Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat am Dienstag die Gesetze der Bundesstaaten West Virginia und Idaho für verfassungskonform erklärt, die trans Mädchen und Frauen die Teilnahme an Mädchen- und Frauensportteams an öffentlichen Schulen und Hochschulen untersagen. Durch diese Entscheidung bleiben auch vergleichbare Verbote in insgesamt 27 Bundesstaaten bestehen.
Mehrheit beruft sich auf biologisches Geschlecht
Mit sechs zu drei Stimmen entschied das Gericht, dass Schulen die Teilnahme an Mädchen- und Frauensportteams auf Grundlage des biologischen Geschlechts regeln dürfen. In der Mehrheitsmeinung erklärte der konservative Richter Brett Kavanaugh, die Gesetze stünden im Einklang mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz der US-Verfassung.
Die liberalen Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson widersprachen dieser Entscheidung. Sotomayor argumentierte, die Mehrheit schütze die Rechte einer Gruppe, schränke dabei aber die Rechte von trans Frauen ein. Jackson vertrat die Auffassung, dass trans Personen ebenfalls unter den Diskriminierungsschutz fallen.
In den Verfahren ging es um eine trans Schülerin aus West Virginia sowie die Studentin Lindsay Hecox aus Idaho. Beide hatten gegen die jeweiligen Landesgesetze geklagt, nachdem ihnen die Teilnahme an Frauensportteams verweigert worden war.
Kritik und Zustimmung
Das Urteil wird von Menschenrechts- und LGBTIQ+-Organisationen scharf kritisiert. Sasha Buchert von Lambda Legal sagte dazu: „Diese Entscheidung ist für Transgender-Frauen und -Mädchen, die lediglich mit ihren Altersgenossen Sport treiben wollten, zutiefst schädlich.“ Studien hätten wiederholt gezeigt, welche positiven Auswirkungen die Teilnahme am Mannschaftssport auf junge Menschen habe.
Joshua Block von der American Civil Liberties Union (ACLU) sprach von einer „herzzerreißenden Entscheidung“ für die Klägerinnen. Die Gleichstellung von Transgender-Frauen nehme anderen Frauen nichts weg, sondern stärke die Gleichberechtigung insgesamt. Kelly O’Neill von Legal Voice fügte hinzu, es sei „zutiefst unfair“, jungen Menschen die Vorteile von Teamgeist und sportlicher Betätigung aufgrund ihrer Identität zu verwehren.
Konservative Politiker begrüßten das Urteil hingegen. So bezeichnete der republikanische Senator Jim Risch aus Idaho die Entscheidung als Sieg für „Frauen, Fairness und den Bundesstaat Idaho“. Idaho sei der erste Bundesstaat gewesen, der biologische Männer vom Frauensport ausgeschlossen habe. Das Urteil bestätige die Chancengleichheit für Frauen im Wettkampfsport.
Wie viele trans Athlet:innen von den Gesetzen betroffen sind, ist unklar. Seit 2020 haben 27 US-Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die trans Jugendlichen die Teilnahme am Schul- und Hochschulsport entsprechend ihrer Geschlechtsidentität untersagen.

