Gemeinsam mit dem Market-Institut hat die Tageszeitung Der Standard die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zu LGBTIQ-Rechten untersucht. Dabei fielen die Antworten von FPÖ-Wählern besonders auf, da sie sich in vielen Fragen deutlich von den Anhängern anderer Parteien unterscheiden.
Drei Viertel der FPÖ-Wähler sehen genug für die Community getan
Dieser Unterschied zeigt sich am deutlichsten bei der Aussage, dass bereits genug für die homosexuelle Community getan worden sei. 46 Prozent der Anhänger der FPÖ stimmen dieser Aussage „auf jeden Fall“ zu, weitere 30 Prozent „eher schon“. Insgesamt vertreten somit 76 Prozent diese Position.
Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung liegt die Zustimmung bei 51 Prozent. Anhänger von SPÖ, Neos und Grünen äußern sich in dieser Frage also deutlich zurückhaltender.
Auch bei der Frage nach der Gleichberechtigung queerer Menschen vertreten FPÖ-Wähler eine klare Haltung. Die Mehrheit geht davon aus, dass sie in Österreich bereits voll und ganz gleichberechtigt sind und ausreichend Rechte genießen.
Skepsis gegenüber Pride und queeren Symbolen
Die Debatte um die Regenbogenparade und Regenbogenflaggen wird von der FPÖ-Wählerschaft besonders kritisch gesehen. Laut den Umfragedaten zählt diese Gruppe zu denjenigen, die Veranstaltungen wie die Pride für weniger notwendig halten und öffentliche Symbolpolitik ablehnen.
Market-Politikforscher David Pfarrhofer sieht darin keinen Zufall. „Es ist kein Zufall, dass die FPÖ dieses Thema bespielt: Sie sucht sich genau die Zielgruppe, die davon nichts mehr wissen will, und verwendet bewusst provokante Begriffe wie ‚Gender-Wahn‘“, sagt er dem Standard: „Das ist Zielgruppensprache, die die FPÖ hier spricht.“
Andere Parteien bewerten die Situation anders
Während die Mehrheit der FPÖ-Wähler von einer erreichten Gleichstellung ausgeht, zeigen sich die Anhänger anderer Parteien deutlich vorsichtiger. Insbesondere Wähler der Grünen, der SPÖ und der Neos gehen häufiger davon aus, dass homosexuelle Menschen weiterhin Benachteiligungen erfahren.
So liegt die Zustimmung zur Aussage, dass bereits genug für die LGBTIQ+-Community getan wurde, bei den Grünen lediglich bei 17 Prozent. Gleichzeitig lehnen 68 Prozent diese Ansicht ab. Auch bei SPÖ- und Neos-Wählern überwiegt die Einschätzung, dass weitere Fortschritte notwendig sind.
Bei ÖVP-Wählern zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar stimmen auch hier 54 Prozent der Aussage zu, dass bereits genug getan wurde, jedoch liegen die Werte deutlich unter jenen der FPÖ.
Gesellschaftspolitische Fragen als Konfliktfeld
Die Umfrage bestätigt, dass die Wählerschaft der FPÖ insbesondere bei gesellschaftspolitischen Themen eine deutlich restriktivere Haltung einnimmt. Dazu zählen beispielsweise die Sichtbarkeit der LGBTIQ+-Community im öffentlichen Raum, das Hissen von Regenbogenflaggen auf Behördengebäuden oder die Anerkennung eines dritten Geschlechtseintrags.
Während in der Gesamtbevölkerung bereits erhebliche Vorbehalte gegenüber diesen Themen bestehen, fallen die Ablehnungswerte unter FPÖ-Anhängern noch höher aus. Dadurch prägt die starke Position dieser Wählergruppe die Ergebnisse der Gesamtumfrage maßgeblich.
Große Unterschiede innerhalb der österreichischen Parteienlandschaft
Die Erhebung macht deutlich, wie stark die Einstellungen zu LGBTIQ+-Themen entlang politischer Linien verlaufen. Während konservative und rechte Wählergruppen vielfach von einer abgeschlossenen Gleichstellung ausgehen, sehen linke und liberale Wähler:innen weiterhin Handlungsbedarf.
Besonders die FPÖ-Wählerschaft sticht dabei hervor. Sie bewertet die gesellschaftliche Situation queerer Menschen deutlich positiver als andere Parteianhänger:innen und spricht sich mit großer Mehrheit gegen weitere Maßnahmen oder zusätzliche Sichtbarkeit der Community aus.
Die Daten stammen aus einer repräsentativen Market-Umfrage, die im Auftrag des Standard durchgeführt wurde. Befragt wurden 807 wahlberechtigte Personen in Österreich zwischen dem 23. und 28. April 2026.

