HomePolitikEuropaCSD in Wernigerode von Drohungen und Störaktionen überschattet

CSD in Wernigerode von Drohungen und Störaktionen überschattet

Rund 350 Menschen nahmen am Samstag am CSD in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) teil. Die Veranstaltung stand unter verstärktem Polizeischutz, da es eine Drohung gegeben hatte, und wurde von mehreren Störaktionen begleitet.

Am Samstag hat die Stadt Wernigerode in Sachsen-Anhalt zum vierten Mal einen Christopher Street Day (CSD) ausgerichtet. Die Pride-Demonstration stand unter dem Motto „Unsere Alternative: Wähl Liebe!” und führte quer durch die Stadt. Nach Angaben der Organisator:innen beteiligten sich rund 350 Menschen an dem Umzug. Zum Auftakt richtete der Schirmherr und Oberbürgermeister Tobias Kascha (SPD) ein Grußwort an die Teilnehmenden.

Schrauben auf der Route entdeckt

Für Aufregung sorgte ein Vorfall entlang der Demonstrationsstrecke. Laut Falko Jentsch vom CSD-Organisationskomitee wurden dort schwarze Schnellbauschrauben ausgelegt, die auf dem Asphalt nur schwer zu erkennen waren. 

Die Schrauben mussten zunächst eingesammelt werden, bevor der Demonstrationszug den betroffenen Abschnitt passieren konnte. Jentsch sah darin ein Risiko für die Teilnehmenden sowie für die Fahrzeuge. 

Die Polizei bestätigte, dass an einer Stelle der Route Schrauben gefunden wurden. Diese seien entfernt worden. Zu dem Vorfall laufen Ermittlungen.

Rechte Gruppen zeigen Präsenz

Den Angaben der Veranstalter:innen zufolge wurde die Demonstration außerdem von Gruppen aus dem rechten Spektrum begleitet. Jentsch berichtete, dass auf einer Brücke Personen große Deutschlandflaggen gezeigt hätten. Im Stadtgebiet seien weitere kleinere Gruppen und einzelne Personen unterwegs gewesen.

Dies habe bei vielen Teilnehmenden „ein mulmiges Gefühl hinterlassen“, so Jentsch. Die Polizei bestätigte die Anwesenheit einer entsprechenden Gruppe. Nach Einschätzung der Beamten kam es jedoch nicht zu direkten Störungen der Demonstration. Die Personen seien von Einsatzkräften begleitet worden.

Polizeischutz nach Drohung über Instagram

Bereits im Vorfeld des CSD hatte eine Drohung dafür gesorgt, dass zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden. Wie Jentsch der Volksstimme sagte, sei etwa eine Woche vor der Veranstaltung über Instagram die Drohung eingegangen, „alle in die Luft zu sprengen“.

Die Polizei war deshalb mit zahlreichen Kräften vor Ort und sicherte die Veranstaltung ab. Inzwischen ermittelt auch der Staatsschutz. Die Vorfälle hätten die Stimmung unter vielen Teilnehmenden beeinflusst. „Man merkt eine Anspannung“, sagte Jentsch.

Demonstrationszug zunächst ohne größere Zwischenfälle

Trotz der angespannten Lage verlief der Demonstrationszug nach Angaben der Organisatoren zunächst ohne größere Zwischenfälle. Neben Oberbürgermeister Kascha sprachen zum Auftakt auch Vertreter des Landkreises Harz sowie Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann (SPD).

Die Organisatoren betonten, queeres Leben gehöre selbstverständlich nach Wernigerode, in den Harz und überall hin. Im Anschluss an den Demonstrationszug fand eine Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz statt.

Erinnerungen an Vorfälle im Vorjahr

Bereits vor dem CSD im vergangenen Jahr gab es Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen Gewaltandrohung gegen die Veranstaltung. Damals stand ein 20-Jähriger im Verdacht, eine Straftat gegen den CSD angedroht zu haben.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler damals zudem Munition. Die Veranstaltung selbst verlief friedlich.

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