Mit einem sichtbaren Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Akzeptanz ist die Stadt Wien in den Pride-Monat Juni gestartet. Gemeinsam mit dem Team der Wiener Antidiskriminierungsstelle für LGBTIQ-Angelegenheiten (WASt), Vertreter:innen der HOSI Wien sowie der Vienna Pride hissten Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling, Gemeinderätin Susanne Haase und Gemeinderat Thomas Weber die Regenbogenfahne vor dem Wiener Rathaus.
Deutliches Zeichen für Gleichberechtigung
„Mit der Hissung der Regenbogenfahne am Wiener Rathaus eröffnen wir auch dieses Jahr wieder den Regenbogenmonat Juni. Damit setzen wir ein deutlich sichtbares Zeichen für die Rechte und die umfassende Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, transidenten und intergeschlechtlichen Menschen“, erklärte Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS).
Zugleich verwies sie auf politische Vorhaben auf Bundesebene, die ÖVP, SPÖ und NEOS im Koalitionsabkommen festgeschrieben haben. Dazu zählen ein umfassenderer Diskriminierungsschutz sowie ein Verbot von Konversionsbehandlungen.
30. Jubiläum der Regenbogenparade
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf dem 30-jährigen Jubiläum der Regenbogenparade. Unter dem Motto „Sichtbar seit 1996“ zieht die Parade am 13. Juni in entgegengesetzter Fahrtrichtung über die Wiener Ringstraße. Die Veranstaltung zählt mittlerweile zu den größten Demonstrationen für die Rechte von queeren Personen in Österreich.
SPÖ-Gemeinderätin und LGBTIQ-Sprecherin Susanne Haase betont die Bedeutung dieses Jubiläums: „30 Jahre Regenbogenparade bedeuten 30 Jahre Mut, Sichtbarkeit und Zusammenhalt. Dieses Jubiläum erinnert uns daran, dass Fortschritt niemals selbstverständlich ist.“
Haase wies darauf hin, dass viele Menschen sich in den vergangenen Jahrzehnten trotz Ausgrenzung, Hass und Gewalt für gleiche Rechte eingesetzt hätten. Die heutige Beteiligung von Hunderttausenden zeige die Stärke der Bewegung.
Fortschritte und neue Herausforderungen
Auch die Wiener Antidiskriminierungsstelle zog eine positive Bilanz. Laut WASt-Leiter Wolfgang Wilhelm zeigen aktuelle Untersuchungen, dass sich heute deutlich mehr Menschen im beruflichen Umfeld zu ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bekennen als noch vor zehn Jahren. Zudem seien queere Themen in Schulen und Ausbildungseinrichtungen präsenter.
„Das Rathaus mit der Regenbogenfahne zu schmücken, ist in Wien nicht nur ein Symbol, sondern auch ein Bekenntnis und ein Zeichen für aktive Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsarbeit – 365 Tage im Jahr“, sagte Wilhelm.
Gleichzeitig warnte er vor einem internationalen Gegenwind gegenüber queeren Menschen. Dieser sei auch in Wien spürbar und äußere sich unter anderem in einer Zunahme queerfeindlicher Übergriffe im öffentlichen Raum.
Vienna Pride bis Mitte Juni
Die diesjährige Vienna Pride läuft noch bis zum 14. Juni und umfasst zahlreiche Veranstaltungen in der Bundeshauptstadt. Bereits Ende Mai wurden mit dem Community Village im Wiener Prater und dem Pride Run Vienna erste Höhepunkte gesetzt.
Lisa Hermanns, Generalsekretärin der HOSI Wien, unterstrich die Bedeutung öffentlicher Sichtbarkeit: „Sichtbarkeit, wie diese Fahne am Rathaus, ist wichtig für queere Menschen, um sich im Alltag sicherer zu fühlen.“ Gleichzeitig brauche es weitere politische Verbesserungen, solange Diskriminierung und rechtliche Benachteiligungen bestehen.
Auch Katharina Kacerovsky-Strobl, Veranstalterin der Vienna Pride, sprach von einer wichtigen Botschaft in Zeiten zunehmenden Drucks auf queere Rechte in vielen Ländern. Gleichberechtigung und Menschenrechte seien nicht verhandelbar.
Förderungen für Projekte im Regenbogenmonat
Zum fünften Mal unterstützt die Stadt Wien im Rahmen des Fördercalls „Wiener Regenbogenmonat Juni“ Projekte. Dafür stehen auch dieses Jahr 50.000 Euro zur Verfügung. Gefördert werden Projekte, die die Regenbogenparade ergänzen, die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Personen stärken und den gesellschaftlichen Dialog fördern.
Zu den ausgewählten Vorhaben zählen das „Queer Legends Festival 2026”, der „Tuntathlon 2026”, das „Queering Favoriten Straßenfest”, das Projekt „Resilience in Community” des Queer Museum Vienna sowie die „Queer Pride Walks 2026”.
Zusätzlich organisiert die WASt im Juni mehrere Veranstaltungen, darunter Informationsstände bei verschiedenen Pride-Events, eine Fotoausstellung im Arkadenhof des Wiener Rathauses und die „Rathausführung andersrum” am 12. Juni.

