HomePolitikEuropaApple-Geräte und teure Parfums finanziert: London Pride entlässt Geschäftsführer

Apple-Geräte und teure Parfums finanziert: London Pride entlässt Geschäftsführer

Der langjährige Chef einer der größten Pride-Veranstaltungen weltweit verliert seinen Posten. Im Zentrum stehen Vorwürfe über den Missbrauch von Sponsorengeldern.

Die London Pride wird derzeit von einem schweren Skandal erschüttert: Der Geschäftsführer Christopher Joell-Deshields soll Gutscheine im Gesamtwert von rund 7.100 Pfund (ca. 8.100 Euro) zweckentfremdet haben. Diese waren von einem Sponsor bereitgestellt worden, um Freiwillige während der Veranstaltung zu unterstützen.

Vorwürfe rund um Gutscheine und Luxusartikel

Stattdessen soll Joell-Deshields einen Teil der Gutscheine für private Einkäufe verwendet haben. Zu den mutmaßlich erworbenen Produkten zählen unter anderem ein Apple HomePod, Apple AirPods und hochpreisige Parfums.

Der mutmaßliche Missbrauch der Spenden wurde durch den Sponsor selbst aufgedeckt. Er informierte im Herbst 2025 die Trägerorganisation London LGBT Community Pride, dass „das Muster und die Art der Transaktionen stark auf eine persönliche – und nicht organisatorische – Nutzung hindeuten“.

Untersuchung und Entlassung

Der 55-Jährige, der diesen Posten seit 2021 innehatte, wurde daraufhin suspendiert, die Organisation leitete daraufhin eine unabhängige Untersuchung ein. Deren Ergebnisse wurden bislang nicht veröffentlicht. Allerdings zieht die London Pride jetzt Konsequenzen: „Christopher Joell-Deshields ist nicht länger bei uns beschäftigt oder mit der Organisation verbunden“, erklärte sie in einem offiziellen Statement.

Joell-Deshields legte gegen seine Entlassung Berufung ein, scheiterte jedoch. Parallel dazu berichteten Whistleblower:innen von einer „Kultur des Mobbings” innerhalb der Organisation während seiner Amtszeit. Er selbst weist sämtliche Vorwürfe zurück und kritisierte die Berichterstattung als einseitig.

Weiterer Rechtsstreit belastet Organisation

Neben den internen Ermittlungen ist Joell-Deshields weiterhin in einen Rechtsstreit mit Pride in London verwickelt. Ein Gericht hatte ihn im September 2025 angewiesen, die Kontrolle über das Organisationsvermögen, darunter Bankkonten, interne Systeme und Geräte, zurückzugeben.

Im Jänner musste er deswegen erneut vor Gericht erscheinen. Ihm wurde vorgeworfen, der Anordnung nicht vollständig nachgekommen zu sein. Seine Vertreter erklärten, ein Laptop sei nicht zurückgegeben worden, da es sich um ein Ersatzgerät für ein beschädigtes Privatgerät handle.

London Pride setzt auf Transparenz und Neustart

Unterdessen kündigte Pride in London strukturelle Veränderungen an. Die Interimschefin Rebecca Paisis soll eine neue Governance-Struktur einführen. Das Ziel besteht darin, „höchste Standards“ in der Organisation sicherzustellen.

Die jährliche Veranstaltung, die rund 1,3 Millionen Pfund (etwa 1,5 Millionen Euro) kostet und stark auf freiwilliges Engagement angewiesen ist, soll dennoch wie geplant stattfinden. „Die Pride wird wie gewohnt über die Bühne gehen“, zitierten Medien Quellen aus der Organisation. Das Event wird überwiegend durch Unternehmenssponsoren sowie mit jährlich rund 175.000 Pfund (etwa 200.000 Euro) durch die Stadt London finanziert.

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