HomeReligionChristentumPapst Leo XIV. bremst deutsche Vorstöße bei Segnungen

Papst Leo XIV. bremst deutsche Vorstöße bei Segnungen

Der Vatikan stellt sich gegen eine weitergehende Liberalisierung in Deutschland. Papst Leo XIV. zieht nun klare Grenzen bei Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare.

Papst Leo XIV. hat sich deutlich gegen eine Ausweitung der Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche in Deutschland positioniert. Auf dem Rückflug von einer elftägigen Afrikareise erklärte das Oberhaupt der rund 1,4 Milliarden Katholik:innen weltweit, dass der Vatikan mit einer weitergehenden Liberalisierung „nicht einverstanden“ sei. Anlass seiner Aussagen ist die Entscheidung mehrerer deutscher Bistümer, entsprechende Segnungen zu ermöglichen.

Klare Ansage aus Rom

Konkret reagierte der Papst damit auf das Vorgehen von Kardinal Reinhard Marx. Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte in seinem Erzbistum München und Freising die förmliche Segnung homosexueller Paare erlaubt. Grundlage dafür ist eine Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken aus dem vergangenen Jahr. 

Der Vatikan steht dieser Entwicklung jedoch kritisch gegenüber und betont die Grenzen solcher Initiativen. „Der Heilige Stuhl hat klargemacht, dass wir mit der formalisierten Segnung von Paaren – in diesem Fall homosexueller Paare oder Paare in irregulären Situationen – nicht einverstanden sind“, sagte Leo XIV. vor Journalist:innen. Diese Ablehnung gelte insbesondere für alles, was über die von Papst Franziskus erlaubten Segnungen hinausgehe.

Bezug auf Franziskus

Ende 2023 hatte Franziskus Segnungen unter bestimmten Bedingungen zugelassen. Nun stellte Leo XIV. klar, dass diese Öffnung nicht als Grundlage für weitergehende Schritte gedacht war. „Als er sagte, dass alle den Segen erhalten können, meinte er nicht formalisierte Segnungsfeiern“, erklärte der Papst.

Dabei verwies er auch auf die bekannte Formel seines Vorgängers. „Franziskus’ berühmt-berüchtigte Formulierung ‚tutti, tutti, tutti‘ ist Ausdruck der Überzeugung, dass alle willkommen sind“, sagte Leo XIV. Zugleich warnte er davor, diese Aussage als Legitimation für strukturelle Änderungen zu interpretieren, die innerhalb der Weltkirche zu Spannungen führen könnten.

Uneinheitliche Praxis in Deutschland

In Deutschland zeigt sich derzeit ein gespaltenes Bild. Neben dem Bistum München und Freising werden auch von Bistümern wie Limburg, Trier und Rottenburg-Stuttgart Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. Andere Diözesen wie Köln, Regensburg und Passau lehnen diese Praxis jedoch weiterhin ab.

Bereits vor den offiziellen Regelungen hatten einzelne Priester solche Segnungen durchgeführt. Dabei bewegten sie sich jedoch in einer kirchenrechtlichen Grauzone. Trotz der neuen Entwicklungen bleibt eine kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare ausgeschlossen. Nach katholischem Verständnis ist die Ehe weiterhin ausschließlich Mann und Frau vorbehalten.

Fokus auf größere gesellschaftliche Fragen

Papst Leo XIV. nutzte die Gelegenheit, um den Blick auf andere Themen zu lenken. „Wir neigen dazu zu denken, dass die Kirche, wenn sie von Moral spricht, nur von Sexualmoral spricht“, sagte er. Tatsächlich gebe es jedoch wichtigere Fragen, wie beispielsweise „Justiz, Gleichberechtigung, Freiheit von Mann und Frau sowie Religionsfreiheit“.

Zugleich warnte der Papst davor, dass Debatten über Sexualität die Einheit der Kirche gefährden könnten. Fragen rund um LGBTI-Themen seien „höchst polarisierend“, hatte Leo XIV. bereits kurz nach seiner Wahl betont.

Weltkirche unter Druck

Ein wesentlicher Grund für die zurückhaltende Haltung des Papstes ist die globale Perspektive. Insbesondere in Afrika lehnt ein großer Teil der katholischen Kirche die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften kategorisch ab. Diese Spannungen prägen auch die Haltung des Vatikans.

Papst Leo XIV., der im Mai des Vorjahres als erster US-Amerikaner zum Papst gewählt wurde, versucht, die unterschiedlichen Positionen innerhalb der Weltkirche zusammenzuhalten. Zwar erregte er zuletzt mit politischen Aussagen, etwa mit seiner Kritik an Donald Trump, Aufmerksamkeit, in Fragen der Sexualmoral bleibt er jedoch auf einem konservativen Kurs.

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