Der Eurovision Song Contest bekommt 2027 ein neues Teilnehmerland. Wie die Europäische Rundfunkunion (EBU) und die Canadian Broadcasting Corporation (CBC) gemeinsam bekannt gaben, wird Kanada im Mai 2027 in Bulgarien erstmals mit einem eigenen Beitrag an den Start gehen. Damit ist Kanada das erste neue Teilnehmerland seit Australien, das 2015 in den Wettbewerb aufgenommen wurde.
EBU-Mitgliedschaft macht Teilnahme möglich
Um am Eurovision Song Contest teilnehmen zu können, muss man Mitglied der EBU sein. Da Kanada seit 1950 lediglich assoziiertes Mitglied war, konnte es bislang keinen eigenen Beitrag entsenden. Erst mit dem offiziellen Beitritt der CBC als Vollmitglied in der vergangenen Woche wurde der Weg für eine Teilnahme frei.
Die Bekanntgabe erfolgte am kanadischen Nationalfeiertag. CBC-Präsidentin Marie-Philippe Bouchard bezeichnete den Schritt als bedeutende Chance für die heimische Musikszene. „Unsere Teilnahme am Eurovision Song Contest wird kanadischen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geben, sich auf einer der traditionsreichsten Musikbühnen der Welt zu präsentieren”, erklärte sie. Zugleich können Fans in Kanada den Wettbewerb weiterhin verfolgen und abstimmen – nun erstmals mit einem eigenen Land im Teilnehmerfeld.
Wie der kanadische Beitrag ausgewählt wird, will die CBC noch im Laufe des Jahres bekannt geben. Denkbar sind sowohl ein nationaler Vorentscheid nach dem Vorbild Schwedens oder Italiens als auch eine direkte Auswahl durch den Sender, wie sie etwa im Vereinigten Königreich praktiziert wird.
Wettbewerb öffnet sich international
Für ESC-Chef Martin Green ist der Beitritt Kanadas ein Signal für die internationale Entwicklung des Song Contests. „Der Wettbewerb wurde zwar in Europa geboren, heißt aber weiterhin Teilnehmer aus der ganzen Welt willkommen“, sagte er.
Der Eurovision Song Contest ist nicht ausschließlich europäischen Staaten vorbehalten. Teilnahmeberechtigt sind grundsätzlich Mitglieder der EBU. Israel gehört seit 1973 zum Teilnehmerfeld, Marokko nahm 1980 einmalig teil. Australien erhielt 2015 eine Einladung und ist bis heute das einzige Land außerhalb des europäischen Rundfunkgebiets, das regelmäßig am Wettbewerb teilnimmt.
Bekannte Kanadier standen bereits auf der ESC-Bühne
Auch wenn Kanada bislang selbst nie vertreten war, traten bereits mehrere kanadische Künstler:innen für andere Länder an. Die bekannteste von ihnen ist Céline Dion, die 1988 mit dem Titel „Ne Partez Pas Sans Moi“ für die Schweiz den Eurovision Song Contest gewann.
Weitere Beispiele sind Natasha St-Pier, die 2001 Frankreich vertrat, und La Zarra, die 2023 ebenfalls für Frankreich antrat. Beide Künstlerinnen stammen aus Kanada.
Kanada öffnet sich in Richtung Europa
In den vergangenen Jahren war die Teilnahme Kanadas auch politisch ein Thema. Die Regierung von Premierminister Mark Carney stellte eigenen Angaben zufolge im Jahr 2025 150 Millionen kanadische Dollar bereit, damit die CBC eine Beteiligung am Eurovision Song Contest prüfen konnte. Carney hatte sich zudem wiederholt für eine engere Zusammenarbeit mit Europa ausgesprochen.
Laut den Veranstaltern verfolgten weltweit rund 130 Millionen Menschen das Finale im Jahr 2026, im Vorjahr waren es noch rund 160 Millionen Zuschauer. Neben der Erweiterung des Teilnehmerfeldes für den ESC ist für November in Bangkok erstmals ein Ableger des Eurovision Song Contest für Asien geplant.

