HomeNewsChronik42 Jahre nach tödlicher Attacke: Prozess um ermordeten Professor wirft Fragen auf

42 Jahre nach tödlicher Attacke: Prozess um ermordeten Professor wirft Fragen auf

Ein brutaler Mord aus dem Jahr 1984 steht derzeit im Zentrum eines Prozesses in Düsseldorf. Trotz neuer DNA-Spuren und eines Angeklagten bleiben zentrale Fragen zur Tat und zur Beweislage offen.

Im April 1984 wurde ein Psychologieprofessor in seinem Wohnhaus in Hilden bei Düsseldorf getötet. Der Täter stach 24-mal auf ihn ein. Die Stiche trafen den Rücken, den Nacken und den rechten Brustbereich. Es gab keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen.

Vielmehr sah alles danach aus, als hätte das Opfer seinen späteren Mörder selbst in die Wohnung gelassen und ihn zuvor bewirtet. In der Küche sicherten die Ermittler damals unter anderem einen Fingerabdruck auf einem Teller.

Spur führt früh zu Verdächtigem

Schon kurz nach der Tat wurde ein junger Mann aus Italien, der sich damals im Rheinland aufhielt, von der Mordkommission ins Visier genommen. Zur Tatzeit war er 21 Jahre alt und arbeitete den Ermittlungen zufolge als Sexarbeiter. Ein gesicherter Fingerabdruck bringt ihn mit dem Tatort in Verbindung. Dennoch reichen die Beweise in den 1980er-Jahren nicht für eine Anklage aus.

Erst Jahrzehnte später nehmen die Ermittlungen wieder Fahrt auf. Mithilfe neuer kriminaltechnischer Methoden konnten DNA-Spuren ausgewertet werden, die damals nicht analysiert werden konnten.

DNA-Abgleich bringt Bewegung in den Fall

Die Ermittler vergleichen eine DNA-Probe des inzwischen 63-jährigen Mannes mit Spuren vom Tatort. Laut Anklage stimmt diese mit der DNA überein, die an der Leiche des Professors sowie an einem Tuch im Schlafzimmer gefunden wurde.

Fast 42 Jahre nach der Tat kommt es zur Festnahme. Im November wurde der Mann in Italien festgenommen und im Dezember nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Vor dem Düsseldorfer Landgericht muss er sich nun wegen Mordes aus Heimtücke verantworten. 

Prozessauftakt mit widersprüchlichen Signalen

Zum Auftakt des Prozesses Ende März bleibt der Angeklagte still. Seine Verteidigerin erklärt, er sei unschuldig. Sie verweist darauf, dass am Körper des Opfers DNA von insgesamt vier verschiedenen Männern gefunden wurde.

Auch das Gericht zeigt sich bislang zurückhaltend. Der Vorsitzende Richter betont, dass es „nicht angenehm“ sei, eine Entscheidung auf Grundlage weniger Indizien und überwiegend auf Basis der Akten zu treffen. Gleichzeitig hält er es für „eher unwahrscheinlich“, dass eine andere Person die Tat begangen hat.

Zeugen und alternative Geständnisse

Für zusätzliche Unsicherheit sorgten angebliche Geständnisse in diesem Fall: So soll ein anderer Mann die Tat gestanden haben. Dieser Verdacht ließ sich jedoch nicht erhärten. Eine DNA-Probe entlastet den Betroffenen. Der Angeklagte soll sich hingegen gegenüber einem mittlerweile verstorbenen Zeugen belastet haben. Wie belastbar diese Aussage ist, soll im weiteren Verlauf des Prozesses geprüft werden.

Inzwischen hat der Vorsitzende Richter die Verteidigung aufgefordert, mit dem Angeklagten über eine Aussage nachzudenken. „Es geht uns nicht darum, ihn ins Messer laufen zu lassen“, sagte der Richter. Eine Einlassung könnte dabei helfen, die Beweislage besser zu bewerten.

Der Prozess wird am Montag, dem 13. April, fortgesetzt.

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