Ein Doppelmord erschüttert die Gemeinde Camaiore in der italienischen Toskana. Demnach soll der 63-jährige Bauarbeiter Piero Moriconi am Mittwoch gegen 14:30 Uhr im Ortsteil Pieve di Camaiore seine Ehefrau Kety Andreoni (52) und den gemeinsamen Sohn Mirko Moriconi (24) erschossen haben. Der Tatverdächtige wurde wegen zweifachen Mordes festgenommen und verhört.
Tat ereignete sich im Garten des Familienhauses
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge war der 24-Jährige kurz zuvor nach Hause zurückgekehrt, nachdem er bei einer Tante, die neben dem Elternhaus wohnt, zu Mittag gegessen hatte. Nur wenige Minuten später soll der Vater mit einem ordnungsgemäß registrierten Jagdgewehr auf seine Ehefrau und seinen Sohn geschossen haben. Beide wurden im Bauchbereich getroffen. Die Einsatzkräfte fanden die beiden Opfer später im Garten des Hauses. Trotz des raschen Einsatzes von Rettungsdienst, Notarzt und Rettungshubschrauber kam für sie jede Hilfe zu spät.
Italienischen Medien zufolge legte der 63-Jährige die Waffe nach der Tat wieder im Haus ab und wartete anschließend auf die alarmierten Carabinieri. Widerstand soll er bei seiner Festnahme nicht geleistet haben. Medienberichten zufolge sagte er zu Nachbarn und Angehörigen: „Ich habe mich von ihnen befreit.“ Die Leichen wurden zur Obduktion in die Gerichtsmedizin gebracht. Die Staatsanwaltschaft in Lucca ermittelt.
Möglicher Zusammenhang mit der Homosexualität des Sohnes
Das Tatmotiv ist bislang unklar. Die Ermittler prüfen unter anderem, ob die Homosexualität des Sohnes eine Rolle gespielt haben könnte. Grund dafür ist unter anderem ein Beitrag, den Mirko Moriconi im Jahr 2022 in den sozialen Netzwerken veröffentlicht hatte. Darin schrieb er: „Es ist schlimm zu denken, dass ein Vater dich lieber tot als schwul sehen würde.“
Mehrere italienische Medien berichten zudem unter Berufung auf Angehörige und Nachbarn von langjährigen Spannungen innerhalb der Familie. Demnach soll der Vater die sexuelle Orientierung seines Sohnes nicht akzeptiert haben.
Angehörige berichten von familiären Spannungen
In diesem Streit soll sich die Mutter auf die Seite ihres Sohnes gestellt haben. Verwandte und Nachbarn schilderten eine zunehmend angespannte Familiensituation mit häufigen Streitigkeiten. Der Schwager des Tatverdächtigen beschrieb den 63-Jährigen gegenüber lokalen Medien als einen Menschen, der zuletzt stark unter Druck gestanden habe.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch ein weiterer Beitrag des 24-Jährigen. Drei Tage vor seinem Tod veröffentlichte er ein Video, in dem er einen Text des Autors Diego Mecchi vorlas. Der Beitrag war seiner Mutter gewidmet.
Gemeinde reagiert mit offizieller Trauer
Mirko Moriconi galt als musikbegeistert und veröffentlichte eigene Lieder im Internet. In den sozialen Netzwerken trat er unter dem Nachnamen seiner Mutter, Michelangelo Andreoni, auf. Laut italienischer Medien bezeichnete er seine Mutter als „seine beste Freundin“. Zudem hatte er sich in der Vergangenheit für die italienische Talentshow „Amici“ beworben.
Die Tat löste in Camaiore große Bestürzung aus. Bürgermeister Marcello Pierucci ordnete Staatstrauer für die Gemeinde an und kündigte eine Schweigeminute während einer Sitzung des Gemeinderats an. „Dieser Vorfall erschüttert die Gemeinschaft von Camaiore zutiefst“, erklärte der Bürgermeister. „Es ist schwer, die Hintergründe dieser Tat zu verstehen. Heute stehen wir einer Familie und den Angehörigen in einem dramatischen Moment bei.“

