Die bei schwulen und bisexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 130 Millionen US-Dollar (112 Millionen Euro) erzielt. Das entspricht einem Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit übertraf die App die Erwartungen der Analysten deutlich. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse stieg die Aktie nach Börsenschluss um 2,3 Prozent auf 13,80 Dollar (11,90 Euro).
Das Unternehmen erwartet nun einen Jahresumsatz von mindestens 535 Millionen Dollar (461 Millionen Euro). Noch im Jahr 2023 hatte Grindr im gesamten Jahr rund 260 Millionen Dollar (224 Millionen Euro) umgesetzt. Die Zahl der zahlenden Abonnenten hat sich in diesem Zeitraum von etwa 750.000 auf rund 1,5 Millionen verdoppelt.
Kritik an Grindr bleibt hoch
Die wirtschaftlichen Erfolge stehen im Kontrast zur Stimmung vieler Plattform-Nutzer. Seit Jahren gehören Beschwerden über teure Premium-Abos, aggressive Werbung und technische Einschränkungen zum Alltag der Plattform. Trotzdem bleiben die meisten Nutzer aktiv.
Der Finanzexperte Nick Wolny hat für das US-Portal Queerty die aktuellen Zahlen analysiert und dabei den Unterschied zwischen kritischen Äußerungen und dem tatsächlichen Konsumverhalten hervorgehoben. „Die Umsatzzahlen sagen etwas darüber aus, was schwule und bisexuelle Männer angeblich wollen – und wofür sie tatsächlich Geld ausgeben“, sagte Wolny.
Auch der Psychologe Jack Jen Gieseking übte Kritik an der starken Bindung vieler Nutzer an die Plattform. „Immer wieder hört man: ,Das ist eben das, was wir haben.‘ Dabei liegt die Kontrolle eigentlich bei den Nutzern selbst“, erklärte Gieseking.
Wie teuer kann Grindr werden?
Das kostenpflichtige Angebot bleibt ein zentraler Wachstumstreiber. Grindr setzt zunehmend auf hochpreisige Abonnements und Zusatzfunktionen. Besonders im Fokus steht das neue KI-gestützte Angebot „Edge“, das je nach Paket bis zu 350 Dollar (300 Euro) pro Monat kostet.
Gleichzeitig wird die kostenlose Version der App immer weiter eingeschränkt. Eine aktuelle Studie beschreibt genau dieses Geschäftsmodell vieler Dating-Apps: Die Gratis-Version soll attraktiv genug sein, damit Nutzer ihre Accounts nicht löschen, aber gleichzeitig frustrierend genug, um Upgrades zu fördern.
Laut Wolny haben sich zuletzt auch die Werbeeinnahmen von Grindr vervierfacht. „Die Werbung verschwindet nicht“, sagte er. „Entweder man akzeptiert sie, oder man zahlt.“
Konkurrenz durch Sniffies wächst
Inzwischen wechseln viele unzufriedene Grindr-Nutzer zumindest zeitweise zur Plattform Sniffies. Die App gilt als direkter Konkurrent von Grindr und legt den Fokus stärker auf anonyme und spontane Kontakte. Laut Unternehmensangaben nutzen inzwischen rund drei Millionen Menschen monatlich Sniffies. Grindr kommt auf etwa 15 Millionen aktive Nutzer.
Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt der Einstieg der Match Group bei Sniffies. Der Konzern, dem Dating-Apps wie Tinder und Hinge gehören, investierte 100 Millionen Dollar (86 Millionen Euro) in die Plattform.
Grindr-Chef George Arison begrüßt diese Entwicklung: „Ich freue mich für das Team von Sniffies”, sagte er während der aktuellen Investorenkonferenz. „Sie haben nach Liquidität gesucht und diese nun auf starke Weise erreicht. Arison betonte, dass der Einstieg eines großen Konzerns die Bedeutung des gesamten Marktes bestätige. Grindr selbst war Ende 2022 an die Börse gegangen.
Grindr setzt auf Markenimage
Seit seinem Amtsantritt versucht Arison, Grindr als globale Community-Plattform zu positionieren. Das Unternehmen spricht inzwischen von einer „global gayborhood“. Das Ziel besteht darin, Nutzer länger in der App zu halten und zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen.
Die Strategie überzeugt bislang auch Investoren. Grindr meldete für das erste Quartal eine Nettogewinnmarge von 21 Prozent. Zudem kaufte das Unternehmen im laufenden Jahr bereits 8,3 Millionen eigene Aktien zurück.
Analysten sehen dennoch Risiken. Dazu gehören mögliche Einschränkungen in verschiedenen Ländern, steigende Marketingkosten und eine mögliche Sättigung in etablierten Regionen. Grindr kündigte an, weiterhin in die Produktentwicklung, den Datenschutz und Sicherheitsfunktionen investieren zu wollen.

