HomePolitikInternationalUS-Senator Lindsey Graham mit 71 Jahren gestorben

US-Senator Lindsey Graham mit 71 Jahren gestorben

US-Senator Lindsey Graham ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Der enge Trump-Verbündete prägte die amerikanische Außenpolitik über Jahrzehnte, sorgte mit seiner konservativen Haltung zu LGBTI-Rechten jedoch ebenso für Kontroversen wie durch anhaltende Spekulationen über sein Privatleben.

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham ist tot. Der langjährige Senator aus South Carolina ist am Samstagabend im Alter von 71 Jahren gestorben. Dies teilte sein Büro in einer Erklärung mit. Der örtliche Gerichtsmediziner habe einen Riss der Hauptschlagader infolge einer Herzerkrankung als vorläufige Todesursache festgestellt, hieß es später. Graham hatte erst zwei Tage zuvor seinen 71. Geburtstag gefeiert.

Tod kam völlig überraschend

Sein Tod kam unerwartet. Noch wenige Tage zuvor hatte er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew getroffen. Für Sonntag war ein Fernsehinterview mit ihm geplant. Außerdem bereitete sich der Republikaner auf die im November stattfindenden Kongresswahlen vor, bei denen er erneut für den Senat kandidieren wollte. US-Präsident Donald Trump hatte seine Kandidatur öffentlich unterstützt.

Trump würdigte seinen langjährigen politischen Verbündeten kurz nach Bekanntwerden seines Todes auf Truth Social. „Senator Lindsey Graham, einer der großartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe, ist gestorben“, schrieb der Präsident. Graham sei „immer im Einsatz“ gewesen und habe sein Land als „wahrer amerikanischer Patriot“ vertreten.

Mehr als drei Jahrzehnte in Washington

Graham begann seine Laufbahn Mitte der 1990er Jahre im Repräsentantenhaus. Ab 2003 vertrat er South Carolina im US-Senat, wo er drei Mal wiedergewählt wurde. Zuletzt stand er dem Haushaltsausschuss des Senats vor.

Vor allem in der Außen- und Sicherheitspolitik zählte Graham zu den profiliertesten republikanischen Stimmen. Er setzte sich regelmäßig für eine starke Rolle der USA auf internationaler Ebene ein und bezog zu zahlreichen Krisen Stellung. Erst wenige Tage vor seinem Tod erklärte er nach Gesprächen in Kiew, das Weiße Haus unterstütze neue Sanktionen gegen Russland. Mit Blick auf den Iran sprach er sich mehrfach für einen politischen Machtwechsel aus.

Konservative Positionen in Gesellschaftsfragen

Während er in der Außenpolitik parteiübergreifend Anerkennung fand, sorgten seine Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen regelmäßig für Kritik. So gehörte Graham 1996 zu den Unterstützern des „Defense of Marriage Act“ (DOMA), der die Ehe auf Bundesebene ausschließlich als Verbindung zwischen Mann und Frau definierte.

Auch später stellte er sich gegen mehrere Gesetzesinitiativen zugunsten von Angehörigen sexueller Minderheiten. So stimmte er beispielsweise 2010 gegen die Abschaffung der Militärregelung „Don’t Ask, Don’t Tell“, die offen homosexuellen Soldat:innen den Dienst untersagte. Bundesweite Antidiskriminierungsgesetze wie den „Equality Act“ lehnte er ebenfalls ab. Nach der Öffnung der Ehe setzte er sich zudem für weitreichende religiöse Ausnahmeregelungen ein.

Gerüchte über sein Privatleben

Wegen seines Privatlebens geriet Graham allerdings über Jahre immer wieder in die Schlagzeilen. Als unverheirateter Spitzenpolitiker der Republikaner wurde regelmäßig über seine sexuelle Orientierung spekuliert.

Er selbst wies entsprechende Vermutungen mehrfach zurück. Nachdem die Komikerin Chelsea Handler seine Sexualität öffentlich thematisiert hatte, sagte Graham in einem Fernsehinterview: „Ich bin nicht schwul. Deshalb werde ich auch keinen Mann heiraten.“

„Lady G“ sorgte 2020 für Aufsehen

Im Sommer 2020 verbreiteten sich allerdings unter den Schlagworten „Lady G“ und „#LadyGraham“ zahlreiche Behauptungen in den sozialen Netzwerken. Auslöser waren Aussagen des Pornodarstellers und Escorts Sean Harding, wonach Graham männliche Sexarbeiter engagiert haben soll und in dieser Szene unter dem Spitznamen „Lady G“ bekannt gewesen sei.

Grahams Büro wies die Behauptungen stets zurück und bezeichnete sie als politisch motivierte Verleumdungen.

Unterschiedliche Reaktionen aus der LGBTI-Community

Die jahrelangen Spekulationen über Grahams sexuelle Orientierung wurden in der queeren Community unterschiedlich gewertet. Viele Aktivist:innen verwiesen darauf, dass jeder Mensch – unabhängig von seiner politischen Haltung – selbst entscheiden müsse, ob und wann er seine sexuelle Orientierung öffentlich macht. Ein erzwungenes Outing sei mit dem Recht auf Privatsphäre nicht vereinbar.

Andere argumentierten hingegen, dass Grahams politische Verantwortung schwerer wiege. Schließlich habe er zahlreiche Gesetze und Initiativen unterstützt, die die Rechte von LGBTIQ+-Personen einschränken. . Daher könne sein Privatleben anders bewertet werden als das von Politikern ohne vergleichbare Gesetzesinitiativen.

Mehr News