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San Francisco: Gesichtsscans in Gay-Bars sorgen bei Gästen für Unbehagen

In San Franciscos Stadtteil Castro werden bei mehreren bekannten Gay-Bars Gesichtsscans und digitale Ausweiskontrollen eingesetzt. Kritiker warnen nun vor einer möglichen Erfassung und Vernetzung sensibler Daten queerer Personen.

Laut einer Recherche des San Francisco Gazeteer verlangen mehrere Bars im queeren Viertel Castro in San Francisco von ihren Gästen nicht nur das Vorzeigen eines Lichtbildausweises, sondern auch einen Gesichtsscan. Zum Einsatz kommen demnach Ausweiskioske des Unternehmens PatronScan.

Zahlreiche persönliche Daten werden erfasst

Die Geräte erfassen verschiedene persönliche Informationen. Dazu gehören laut unserer Recherche Namen, Adressen, Geschlechtseintrag sowie weitere Daten, die mit dem Besuch der jeweiligen Lokale in Verbindung stehen. Datenschützer:innen sehen den Umstand, dass die Systeme mit anderen PatronScan-Geräten in der Umgebung vernetzt sein sollen, besonders kritisch.

Dadurch könnte eine Person, die in einer Bar auffällt oder abgewiesen wird, auch in anderen angeschlossenen Lokalen erkannt werden. Das System wirft deshalb Fragen zur Datennutzung und zur Transparenz auf.

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Daten sollen teilweise gespeichert bleiben

Ergebnisse der Recherche zufolge werden die erfassten Daten grundsätzlich nach 30 Tagen gelöscht. Personen, denen sogenanntes „schlechtes Verhalten“ zugeschrieben wird, sollen jedoch weiterhin gespeichert bleiben. Die Kosten für die Betreiber liegen dem Bericht zufolge bei mehr als 4.000 US-Dollar pro Jahr und Standort.

Ein Interviewpartner äußerte gegenüber dem San Francisco Gazeteer deutliche Bedenken: „Es ist wirklich keine gute Idee, Listen von homosexuellen Menschen zu haben.“ Gerade in queeren Ausgehvierteln sei Anonymität für viele Besucher:innen weiterhin ein wesentliches Bedürfnis.

Privatfirma sammelt Daten queerer Barbesucher

Breitere Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch einen Beitrag von Eddie Kim auf der Plattform X (ehemals Twitter) am 10. Juni. Darin schrieb er: „Ich war im Mix im Castro und sie haben mein Foto sowie meine Ausweisdaten gesammelt, ohne dass ich es wusste.“

Kim ergänzte, dass die Datenerfassung Teil eines Überwachungsnetzwerks sei. Einige Menschen sorgten sich, dass ein privates Unternehmen im Jahr 2026 über umfangreiche Datenbestände zu queeren Personen verfügen könnte.

Datenschutzbedenken bei biometrischen Systemen

PatronScan bewirbt seine Systeme als Sicherheitslösung für das Nachtleben. Die Technik soll gefälschte Ausweise erkennen und Personen identifizieren, denen der Zutritt zu bestimmten Lokalen untersagt ist. Datenschutzorganisationen kritisieren jedoch seit Jahren, dass viele ID-Scan-Systeme deutlich mehr Daten sammeln als von den Gästen angenommen.

Besonders kritisch ist der Einsatz biometrischer oder biometrieähnlicher Identifikationsmethoden in Bereichen, die von marginalisierten Gruppen genutzt werden. LGBTIQ+-Personen könnten dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, ungewollt identifiziert oder gezielt belästigt zu werden.

Forderungen nach mehr Transparenz

Die gesetzlichen Regelungen für Gesichtserkennung und biometrische Daten unterscheiden sich in den USA je nach Bundesstaat und Stadt stark voneinander. Einheitliche Standards existieren vielerorts nicht.

Die Autorin und Aktivistin Hayley Tsukayama kritisierte diese Praxis deutlich. „Menschen erwarten nicht, dass ihre Daten auf diese Weise gesammelt und gespeichert werden, wenn sie ein Lokal besuchen“, sagte sie. Es gebe eine deutliche Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Verbraucher:innen und der tatsächlichen Datenerfassung. Deshalb sei mehr Transparenz erforderlich, damit Gäste nachvollziehen können, welche Informationen erhoben werden und wie diese verwendet werden.

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