Der Konflikt zwischen der US-amerikanischen Outdoormarke Patagonia und der Dragqueen Pattie Gonia begann im Jänner, als das Unternehmen Klage wegen einer angeblichen Markenrechtsverletzung einreichte. Das Unternehmen argumentiert, der Name „Pattie Gonia“ sei seiner geschützten Marke zu ähnlich.
Hintergrund ist ein Antrag der Aktivistin auf Markenschutz für ihren Künstlernamen. Deren beantragten Markenrechte sollten Bereiche wie Bekleidung, Umweltbildung, Marketing und Veranstaltungen umfassen.
Öffentliche Kritik an Patagonia wächst
Patagonia genießt seit Jahren den Ruf, ein besonders umweltbewusstes Unternehmen zu sein. Pattie Gonia, hinter der der Aktivist Wyn Wiley steht, ist auf der anderen Seite eine der bekanntesten queeren Stimmen im Bereich Klima- und Umweltengagement in den USA.
Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit, als die Aktivistin vergangene Woche mit einem Video, einem offenen Brief und mehreren Social-Media-Beiträgen öffentlich gegen die Klage mobil machte. Seitdem wird Patagonia auf seinen Online-Kanälen mit Kommentaren konfrontiert, in denen Nutzer:innen ihre Unterstützung für Pattie Gonia bekunden.
Das Unternehmen sah sich daraufhin zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst. „Es gibt viele Diskussionen über die Klage, die wir im Jänner eingereicht haben, um unsere Marken zu schützen, und wir schulden euch ein Update“, erklärte Patagonia. Das Unternehmen räumte ein, dass der Rechtsstreit insbesondere in der LGBTIQ+-Community für Enttäuschung gesorgt habe. Man bedauere den entstandenen Schaden und strebe weiterhin eine Lösung an.
Angebot zur Einigung würde Pattie Gonias Aktivismus beenden
Laut Patagonia könnte der Konflikt beigelegt werden, wenn Pattie Gonia alle Markenanmeldungen zurückzieht, die Nutzung von Patagonia-ähnlichen Logos einstellt und keine Bekleidungs- oder sonstigen Produkte mehr unter dem Namen Pattie Gonia verkauft oder bewirbt.
„Wenn wir uns darauf einigen können, können wir alles Weitere klären“, erklärte das Unternehmen. Gleichzeitig betonte Patagonia, dass Pattie Gonia weiterhin als Aktivistin und Künstlerin auftreten könne. Beide Seiten teilten gemeinsame Ziele wie den Schutz des Planeten und einen inklusiveren Zugang zur Outdoor-Welt.
Die Aktivistin reagierte jedoch kritisch auf dieses Angebot. Ihrer Ansicht nach würde die Forderung, keine Produkte oder Kooperationen mehr unter dem Namen „Pattie Gonia” zu vermarkten, ihre Arbeit massiv beeinträchtigen.
Neue Vorwürfe gegen Patagonia
Zusätzliche Spannungen entstanden durch Aussagen des Patagonia-CEOs Ryan Gellert auf einer Branchenveranstaltung. Dort erklärte er, das Unternehmen habe versucht, mit Pattie Gonia über die Markenanmeldung zu sprechen. Der Streit drehe sich nicht darum, jemanden zum Schweigen zu bringen oder eine Identität zu nehmen.
Pattie Gonia widersprach dieser Darstellung öffentlich. „Das sind schlichtweg Lügen“, erklärte sie. Die erste Kontaktaufnahme durch Patagonia habe erst vier Monate nach Einreichung der Markenanmeldung stattgefunden – in Form einer Mitteilung über die bereits eingereichte Klage.
„Es gab kein Gespräch, nicht weil ich nicht dazu bereit gewesen wäre, sondern weil Patagonia nie auf uns zugekommen ist“, sagte die Aktivistin. Entweder habe Gellert die Öffentlichkeit falsch informiert oder er sei intern falsch informiert worden.
Streitpunkt bleibt die wirtschaftliche Nutzung
Pattie Gonia wies zudem darauf hin, dass ihre Markenanmeldung die erste behördliche Prüfung bereits bestanden habe. Die zuständige Prüferin habe demnach keine unmittelbare Verwechslungsgefahr mit der Marke Patagonia festgestellt. Gleichzeitig signalisierte die Aktivistin Gesprächsbereitschaft. Sie erklärte, auf die Markenanmeldung verzichten zu wollen, falls Patagonia im Gegenzug die Klage zurückziehe.
Das Unternehmen fordert jedoch auch den Verzicht auf die Vermarktung von Produkten und Partnerschaften unter dem Namen „Pattie Gonia”. Genau darin sieht die Aktivistin das eigentliche Problem. Kooperationen mit Marken finanzieren einen großen Teil ihrer Bildungs-, Aufklärungs- und Umweltarbeit.
„Wenn ich keine Partnerschaften mehr als Pattie Gonia eingehen kann, bricht das gesamte Ökosystem unserer Bildungs- und Aktivismusarbeit zusammen“, erklärte sie. Patagonia arbeite selbst nach einem ähnlichen Modell, bei dem wirtschaftliche Aktivitäten gesellschaftliches Engagement finanzieren.
Entscheidung dürfte vor Gericht fallen
In den sozialen Netzwerken wird der Konflikt inzwischen kontrovers diskutiert. Einige Nutzer:innen werfen Patagonia vor, die Arbeit einer Klimaaktivistin und queeren Persönlichkeit zu behindern. Andere kritisieren Patagonia dafür, die LGBTIQ+-Community und den Pride Month in den Streit einzubeziehen.
Eine schnelle Einigung scheint derzeit nicht in Sicht. Zwar betonen beide Seiten ihre gemeinsamen Ziele im Klima- und Umweltschutz, beim zentralen Streitpunkt der wirtschaftlichen Nutzung des Namens „Pattie Gonia” liegen die Positionen jedoch weiterhin weit auseinander. Damit dürfte die endgültige Klärung des Falls vor Gericht erfolgen.

