HomePolitikInlandNeue Petition fordert Verbot von "Konversionstherapien" in Österreich

Neue Petition fordert Verbot von „Konversionstherapien“ in Österreich

Die HOSI Wien und die Plattform #aufstehn fordern ein umfassendes Verbot von „Konversionstherapien“ und kritisieren die ausbleibende Umsetzung dieses Verbots trotz entsprechender Ankündigungen im Regierungsprogramm.

„Konversionstherapien“ seien keine medizinischen Behandlungen, sondern „psychischer Druck und Menschenrechtsverletzungen“. Mit diesen Worten fordert Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien, ein rasches gesetzliches Verbot dieser umstrittenen Praktiken in Österreich.

Gemeinsam mit der Organisation #aufstehn hat sie deshalb eine Petition gestartet , die ein umfassendes Verbot dieser Maßnahmen verlangt. Innerhalb weniger Stunden haben bereits mehr als 7.000 Menschen die Petition unter dem Motto „Queer sein ist keine Krankheit“ unterzeichnet.

Kritik an Blockadehaltung der ÖVP

Otte ärgert sich vor allem die Verzögerungen innerhalb der Bundesregierung. „Es ist völlig unverständlich, dass trotz der Einigung im Regierungsprogramm auch nach mehr als einem Jahr Regierungszeit noch keine Umsetzung vorliegt“, erklärt sie. Halbherzige Lösungen, die trans, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Menschen ausschließen, seien nicht akzeptabel.

Die Plattform #aufstehn kritisiert, dass diese Maßnahmen vor allem von der Volkspartei blockiert werden: „Es ist absurd, dass die ÖVP ein umfassendes Verbot von Konversionsmaßnahmen blockiert, obwohl sie ein Regierungsprogramm unterschrieben hat, das genau das ankündigt.“

Nicht-Medizinische „Therapien“ sind in Österreich noch immer legal

Mit der Petition wolle man sichtbar machen, wie viele Menschen ein Gesetz unterstützen, das alle queeren Personen vor solchen Praktiken schützt. Besonders wichtig ist dabei der Schutz von intergeschlechtlichen, trans und nicht-binären Menschen.

In der Petition wird darauf hingewiesen, dass „Konversionstherapien” in Österreich legal sind, solange sie nicht im medizinischen Bereich durchgeführt werden. Die Praktiken treten laut den Initiator:innen häufig unter Begriffen wie „Seelsorge“, „Coaching“ oder „Beratung“ auf. Das Ziel dabei ist, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von Menschen zu verändern oder zu unterdrücken.

Betroffene berichten von schlimmen psychischen Folgen

Der Initiative zufolge sind die Auswirkungen solcher Maßnahmen gravierend. Viele Betroffene entwickeln demnach Depressionen oder Suizidgedanken. Besonders betroffen sind junge queere Menschen. Otte warnt vor dem sozialen Druck durch Familien, religiöse Gruppen oder das persönliche Umfeld. 

„Gerade junge Menschen erleben enormen Druck durch Familien, religiöse Gruppen oder ihr Umfeld. Deshalb ist jetzt der Moment, Druck zu machen“, so die HOSI-Wien-Obfrau. Aktuellen Studien zufolge waren bereits drei von zehn queeren Menschen in Österreich mit solchen „Umpolungsversuchen“ konfrontiert. Trans Personen sind besonders häufig betroffen.

Was soll das Verbot von „Konversionstherapien“ umfassen?

Die Petition fordert ein Verbot aller Praktiken, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder den Geschlechtsausdruck einer Person zu verändern oder zu unterdrücken. Verboten werden sollen demnach nicht nur die Durchführung solcher Maßnahmen, sondern auch deren Bewerbung und das Angebot solcher Maßnahmen.

Als Beispiele werden in der Petition Versuche genannt, homosexuelle Menschen „heterosexuell zu machen“ oder trans Personen ihre Geschlechtsidentität abzusprechen. Auch sogenannte „korrektive Vergewaltigungen“ werden ausdrücklich erwähnt.

Was soll beim Verbot von „Konversionstherapien“ erlaubt bleiben?

Gleichzeitig betonen die Initiator:innen, dass wissenschaftlich anerkannte Therapien oder geschlechtsangleichende Maßnahmen weiterhin erlaubt bleiben sollen. Dazu zählen etwa Hormontherapien oder operative Eingriffe im Rahmen einer Transition. Diese haben das Ziel, Menschen in ihrer selbstbestimmten Geschlechtsidentität zu unterstützen und nicht, diese zu unterdrücken.

Geschützt werden sollen insbesondere Minderjährige sowie volljährige Personen, die nicht frei zustimmen können. Dazu zählen Menschen, die unter Druck gesetzt, bedroht oder manipuliert werden, sowie Personen, die sich in Abhängigkeitsverhältnissen befinden.

SPÖ und Grüne unterstützen die Petition

Unterstützung für die Petition kommt von SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner, der zugleich Vorsitzender der sozialdemokratischen LGBTIQ+-Organisation SoHo ist. „Konversionspraktiken sind Gewalt und zu Recht werden sie von Expert:innen und der UNO als Folter bezeichnet“, erklärt Lindner. „Es ist höchste Zeit, dass das im Regierungsprogramm vereinbarte Verbot aller Konversionspraktiken gegen LGBTIQ+-Personen auch in Österreich umgesetzt wird.“

Lindner fordert – auch vom Koalitionspartner – einen umfassenden Schutz aller queeren Menschen. „Unsere sexuelle Orientierung oder unsere Geschlechtsidentität sind keine Krankheiten – sie sind ein wunderbarer Teil unserer Individualität“, sagt er. Gegen den Widerstand von Fundamentalist:innen müsse Österreich klarstellen, dass „Konversionsfolter ein Verbrechen ist“.

Auch die Grünen unterstützen die Petition: „Internationale Organisationen nennen es Folter, die Volkspartei nennt es ,Diskussionsbedarf‘. Dass wir im Jahr 2026 immer noch über ein Verbot von Konversionsgewalt debattieren müssen, ist eine moralische Bankrotterklärung“, ärgern sich David Stögmüller, Sprecher der Grünen für LGBTIQ+ und Bundessprecher der Grünen Andersrum, und Katharina Schöll-Laussermayer, Bundessprecherin der Grünen Andersrum.

Mehrere europäische Länder haben Konversionsmaßnahmen bereits verboten, darunter Deutschland und Malta. In dieser Frage hinke Österreich hinterher, kritisieren die Initiator:innen.

Mehr News