Musik in Westberlin. 1979 gründete sie gemeinsam mit Gudrun Gut den Treffpunkt „Eisengrau“, der schnell zu einem Zentrum der Avantgarde wurde. Bands wie Einstürzende Neubauten fanden hier ein frühes Forum. „Es war eine Zeit zum Experimentieren, weil wir das Dagewesene vollkommen abgelehnt haben“, erinnerte sich Köster später.

Von Mania D. zu Malaria!

Musikalisch machte sie zunächst mit der Band Mania D. auf sich aufmerksam, aus der 1981 die Gruppe Malaria! hervorging. Die rein weibliche Formation erlangte rasch internationale Beachtung. Mit Songs wie „Kaltes klares Wasser“, „Your Turn to Run“ oder „Geld/Money“ setzte die Band Maßstäbe im Post-Punk und New Wave.

Kösters Gesangsstil brach bewusst mit klassischen Mustern. Statt traditioneller Melodieführung setzte sie auf eine sprechende, reduzierte Ausdrucksweise. Diese verlieh den Stücken eine besondere Dringlichkeit. „Eines der bemerkenswerten Dinge über die Mädchen von Mania D. und Malaria! ist, dass wir Mut hatten“, sagte sie dem Magazin L-Mag. „Und ich bin wirklich stolz, heute sagen zu können, dass wir durch diesen Mut einige Leute inspiriert haben.“

Internationale Einflüsse und spätere Jahre

Malaria! tourten unter anderem mit Siouxsie and the Banshees und Nick Caves Band The Birthday Party. 1982 trat die Gruppe bei der Documenta 7 in Kassel auf. Kurz darauf zog Köster nach New York, wo sie sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt und künstlerisch weiterarbeitete.

Nach der Auflösung der Band blieb sie in unterschiedlichen Projekten aktiv, auch im Film- und Radiobereich. In den 2000er-Jahren veröffentlichte sie neue Musik, darunter die Alben „Autonervous“ und „Queen of Noise“. Letzterer Titel geht auf eine Bezeichnung des britischen Radiomoderators John Peel zurück.

Einfluss und Haltung

Köster lebte offen lesbisch und verstand sich später als nicht-binär. Sie galt als wichtige Figur der queeren Szene. Ihre künstlerische Haltung war geprägt von Reduktion, Widerstand gegen Konventionen und einer klaren ästhetischen Linie. „Alle Frauen von Mania D., Malaria! und Matador hatten den Ruf, schwierig zu sein“, sagte sie rückblickend. „Aber die Realität war: Wenn wir mit Jungs spielten, drehten die ihre Verstärker zu laut auf.“

In den vergangenen Jahren lebte Köster überwiegend in Süditalien. 2021 kam es bei einem Berliner Ausstellungsprojekt zu einer späten Wiederannäherung der ehemaligen Bandmitglieder, die gemeinsam auf der Bühne standen.

Mehr News