Die Nachwirkungen der 4. Wiener Neustadt Pride sind auch nach Ende der Veranstaltung spürbar. Während die Organisator:innen von QWN – Queeres Wiener Neustadt gemeinsam mit mehr als 400 Teilnehmer:innen für Sichtbarkeit und Akzeptanz demonstrierten, sorgte ein Statement der Stadt-NEOS für heftige Reaktionen. Darin kritisierte die Partei nicht nur den Ablauf der Veranstaltung, sondern stellte auch die weitere Unterstützung durch die Stadt infrage.
Kritik an politischer Ausrichtung
In ihrem auf Facebook veröffentlichten Statement erklärten die NEOS, dass sie die Pride dieses Jahr vorzeitig verlassen hätten. Ihrer Meinung nach hätten weltpolitische Themen und andere politische Anliegen den ursprünglichen Fokus der Veranstaltung verdrängt. Sie kritisierten unter anderem Redebeiträge zu internationalen Konflikten sowie Parolen während des Demonstrationszugs.
Theodor Harnisch, Gemeinderat der NEOS, sagte gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN): „Wenn weltpolitischen Themen mehr Bühne gegeben wird als lokalen Anliegen und Kampfparolen die Musik übertönen, dann läuft etwas gewaltig falsch.“
Forderung nach Konsequenzen
Besonders kritisiert wurde jedoch eine Passage im Statement der NEOS, in der die Partei ankündigte, sollte sich die Pride weiterhin in diese Richtung entwickeln, werde eine Unterstützung durch die Stadt – „sei es finanziell, werblich oder durch die Beteiligung von Mandatar:innen“ – dauerhaft ausbleiben.
Zudem verlangten die NEOS strengere Teilnahmebedingungen. Ihrer Vorstellung nach soll der Fokus ausschließlich auf LGBTIQ+-Themen liegen. Auch kleinere Fahnen und Banner sowie ein Verbot von Nationalflaggen seien laut NEOS mögliche Maßnahmen.
Rückzieher nach öffentlicher Kritik
Nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Statements folgte jedoch eine deutliche Relativierung. In einem Kommentar unter dem Beitrag entschuldigten sich die NEOS bei den Veranstalter:innen vom Verein QWN – Queeres Wiener Neustadt – ausdrücklich für ihr Vorgehen. Man habe die Organisator:innen nicht zuerst direkt kontaktiert und bedaure diesen Schritt.
„Es ist nicht unsere Absicht, den Verein in ein schlechtes Licht zu rücken oder etwas zu erzwingen“, hieß es darin. Gleichzeitig betonte man, dass das ursprüngliche Statement die persönliche Wahrnehmung widerspiegele und lediglich Anregungen enthalten sollte.
QWN weist Vorwürfe zurück
Mittlerweile hat der Verein QWN mit einer ausführlichen Stellungnahme auf Instagram reagiert. Darin kritisiert der Vorstand sowohl das Vorgehen der NEOS als auch Teile der Berichterstattung. Demnach sei die Pride vollständig ehrenamtlich organisiert worden. Dazu zählen der Einsatz gegen Diskriminierung und Ausgrenzung sowie die Solidarität mit queeren Menschen.
Man arbeite bewusst mit Organisationen zusammen, die die Grundwerte der Veranstaltung teilen. Dazu gehören jedoch nicht die vier im Gemeinderat vertretenen Regierungsparteien, betont QWN. Dass ausgerechnet eine Oppositionspartei die Pride öffentlich angreift, ohne zuvor das Gespräch gesucht zu haben, schade der noch jungen queeren Bewegung in Wiener Neustadt.
Pride als politische Demonstration
QWN widerspricht der Kritik der NEOS inhaltlich deutlich. Die Pride sei in erster Linie eine politische Demonstration und erst in zweiter Linie ein Fest der Vielfalt. Deshalb entscheide die queere Community selbst, welche Themen auf der Veranstaltung Platz haben.
Der Verein argumentiert, dass Themen wie Wohnen, Bodenversiegelung oder internationale Konflikte sehr wohl Bezüge zur Lebensrealität queerer Menschen haben. Zwei der kritisierten Redebeiträge hätten sich direkt auf Wiener Neustadt bezogen und alle Beiträge hätten einen Zusammenhang mit LGBTIQ+-Anliegen gehabt.
Auch die Darstellung der NEOS, der Demonstrationszug sei von roten Fahnen dominiert gewesen, weist QWN zurück. An der Spitze des Zuges habe sich ein Polizeifahrzeug befunden. Erst am Ende des Demonstrationszuges seien fünf Fahnen linker Gruppen mitgeführt worden. Parolen wie „Free Palestine” wurden wahrgenommen und werden intern mit den beteiligten Gruppen aufgearbeitet.
Organisatoren verteidigen Zusammenarbeit
QWN erklärt außerdem, dass die von den NEOS kritisierten Organisationen wichtige Unterstützung geleistet hätten. So hätten sie unter anderem dafür gesorgt, dass die Teilnehmer:innen sicher zwischen Bahnhof und Hauptplatz gelangen konnten. In den vergangenen Jahren war es dort zu Angriffen auf Pride-Besucher:innen gekommen. Außerdem hätten sie kostenlos Wasser verteilt.
Der Verein weist auch die Darstellung zurück, zahlreiche Besucher:innen hätten die Pride vorzeitig verlassen. Seiner eigenen Wahrnehmung nach sei die große Mehrheit bis zum Ende geblieben, lediglich die Delegation der NEOS habe die Veranstaltung frühzeitig verlassen.

