Es war ein Fall, der Wien erschütterte – und der nun eine neue Wendung genommen hat. Am 7. Oktober 2024 tötete ein 45-Jähriger in Wien-Favoriten einen 16-jährigen Jugendlichen mit zahlreichen Axthieben. Der Mann hatte den Jugendlichen seit April 2024 regelmäßig für sexuelle Handlungen und gemeinsame Wochenenden bezahlt. Der Kontakt war über Facebook zustande gekommen.
Der deutlich ältere Täter deutete die Ausbeutung des Jugendlichen als persönliche Beziehung. Als der Jugendliche diese Zuneigung nicht erwiderte, eskalierte die Situation – mit tödlichem Ausgang für den Jugendlichen.
Eine Aussage mit weitreichenden Folgen
Im Zuge der Verhöre machte der Mann umfassende Angaben, bevor er im Juni 2025 am Wiener Landesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Kurz nach dem nicht rechtskräftigen Urteil nahm er sich in der Justizanstalt das Leben.
Mit seinem Tod endete das Verfahren gegen ihn. Die polizeilichen Ermittlungen rund um seine Aussagen begannen jedoch erst danach und richteten sich bald auf ein Lokal im 5. Wiener Gemeindebezirk.
Die Spur führt nach Margareten
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein „Boyscafé“ im Wiener Bezirk Margareten. Dort sollen die Betreiber – teils unter anderem Namen – seit Jahren junge Burschen, insbesondere aus Bulgarien, für sexuelle Dienstleistungen vermittelt haben. In seiner Vernehmung im Februar 2025 berichtete der Mann von 16- und 17-Jährigen, die für geringe Beträge mit wesentlich älteren Männern verkehrten.
Besonders schwer wiegt eine weitere Aussage: Der Mann gab an, von einem erst zwölfjährigen Kind zu wissen, das an einen Pädophilen weitergereicht worden sein soll. Bereits im Verfahren im Juni 2025 hatte er darauf hingewiesen. Seine damalige Anwältin, Astrid Wagner, bestätigte gegenüber der Austria Presse Agentur (APA), dass ihr Mandant stets auf die Vorgänge in dem Lokal aufmerksam gemacht habe.
Das Schicksal des getöteten Jugendlichen
Hinter dem getöteten 16-Jährigen verbirgt sich eine von Ausbeutung geprägte Lebensgeschichte. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen in Bulgarien und wurde von seiner eigenen Familie zur Prostitution gezwungen. Bereits im Alter von 14 Jahren hatte er dort erstmals Gewalt durch einen Freier erfahren.
Zwei Jahre später kam er nach Österreich. In einem Lokal in Margareten musste er der Prostitution nachgehen, während sein älterer Bruder als Zuhälter agierte und die Treffen mit den älteren Männern organisierte. Über Facebook geriet er schließlich an den späteren Täter.
15 Beschuldigte und 15 mutmaßliche Opfer
Die Wiener Staatsanwaltschaft bestätigte durch ihre Sprecherin Nina Bussek den entsprechenden Bericht der „Kronen Zeitung“. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf grenzüberschreitenden Prostitutionshandel und sexuellen Missbrauch von Jugendlichen. Den Angaben zufolge stehen 15 Verdächtige im Fokus, darunter Freier und Gäste sowie die beiden Lokalbetreiber und der Chefkellner.
Im Akt ist von bis zu 15 Opfern die Rede, darunter auch der getötete 16-Jährige. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Die Vorwürfe wiegen schwer: Menschenhandel, Förderung der Prostitution Minderjähriger und in einzelnen Fällen Kindesmissbrauch.

