Die bayerische Landeshauptstadt erlebt einen historischen Machtwechsel. Dominik Krause von den Grünen hat die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters deutlich gewonnen. Der 35-Jährige setzte sich am Sonntag mit 56,4 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) durch, der 43,6 Prozent erreichte. Damit endet eine jahrzehntelange Ära sozialdemokratischer Stadtpolitik in München.
Historischer Machtwechsel im Rathaus
Reiter, der zwölf Jahre im Amt war, räumte seine Niederlage noch am Wahlabend offen ein. „Ich habe es verbockt, es ist meine Schuld“, sagte er vor seinen Unterstützern und kündigte zugleich seinen Rückzug aus der Politik an. Bereits im ersten Wahlgang hatte er deutliche Verluste hinnehmen müssen. Zusätzlich hatte eine Affäre um eine nicht genehmigte Nebentätigkeit beim FC Bayern für Kritik gesorgt.
Krause zeigte sich nach seinem Sieg bewegt. „Es ist wirklich irre“, sagte er bei der Wahlparty in der Muffathalle. Er sprach von einer „besonderen Atmosphäre“ in der Stadt. Viele Menschen hätten ihm im Vorfeld zugerufen: „Jetzt pack ma’s.“ Der neue Oberbürgermeister steht für einen politischen Neustart, den viele Wähler eingefordert hatten.
Aufstieg eines jungen Politikers
Krause wurde in München geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abitur im Jahr 2009 und dem Zivildienst entschied er sich, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Ein Neonazi-Aufmarsch habe ihn damals zum Handeln bewegt, erklärte er rückblickend. „Das hat mich schockiert“, erklärte er rückblickend.
2014 trat er den Grünen bei und zog noch im selben Jahr mit 23 Jahren in den Stadtrat ein. Innerhalb weniger Jahre stieg er in der Fraktion auf und wurde stellvertretender Vorsitzender. Später bildete er gemeinsam mit Katrin Habenschaden ein Führungsduo, das die Partei in München prägte.
Vom Vize zum Stadtoberhaupt
Nach dem überraschenden Rückzug Habenschadens im Jahr 2023 rückte Krause zum zweiten Bürgermeister auf. Kurz darauf übernahm er auch die Spitzenkandidatur seiner Partei. Beim Parteitag erhielt er mit 97 Prozent der Stimmen breite Unterstützung.
Sein Wahlsieg gilt als Zäsur: Er ist nicht nur der jüngste Münchner Oberbürgermeister seit Jahrzehnten, sondern auch der erste Vertreter der Grünen in diesem Amt. Zudem ist er der erste offen schwule Oberbürgermeister der Stadt.
Sichtbarkeit und gesellschaftliches Engagement
Seit Jahren betont Krause die Bedeutung von Sichtbarkeit für queere Menschen. „Es sollte keine Rolle mehr spielen, welche Sexualität man hat“, sagte er. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Diskriminierung weiterhin existiere. „Solange das so ist, finde ich Sichtbarkeit wichtig.“
Neben seinem politischen Engagement setzt er sich auch international für LGBTI-Rechte ein. So unterstützte er unter anderem die Community in der Ukraine und nahm an Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day teil.
Privatleben zwischen Politik und Zukunftsplänen
Privat lebt Krause mit seinem Verlobten, dem Hausarzt Sebastian Müller, im Stadtteil Obergiesing-Fasangarten. Die beiden kennen sich seit ihrer Jugend, als sie sich bei einem Tanzkurs begegneten. Im Pfingsturlaub 2024 haben sie sich verlobt.
Ein Termin für die Hochzeit ist jedoch noch nicht festgelegt. „Im Alltag hat bisher die Zeit gefehlt“, heißt es. Nach dem Wahlsieg dürfte die Terminplanung nicht einfacher werden.
München im politischen Umbruch
Der Wahlausgang spiegelt auch die veränderte politische Stimmung in München wider. Nach Jahrzehnten SPD-geführter Stadtpolitik übernimmt nun erstmals ein Grüner die Führung im Rathaus. Beobachter sehen darin einen deutlichen Einschnitt in der politischen Geschichte der Stadt.
Auch auf Landesebene wird der Machtwechsel aufmerksam verfolgt. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Grünen wiederholt als seine politischen Hauptgegner bezeichnet. In München konnten sie sich dennoch durchsetzen und stellen nun neben der Mehrheit im Stadtrat auch den Oberbürgermeister.

