HomePolitikInternationalNach Türkei verweigert auch Ägypten Gay-Cruise das Anlegen

Nach Türkei verweigert auch Ägypten Gay-Cruise das Anlegen

Nach zwei abgesagten Hafenstopps in der Türkei durfte die „Scarlet Lady“ nun auch Alexandria nicht anlaufen. Reederei und Charterveranstalter sprechen von einer überraschenden Entscheidung, eine offizielle Begründung aus Ägypten fehlt.

Für die Passagiere der „Scarlet Lady” gab es nun die nächste schlechte Nachricht. Nachdem die türkischen Behörden dem Schiff bereits zuvor das Anlegen in Kuşadası und Istanbul untersagt hatten, verweigerte nun auch Ägypten die Einfahrt in seine Hoheitsgewässer. Der für Donnerstag geplante Stopp in Alexandria fiel somit aus. 

Das Schiff von Virgin Voyages ist derzeit im Rahmen der „Atlantis Gay Cruise“ des gleichnamigen Veranstalters unterwegs, die sich vor allem an schwule Reisende richtet. An Bord befinden sich rund 1.860 Passagiere und mehr als 1.100 Besatzungsmitglieder.

Passagiere wurden kurzfristig informiert

Die Gäste wurden in einem Schreiben informiert, das am Donnerstagmorgen in ihren Kabinen verteilt wurde. Darin erklärte Atlantis-Events-Präsident Rich Campbell, das Unternehmen sei erst in den frühen Morgenstunden darüber informiert worden, dass die „Scarlet Lady“ nicht in ägyptische Gewässer einlaufen dürfe. Man habe eine vergleichbare Route im vergangenen Jahr ohne Schwierigkeiten durchgeführt und sei deshalb von der Entscheidung überrascht worden. Sowohl Atlantis Events als auch Virgin Voyages hätten bis zuletzt versucht, den Aufenthalt in Alexandria zu ermöglichen.

Eine offizielle Erklärung der ägyptischen Behörden liegt bislang nicht vor. Nach Bekanntwerden der Entscheidung änderte das Schiff seinen Kurs und nahm stattdessen Fahrt in Richtung Griechenland auf. Aus dem geplanten Landgang wurde ein zusätzlicher Seetag. Inzwischen wurde die Route erneut angepasst. Die „Scarlet Lady“ lief den Hafen von Souda auf Kreta an und soll ihre Reise anschließend über Montenegro fortsetzen. Die zehntägige Kreuzfahrt begann in Athen und soll planmäßig in Venedig enden.

Bereits zuvor Verbot in der Türkei

Ursprünglich war der Aufenthalt in Alexandria als Ersatz für einen abgesagten Stopp im türkischen Kuşadası vorgesehen. Die dortigen Behörden hatten das Einlaufen mit der Begründung untersagt, die Reise werde von Gruppen organisiert, deren Verhalten nicht mit den gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen des Landes vereinbar sei. Zudem hieß es, der geplante Besuch habe erhebliche öffentliche Besorgnis ausgelöst.

Campbell bezeichnete das Vorgehen der Türkei gegenüber CNN als „schockierend“. Laut Campbell habe Atlantis Events in den vergangenen 25 Jahren insgesamt 13 Kreuzfahrten mit türkischen Häfen durchgeführt, ohne dass es vergleichbare Probleme gegeben habe. Auch Gespräche unter Einbindung der US-Botschaft konnten die Entscheidung nicht mehr ändern.

Der mitreisende Blogger Randy Slovacek schrieb, dass es in der 36-jährigen Geschichte von Atlantis Events noch nie vorgekommen sei, dass einem Schiff die Einfahrt in einen Hafen verweigert wurde. Nun sei dies innerhalb weniger Tage gleich in zwei Ländern passiert. Zugleich betonte er, dass die Reisenden ihr Geld künftig dort ausgeben würden, wo sie willkommen seien.

Lage für sexuelle Minderheiten in Ägypten bleibt gefährlich

Obwohl Homosexualität weder in der Türkei noch in Ägypten ausdrücklich unter Strafe steht, warnen Menschenrechtsorganisationen seit Jahren vor der Situation queerer Menschen in diesen Ländern. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden häufig weit gefasste Gesetze zum Schutz von Moral oder Religion genutzt, um queere Menschen strafrechtlich zu verfolgen. Auch das Auswärtige Amt warnt, dass etwa ägyptische Behörden Dating-Apps nutzen, um LGBTIQ+-Personen zu identifizieren.

Für viele Passagiere bedeutete die Absage des Ägypten-Aufenthalts eine besondere Enttäuschung. Zahlreiche Gäste hatten bereits private Ausflüge zu den Pyramiden und Museen in Kairo gebucht. Laut Olsen fiel die Entscheidung erst in letzter Minute. Am Vorabend habe es noch keine Hinweise auf eine bevorstehende Einreisesperre gegeben.

Probleme mit Kreuzfahrten für queere Menschen gab es bereits in der Vergangenheit. So wurden beispielsweise im Jahr 2012 auf der Karibikinsel Dominica zwei Teilnehmer einer Atlantis-Kreuzfahrt wegen homosexueller Handlungen festgenommen.

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