Die Village People haben den Tod ihres Frontmanns Victor Willis bekannt gegeben. Laut Angaben der Band ist der Sänger am Dienstag nach einer kurzen, aber schweren Erkrankung verstorben. In einer Mitteilung auf Facebook zeigte sich die Gruppe tief betroffen und bat um Respektierung der Privatsphäre der Familie. Auch seine Ehefrau Karen Huff-Willis bestätigte den Todesfall und sprach von einem schweren Verlust. Willis verstarb einen Tag vor seinem 75. Geburtstag.
Stimme einer Disco-Generation
Victor Willis gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Village People und prägte ihren internationalen Erfolg entscheidend. Auf der Bühne war er meist als Polizist zu sehen, gelegentlich trat er auch als Marineoffizier auf. Neben seiner markanten Stimme war er maßgeblich an den Texten vieler Songs beteiligt. Titel wie „Y.M.C.A.“, „Macho Man“, „Go West“ und „In the Navy“ entwickelten sich zu weltweiten Erfolgen und gehören bis heute zum festen Repertoire bei Sportveranstaltungen, Feiern und anderen Großereignissen.
Die Band entstand in den 1970er-Jahren um die Produzenten Jacques Morali und Henri Belolo. Ihr Konzept griff bewusst Figuren und Symbole aus der queeren Kultur des New Yorker Stadtteils Greenwich Village auf und machte daraus ein weltweit erfolgreiches Popprojekt. Die Kombination aus eingängigen Disco-Hymnen, markanten Bühnenfiguren und aufwendigen Arrangements verschaffte den Village People internationalen Ruhm. Im Jahr 2020 nahm die Library of Congress den Titel „Y.M.C.A.“ in das National Recording Registry auf und würdigte ihn als kulturell, historisch und ästhetisch bedeutende Aufnahme.
Vom Gospelchor auf die Weltbühne
Victor Edward Willis wurde in San Francisco geboren. Seine musikalischen Wurzeln liegen im Gospelgesang, den er in der Baptistengemeinde seines Vaters erlernte. Nach einer Ausbildung in Schauspiel und Tanz zog es ihn nach New York. Dort wirkte er unter anderem in der ersten Broadway-Produktion des Musicals „The Wiz“ sowie bei der Negro Ensemble Company mit.
Die entscheidende Begegnung folgte Mitte der 1970er-Jahre mit Jacques Morali. Willis berichtete später, der Produzent habe ihm erzählt, von seiner Stimme geträumt zu haben und davon überzeugt gewesen zu sein, dass sie gemeinsam ein erfolgreiches Album aufnehmen könnten. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden schließlich die Village People. Bereits das Debütalbum aus dem Jahr 1977 legte den Grundstein für eine außergewöhnliche internationale Karriere.
Erfolge, Rückschläge und Comebacks
1980 verließ Willis die Village People auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. Privat geriet der Sänger in schwierige Zeiten. Drogenprobleme und juristische Auseinandersetzungen bestimmten über Jahre sein Leben. Nach einer Festnahme im Jahr 2006 absolvierte er einen Entzug. Später erklärte er, dadurch habe er wieder einen klaren Blick auf sein Leben gewonnen.
In den folgenden Jahren kehrte Willis schrittweise ins Musikgeschäft zurück. 2015 erschien mit „Solo Man” ein bereits Jahrzehnte zuvor aufgenommenes Soloalbum. Zwei Jahre später übernahm er erneut die Rolle des Leadsängers der Village People.
Zuletzt gab Willis den Trump-Fan
Gleichzeitig setzte er sich vor Gericht erfolgreich für seine Urheberrechte ein. Auf Grundlage des US-Urheberrechts erhielt er die Rechte an mehreren bekannten Songs zurück. Im Jahr 2015 erkannte ihm ein Gericht gemeinsam mit Jacques Morali die Urheberschaft an insgesamt 13 Liedern zu.
Victor Willis stand zuletzt auch wegen politischer Diskussionen im Fokus. Donald Trump nutzte „Y.M.C.A.“ und „Macho Man“ regelmäßig bei Wahlkampfveranstaltungen, mit tatkräftiger Unterstützung der Band. 2024 wandte sich Willis außerdem gegen die wiederholte Bezeichnung von „Y.M.C.A.“ als „Schwulenhymne“. Medien, die den Song so bezeichneten, drohte er mit rechtlichen Schritten. Er argumentierte, der Liedtext enthalte keine entsprechenden Aussagen und eine solche Einordnung schade dem Werk.

