Wien bereitet sich auf ein musikalisches Großereignis vor. In wenigen Wochen findet der Eurovision Song Contest (ESC) zum dritten Mal in der österreichischen Hauptstadt statt. Neben den Live-Shows in der Wiener Stadthalle legt die Stadt dieses Jahr einen besonderen Fokus auf ein breit angelegtes Rahmenprogramm.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) betont dabei die Zugänglichkeit: „Wir wollen, dass auch alle, die keine Karten bekommen haben, teilnehmen können.“ Die hohe Nachfrage nach Tickets habe gezeigt, wie groß das Interesse ist.
Stadt wird zur Bühne
Ludwig zufolge soll der ESC als „Fest des Friedens“ Menschen zusammenbringen. Gleichzeitig erhofft sich die Stadt einen nachhaltigen Imagegewinn. „Unsere Mission ist, dass die Gäste als ESC-Fans nach Wien kommen, die Stadt aber als Wien-Fans wieder verlassen“, fügt Tourismusdirektor Norbert Kettner hinzu.
Bereits Wochen vor Beginn soll der Wettbewerb im Stadtbild sichtbar sein. Beleuchtete Donaukanalbrücken, gebrandete Straßenbahnen und Trinkbrunnen sowie humorvolle Slogans auf Mistkübeln werden das Erscheinungsbild prägen.
Auch der öffentliche Verkehr wird angepasst. Durchsagen verweisen auf zentrale ESC-Orte und zusätzliche Fahrten sollen den Andrang bewältigen. Die App „ivie“ dient als digitaler Wegweiser durch das Geschehen.
Eurovision Village als Herzstück
Zentraler Treffpunkt ist das Eurovision Village am Rathausplatz. Vom 10. bis zum 17. Mai verwandelt er sich in eine große Fanmeile mit freiem Eintritt. Dort finden täglich Konzerte, DJ-Sets und Live-Auftritte statt. Bis zu 15.000 Besucherinnen und Besucher können dort gleichzeitig feiern.
Ein Höhepunkt ist die Opening Ceremony am 10. Mai. Dabei ziehen alle 35 Delegationen über den türkisen Teppich vom Burgtheater zum Rathaus. Die Eröffnung wird vom ORF Radio-Symphonieorchester unter der Leitung von Christian Kolonovits begleitet. Die Show wird live im Fernsehen übertragen.
Public Viewing und dezentrale Events
Wer dem Trubel am Rathausplatz entgehen, aber trotzdem ESC-Feeling schnuppern möchte, hat zahlreiche Alternativen. In ganz Wien bieten mehr als 20 offizielle Public Viewings Möglichkeiten zum gemeinsamen Mitfiebern. Mit dabei sind Locations wie das Volkstheater, die Volksoper oder die Ottakringer Brauerei ebenso wie zahlreiche Einrichtungen in den Bezirken.
Parallel dazu entsteht ein dichtes Netz an Veranstaltungen. Beim „Markt Contest“ wird der Naschmarkt zur kulinarischen Bühne für Spezialitäten aus den teilnehmenden Ländern, während „Disco Cruises“ auf der Donau Partystimmung mit Stadtblick verbinden. Auch ungewöhnliche Orte wie Seniorenheime sind Teil des Programms.
Treffpunkte für Fans und Community
Mit dem Eurofan House im Wien Museum entsteht ein zentraler Ort für Austausch und Diskussion. Panels, Talks und Vorträge richten sich an Fans und Fachpublikum gleichermaßen. „Es soll der Treffpunkt für die internationale Eurovision-Community werden“, sagen die Veranstalter.
Der EuroClub im Praterdome bietet hingegen nächtliche Unterhaltung. Neben Partys stehen auch Live-Übertragungen der Shows auf dem Programm. Mit speziellen Formaten wie einer „Golden Years Party“ oder einer Kinderdisco wird das Angebot gezielt für unterschiedliche Zielgruppen erweitert.
ESC auch im Alltag präsent
Neben den großen Veranstaltungsorten setzt die Stadt Wien auf eine flächendeckende Inszenierung. So werden beispielsweise Straßenmöbel, Schaltkästen und sogar Fahrradständer im ESC-Design gestaltet. Ein großflächiges Streetart-Projekt am ehemaligen APA-Tower sorgt zusätzlich für visuelle Akzente. Das Wandgemälde „In Equality” des spanischen Künstlers Okuda San Miguel erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 1.100 Quadratmetern.
„Man soll den Song Contest spüren. Es soll nicht möglich sein, daran vorbeizugehen“, beschreibt Bürgermeister Ludwig die gesteckten Ziele. Auch der ORF trägt dazu bei: Ein gläsernes Studio am Rathausplatz wird mehr als 100 Stunden Liveprogramm liefern.
Größtes Rahmenprogramm der ESC-Geschichte
Mit Formaten wie „Vienna OffStage” möchte Wien eigenen Angaben zufolge das größte Social Programme der ESC-Geschichte realisieren. Das Angebot reicht von Museumsbesuchen über Workshops bis hin zu geführten Stadterlebnissen. Insgesamt umfasst das Programm Dutzende Veranstaltungen und richtet sich an ein breites Publikum.
Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher spricht von einem „360-Grad-Erlebnis“, das weit über die TV-Shows hinausgeht. „Uns ist wichtig, den ESC für alle Menschen zugänglich zu machen – nicht nur vor den Bildschirmen, sondern auch vor Ort.“

