Am frühen Ostersonntag kam es im südlichen Niederösterreich zu einem dramatischen Einsatz der Fremdenpolizei. Vier Beamte holten einen 22-jährigen Kolumbianer aus dem Bett, das er mit seinem österreichischen Ehemann teilte. Der trans Mann, der sich derzeit in Transition befindet, wurde festgenommen und in Schubhaft gebracht. Grundlage für diese Maßnahme war ein rechtskräftig abgelehnter Asylantrag.
Abschiebung trotz laufender Transition
Nach eigenen Angaben verbrachte der Betroffene eine Nacht in einer Zelle für zwei Personen, bevor er über Frankfurt nach Bogotá abgeschoben wurde. „Ich wurde wie eine Kriminelle behandelt, obwohl ich nichts getan habe“, sagte er der Tageszeitung Heute. Besonders belastend sei die Situation im Hinblick auf seine Identität und die laufende Transition gewesen, so der Betroffene.
Während der Festnahme habe er lediglich Brot und hartgekochte Eier zu essen bekommen. Zudem musste er sich vor Beamten vollständig entkleiden. „Ich habe mich noch nie so gedemütigt gefühlt“, hielt er in einem Gedächtnisprotokoll fest – für den trans Mann eine besonders unangenehme Erfahrung.
Ankunft ohne Unterstützung in Bogotá
In Kolumbien angekommen, stand der 22-Jährige ohne Hilfe da. „Ich war allein, hatte kein Geld und erhielt keine Unterstützung“, schilderte er seine Situation. Die rund 1.000 Kilometer lange Weiterreise in seine Heimatstadt musste er selbst organisieren. Aus Angst verbrachte er die erste Nacht am Flughafen.
Die Lebensbedingungen für Transgenderpersonen seien in Kolumbien deutlich schwieriger als in Europa. Der Betroffene hatte das Land vor rund zweieinhalb Jahren verlassen. Damals lebte er noch als Frau. Er beschreibt seine aktuelle Situation als unsicher und belastend.
Familie kritisiert Behörden scharf
In Österreich zeigt sich der Ehemann der Abgeschobenen tief erschüttert. Gemeinsam mit seiner Mutter hatte er versucht, gegen den Abschiebebescheid vorzugehen. Die rechtlichen Schritte führten über mehrere Instanzen, darunter das Bundesverwaltungsgericht sowie Höchstgerichte. Der Bescheid blieb jedoch aufrechterhalten.
„Ich hätte nie gedacht, dass mein Land so mit einem Menschen umgehen kann“, sagte der Ehemann. „Ich vermisse meinen Mann sehr.“ Auch die Schwiegermutter, die als Sozialarbeiterin tätig ist, ist verärgert: „Ich sehe oft, wer bleiben darf und wer nicht. Das macht mich extrem wütend auf dieses System.“
Das Innenministerium bestätigte den Fall auf Anfrage und verwies auf die geltende Rechtslage. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) vertritt eine strikte Linie in der Asylpolitik. Ob und wann sich das Paar wiedersehen kann, ist derzeit unklar.

